Stolberg - Abriss am Steinweg: Eineinhalb Jahre Spannung bis zur letzten Minute

Abriss am Steinweg: Eineinhalb Jahre Spannung bis zur letzten Minute

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Die Eckbebauung von Wurstgasse und Steinweg nebst der Bachüberbauung darf nach der Ministerentscheidung, den Eintrag in die Denkmalliste abzulehnen, nun abgerissen werden. Geschaffen werden soll ein kleiner Platz. Gewünscht ist Gastronomie im Nachbargebäude. Foto: J. Lange
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Die Eckbebauung von Wurstgasse und Steinweg nebst der Bachüberbauung darf nach der Ministerentscheidung, den Eintrag in die Denkmalliste abzulehnen, nun abgerissen werden. Geschaffen werden soll ein kleiner Platz. Gewünscht ist Gastronomie im Nachbargebäude. Foto: J. Lange

Stolberg. Nichts sickerte durch: Wenn es um Spannung geht, kann man Ina Scharrenbach und ihrem Team so schnell nichts vormachen. Im Vorfeld ihres Besuches des Neujahrsempfangs war der Pressestelle der Bauministerin nichts über das Schicksal des Ensembles Steinweg 38 zu entlocken, und bei ihrer Ansprache im Zinkhütter Hof machte die oberste Denkmalschützerin des Landes es nicht minder packend.

Erst zum Schluss ihrer Rede ließ sie die sprichwörtliche Katze aus dem Sack: Die Immobilie darf abgerissen werden.

Dokumentation wird erstellt

„Die Archivalien besitzen de facto einen höheren Informationsgehalt als die Bausubstanz“, formulierte Scharrenbach bevor sie eine Empfehlung gab und ihre Entscheidung mitteilte. Die Ministerin rät zu einer wissenschaftlichen Untersuchung und Dokumentation des Gebäudes als Sekundärquelle. „Wir haben als Ministerium darauf keinen Anspruch, weil ich entschieden habe, dass das Gebäude nicht in die Denkmalliste einzutragen ist“, sagte die Christdemokratin.

„Der Empfehlung der Ministerin werden wir mit Sicherheit folgen“, sagte am Donnerstag in einer ersten Reaktion Tobias Röhm. „Wir sind gerne bereit, in Abstimmung mit dem Rheinischen Amt für Denkmalschutz die erforderlichen Maßnahmen durchzuführen“, so der Technische Beigeordnete, der sich erfreut zeigte, die Wünsche der Bürgerschaft aus der Planungswerkstat nun umsetzen zu können. Über Details könne allerdings erst gesprochen werden, wenn die Entscheidung aus Düsseldorf auch schriftlich in Stolberg vorläge.

Aber forciert werden sollen jetzt die weiteren Planungsschritte, um den neuen Quartiersplatz im oberen Steinweg realisieren zu können. Dazu zählen zunächst einmal zahlreiche Gutachten: vom Artenschutz bis hin zur Statik des Nachbargebäudes, wo nach den Ideen aus dem Talachsen-Konzept in Zukunft eine zusätzliche Gastronomie einziehen soll.

Wann mit dem Abriss des Ensembles, das sich mit einer Bachüberbauung und einen weiteren Bauteil beidseitig der Vicht erstreckt, und des Nachbarhauses Nr. 40 begonnen werden kann, hängt im Wesentlichen von der Dauer und dem Ausgang der Gutachten ab. Ursprünglich sollte mit der Ausgestaltung des Quartiersplatzes in diesem Jahr begonnen werden, für den die Förderzusage aus Städtebaumitteln bereits vorliegt.

Im Juli 2016 hatten die ersten konkreteren Ideen zum Abriss alter Bausubstanz einen historisch engagierten Bürger motiviert, das Amt für Denkmalschutz in der Abtei Brauweiler zu informieren. Das schaute sich im Ende 2016 die Häuser genauer an. Anfang 2017 folgte der Antrag auf Eintragung in die Denkmalliste, um „ein bauliches Zeugnis aus der ersten und zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu bewahren, das anschaulich die Epoche der baulichen Entwicklung Stolbergs im 19. Jahrhundert dokumentiert“. Zahlreiche erhaltenswerte Details entdeckten die Denkmalschützer, darunter im Keller eine Wasserrinne mit einem von Blaustein eingefassten – zugemauerten – Ablauf in den Vichtbach.

Aus Sicht der Stadt Stolberg wiegen diese Argumente jedoch nicht schwer genug. Einerseits sei der Erhalt des Gebäudes wirtschaftlich nicht darstellbar, andererseits hätte sich eine klare Mehrheit der Bürgerschaft zugunsten der – mit dem Ministerium abgesprochenen – Neugestaltung ausgesprochen, und zudem genieße mit über 800 eingetragenen Objekten der Denkmalschutz in Stolberg bereits eine außerordentlich hohe Berücksichtigung. Entsprechend lehnte der Stadtrat mehrheitlich den Antrag des LVR-Amtes ab.

Das wiederum schöpfte seine zweimonatliche Frist bis zum 8. Mai aus, um den Ministerentscheid zu beantragen. Nachdem der seinerzeit oberste Denkmalschützer Michael Groschek im Rahmen eines Wahlkampftermins sich vor Ort kopfschüttelnd ein Bild machte, wechselte in Düsseldorf die Verantwortung. Seit Mittwoch, 20 Uhr, herrscht mit der Entscheidung von Ina Scharrenbach Klarheit.

In der Konsequenz kann der Blick auf den Vichtbach geöffnet und unter Einbeziehung der Ecke zu Steilsgasse ein Platzbereich geschaffen werden. Nach dem Abriss sollen zudem die Fassaden des Eckhauses von Klatterstraße und Wurstbrücke saniert werden. Auch dazu sind Fördermittel aus dem Talachsen-Konzept bewilligt. Die Aufwertung des Quartiers sieht zudem eine Gestaltung der heutigen Garagen an Stielsgasse / Rathausumfahrt sowie zu einem späteren zeitpunkt an der Ecke Steinweg / Mühlenstraße mit Ausblick auf die Burg vor.

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