Absage an den SV muss kein Aus für den Sportpark sein

Von: Jürgen Lange
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Das Projekt Breinig liegt jetzt erst einmal auf Eis: Die Aschenplätze (1) sollten aus Bauland vermarktet werden, das bestehende Stadion (2) erweitert werden mit Kunstrasen-, Trainingsplatz und Vereinsheim (3).

Stolberg. Bis spät in den Abend hinein tagte am Dienstag der Vorstand des SV Breinig. Nach monatelangen Gesprächen über eine Realisierung des Sportparks auf der Schützheide hat er am Dienstag eine Absage bekommen. Einstimmig haben die Fraktionen von CDU und SPD beschlossen, das Vorhaben unter den von Breinig geforderten Bedingungen nicht zu realisieren.

Gleichwohl reichen Dr. Tim Grüttemeier und Dieter Wolf die Hand und halten das bestehende Angebot über einen Zuschuss in Höhe von 900.000 Euro plus den Erwerb des Grundstückes für den neuen Sportplatz aufrecht: „Wir ermutigen Sie, das Projekt erneut kritisch zu überprüfen und so zu restrukturieren, dass es mit den insgesamt mobilisierbaren Mitteln einschließlich der angebotenen Eigenleistung doch noch umgesetzt werden kann.“

Die jüngsten Gespräche der Koalition mit den Vertretern des SV Breinig hatten, anders als von der Politik erhofft, nicht zu einer Annäherung geführt. Im Gegenteil: „Die gestellten Forderungen nach einer finanziellen Beteiligung der Stadt haben ein Gesamtvolumen von rund 1,8 Millionen Euro“, so Wolf und Grüttemeier.

„Darüber hinaus forderten die Verantwortlichen, dass die Stadt alleine zusätzliche finanzielle Risiken übernehmen müssen.“ Diese Forderungen überstiegen das städtische Angebot, „mit dem wir bereits an die finanziellen Grenzen gegangen sind“, konstatiert die Koalition. „Ein darüber hinausgehendes Engagement der Stadt ist weder finanziell möglich noch wäre es den Bürgern und übrigen Sportvereinen vermittelbar.“

Nach Informationen unserer Zeitung hat es seitens des SV Breinig kein Einlenken, sondern eine Verdeutlichung einer weiter gehenderen Erwartungshaltung gegeben. Neben dem Zuschuss über 900.000 Euro, über den der SV frei verfügen wollte, kam der mit 500.000 Euro kalkulierte Grunderwerb hinzu. Weitere 170.000 Ökopunkte im Wert von je einem Euro wären aufzubringen gewesen nebst einem hohen fünfstelligen Betrag zugunsten eines Dritten. Hinzu kam die erwähnte Risikoübernahme.

Die Ausgabenseite für die neue Sportanlage nebst Kunstrasen, Kleinspielfeld und Vereinsheim summierte sich auf ein Volumen von über 2,7 Millionen Euro. Grundgedanke war, die beiden alten Aschenplätze und das Vereinsheim nebst Umfeld als Bauland zu vermarkten und einen gleichwertigen Ersatz neben dem bestehenden Rasenstadion zu schaffen.

Dass es angesichts des Finanzvolumens lediglich um einen Ersatz der vorhandenen Infrastruktur geht, wird seitens der Politik bezweifelt. Sie hält die Forderungen des SV Breinig an die öffentliche Hand für überzogen. „Wir wissen, wie wichtig der Verein für die sportliche und gesellschaftliche Landschaft in Stolberg ist“, unterstreichen die Sprecher der Koalition insbesondere die „hervorragende Jugendarbeit“.

Vor diesem Hintergrund befürworteten SPD wie CDU weiterhin den Wunsch nach einer neuen und modernen Sportanlage. „Allerdings kann eine Stadt in Zeiten, in denen alle Stolberger ihren Beitrag zur finanziellen Konsolidierung leisten müssen, nicht – auch nicht für ein so gutes Projekt – unbegrenzt Geld zur Verfügung stellen“, betonen Wolf und Grüttemeier. Dies müsste den für das Projekt Verantwortlichen des SV Breinig angesichts von Steuererhöhungen, Personalabbau im Rathaus sowie Kürzungen von sozialen und freiwilligen Leistungen klar sein.

Klar ist mit dieser deutlichen Entscheidung der Koalition auch, dass die Folgen weitere Stolberger Vereine zu spüren bekommen. „Zumindest auf der Zeitachse“, erklärte auf Anfrage Dr. Tim Grüttemeier. Denn mit der Realisierung des Sportparks hatte sich die Stadt auch Einnahmen aus der Vermarktung des Baulandes erhofft.

Sie sollten zumindest teilweise in einen Pool fließen, aus dem die Neuordnung der Stolberger Sportplatz-Landschaft kofinanziert werden sollte. „Prämisse der Koalition ist es, keine neuen Schulden zu machen“, betont der Fraktionsvorsitzende der CDU. Angesichts fehlender Einnahmen werde sich dies bei der Realisierung weiterer Projekte bemerkbar machen, die nun aufgeschoben werden müssten.

Betroffen ist zunächst die SG Stolberg, die sich einen Zuschuss von rund 250.000 Euro erhofft, um aus dem Aschenplatz Gressenich in eine Kunstrasenanlage zu machen. Sie kann allerdings bislang keine Erlöse beisteuern, weil der Sportplatz Werth mit seiner Lage im Landschaftsschutzgebiet nicht vermarktet werden kann.

Betroffen ist ebenso der FC Stolberg, der eine gemeinsame Zukunft mit dem SC Münsterbusch und den Leichtathleten im Stadion Glashütter Weiher anstrebt. Hier laufen bereits Gespräche, um die Dimension des Vorhabens abschätzen zu können. In Kürze geführt werden sollen Gespräche mit dem FC Adler Büsbach, der den Aschenplatz an der Kranensterzstraße ebenfalls in eine Kunstrasenanlage umwandeln möchte, über die Rahmenbedingungen.

Und auch Dieter Wolf sieht in der Haltung des SV Breinig „einen herben Rückschlag“ für die Sportplatz-Entwicklung im Stadtgebiet. Neue Sportplätze dürfen nicht durch neue Schulden finanziert werden, betont auch der Fraktionsvorsitzende der SPD und verweist auf die verzögerten Perspektiven für die übrigen Vereine.

Zwar geht die Stadt jetzt die Vermarktung des Sportplatzes Rotsch an, „aber zuerst müssen Erlöse fließen“, markiert Wolf. Dies ist eine Konsequenz aus den Erfahrungen bei der Realisierung der Kunstrasenanlage auf dem Dörenberg; dort wartet die Stadt noch auf Erlöse aus dem umgewandelten Bauland.

Dieter Jollet, Vorsitzender des SV Breinig, wollte am Dienstag mit Verweis auf die ausstehenden Beratungen am Abend noch keinen Kommentar zur Entscheidung der großen Koalition abgeben.

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