Stolberg - Acht Inklusionszentren für das Stadtgebiet

Acht Inklusionszentren für das Stadtgebiet

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Mit der Schaffung von insgesamt acht Inklusionszentren soll das Angebot zur gemeinsamen Betreuung von behinderten und nicht behinderten Kindern in den kommenden zehn Jahren in Stolberg neu organisiert und ausgebaut werden. Foto: epd

Stolberg. Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten: Nachdem die Stadt Stolberg die Aufnahmekapazitäten für Kinder unter drei Jahren nahezu flächendeckend ausgebaut hat – nur in der Atsch fehlen immer noch die Landes- und Bundeszuschüsse für geplante 28 Plätze –, soll nun die gemeinsame Betreuung von Kindergartenkindern mit und ohne Behinderung zunehmend in den Fokus gerückt werden.

„Im weiteren Fortgang der Diskussion über die inklusive Schule wird sich auch die Forderung nach der Inklusion in den Kindertagesstätten intensivieren“, ist Wolfgang Joussen überzeugt. Donnerstagabend hat der Soziologe deshalb im Jugendhilfeausschuss eine aktualisierte Fassung des Kinder- und Jugendhilfeplans für den Bereich frühe Bildung, Erziehung und Betreuung vorgestellt.

Sie sieht eine Umorganisation und einen teilweisen Ausbau von Kitas in den kommenden zehn Jahren vor. Dabei wurden den Ausschuss-Mitgliedern zwei Varianten vorgestellt – mit einem klaren Plädoyer der Verwaltung für Variante 2. Erstere nämlich lässt sich nach Einschätzung der Fachleute im Rathaus nicht finanzieren. Sie sieht einen pädagogischen und räumlichen Ausbau aller Kitas in Stolberg – und das sind immerhin 32 – zu integrativen Einrichtungen vor.

„Für die Realisierung dieses Szenarios sind sowohl einmalig als auch langfristig hohe Investitionen und ein deutlich höherer Personaleinsatz erforderlich“, stellte Fachbereichsleiter Willi Seyffarth vor der Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung fest.

Als umsetzbar eingeschätzt und auch vom Ausschuss am Donnerstag für gut befunden ist die zweite Variante, die die Bildung von insgesamt acht Inklusionszentren im Stadtgebiet vorsieht. Zudem soll es aber weiter Einzelintegrationsplätze geben.

„Wir haben bereits in vielen Sozialräumen integrative Einrichtungen“, verwies Josef Offergeld auf bestehende Strukturen, die die Basis für den bis 2025 vorgesehenen Um- und Ausbau der ausgewählten Kitas zu, so Offergeld, „Kompetenzzentren für Inklusion“ bilden könnten. „Man muss nicht jede Einrichtung umbauen und herrichten, um der Nachfrage bei der integrativen Betreuung gerecht werden zu können“, so der Abteilungsleiter.

Lücken in der Versorgung

Allerdings ist dieses Angebot noch nicht in allen acht Sozialräumen der Kupferstadt – Unterstolberg, Oberstolberg, Donnerberg, Atsch, Büsbach/Münsterbusch, Breinig/Breinigerberg/Dorff/Venwegen, Gressenich/Schevenhütte/Werth/Mausbach sowie Vicht/Zweifall – vorhanden: In der Atsch, in Vicht/Zweifall und auf dem Donnerberg gibt es bis dato noch keine integrativen Einrichtungen.

In den ersten beiden Fällen geht das Jugendamt derzeit davon aus, dass schon existierende Regel-Kitas durch eine Erweiterung zu integrativen Häusern werden könnten. Im Falle des Donnerbergs wird aber auch ein Neubau nicht ausgeschlossen, weil dort – ebenso wie in Mausbach und Breinig – durch die Entstehung von Baugebieten ein verstärkter Zuzug von Familien mit Kindern und deshalb eine erhöhte Nachfrage für Regel- und integrative Plätze erwartet wird.

Gleichwohl gibt es bisher sowohl für den Aus- als auch für den Neubau von Kindertagesstätten keine Finanzierungspläne. Willi Seyffarth verweist zwar auf das Konnexitätsprinzip, das Bund und Land zur Bezuschussung verpflichte. „Konkrete Aussagen zu Investitionsprogrammen liegen uns aber noch nicht vor.“

Auch deshalb wohl geht der aktualisierte Kinder- und Jugendhilfeplan erstmals explizit auf die Möglichkeit der Schaffung von Großtagespflegestellen ein. In solchen könnte für eine Übergangsphase in wachsenden Stadtteilen eine zusätzliche Betreuungskapazität geschaffen und so die Zeit bis zur Erweiterung oder zum Neubau einer Kita überbrückt werden.

Durch den Zusammenschluss von bis zu drei Tagespflegepersonen könnten maximal neun Kinder in entsprechend geeigneten Räumen betreut werden. Eine höhere Buchungssicherheit für die Eltern, die mögliche Ausdehnung der Betreuungszeiten und die fachliche Ergänzung der Betreuerinnen wären neben der Schaffung von Plätzen gute Argumente für ein solches Modell. Dieses erhält jedoch von der Stadt laut Josef Offergeld, eine Auflage: „Mindestens eine der Tagespflegepersonen müsste eine ausgebildete Erzieherin sein.“

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