Stolberg - „Acht Frauen“ plagen Sorgen, Theatergruppe auch

„Acht Frauen“ plagen Sorgen, Theatergruppe auch

Von: Jule Klieser
Letzte Aktualisierung:
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Am Samstag ist die Foto: Klieser

Stolberg. Ein Hauch von 1960er-Jahre-Nostalgie schwebt im Probenraum, der sich in einem Pavillon der Grundschule in Walheim befindet. Dort treffen sich die Leute von „Applaus“ allwöchentlich zum Theaterspielen. Gerade laufen die Proben für „Acht Frauen“ auf Hochtouren.

Zwischen einem monströsen Fransensofa, einem Regälchen mit dem Charme der Sachlichkeit und den selbst gebauten und bemalten Zimmerwänden enthüllen die Protagonistinnen nach und nach ihren Charakter, und es entwickelt sich eine spannende Mordgeschichte. Der einzige Mann im Herrenhaus ist tot, ein Messer steckt in seinem Rücken. Eine der Frauen muss es gewesen sein, und eigentlich hat jede ein Motiv.

So viel wird schon in den ersten Takten der Probe deutlich, auch wenn der Text noch nicht ganz sitzt. Doch was soll‘s? Die Akteurinnen sind guten Mutes, lassen sich soufflieren und lachen über Lücken. Es sind ja noch zwei Wochen Zeit, um alles komplett auswendig zu lernen. Die Frauen, manchmal nicht alle Acht, haben sichtlich Spaß bei dem Treiben in dem flott zusammen gerückten Wohnzimmer und gehen richtig auf in den unterschiedlichen Rollen. Louise, die vernünftige Haushaltshilfe, Madame Channel, nicht so vornehm wie ihr Name ahnen lässt, die junge und gewitzte Catherine, oder Mamy im Rollstuhl, die mit ihren Kommentaren alles und jeden zurecht weisen muss.

Regisseur Heinz Milcher sitzt am Pult, lässt die Schauspielerinnen spielen und souffliert. Die Komödie von Robert Thomas hat die Truppe ausgewählt wegen des akuten Männermangels in der aktuellen Spielzeit. Rund 20 Kinder gehören neben vier Männern und den Frauen dem Ensemble an, das in wechselnder Besetzung abwechselnd Kinder- und Erwachsenenstücke spielt. Heinz Milcher gründete 1988 „Applaus“, nachdem er in seiner Pfarre mit Kindern „Das fliegende Klassenzimmer“ einstudiert hatte. Jahre später wollte sein Sohn gerne wieder Theater spielen, und so entstand die dem Eifel- und Heimatverein Breinig angeschlossene Gruppe, deren ursprüngliche Besetzung allerdings nicht mehr besteht.

So manches Schätzchen an Requisite haben sie zusammen getragen. Das Telefon, dessen Kabel im Verlauf des Stückes sich als durchgeschnitten erweist, ist sicherlich noch etwas älter als das Zeitalter, in dem die „Acht Frauen“ agieren. Eine schöne alte Arzttasche gibt es, Tingeltangel, Lampen und Oma-Möbel. Alle Kulissen sind selbst entworfen und gebaut. „Diesmal ist es besonders aufwändig“, erläuterte Milchers bei der Probe, denn das Bühnengeschehen spielt sich auf zwei Etagen ab. Treppe und Empore sind nicht nur eine handwerkliche Herausforderung, auch eine choreographische. Außerdem muss alles zum Veranstaltungsort, dem Kulturzentrum Frankental, hin- und wieder zurückgefahren werden, aufgebaut und abgebaut. Und das nicht nur einmal. „Bisher war die Bühne im Kulturzentrum für Vereine kostenlos“, merkte Milchers bedauernd an.

Suche nach Alternativen

Denn das soll sich in Zukunft ändern. Die Stadt will Beiträge für die Bühnennutzung kassieren, 120 Euro pro Aufführung, an Samstagen und Sonntagen sogar 180 Euro. Deshalb müssen die „Applaus“-Leute jedes Mal die Kulissen abbauen, wenn keine Aufführung ist. Vor allem aber werden sie sich für die Zukunft nach einer anderen Bühne umsehen müssen. „Wir sind dabei, etwas anderes zu suchen, ziehen eventuell sogar die Auflösung der Truppe in Betracht“, sagt Milchers.

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