Abenteuer Auslandspraktikum: Stolbergerinnen zieht es nach Izmir

Von: Stefanie Henke
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Izmir in der Ägäis: Dort im Krankenhaus absolvieren die beiden Stolberger Kolleg-Schülerinnen im Rahmen ihrer Ausbildung zu Medizinischen Fachassistentinnen ein Auslandspraktikum. Foto: stock/Westend61
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Mit Fernfieber infiziert: Esra Cimen und Meike Moskatewitz zieht‘s zum Auslandspraktikum in die Türkei.

Stolberg. „Wir überschreiten gerne Grenzen und lieben Ortswechsel und Vielfalt beim Lernen und in der Ausbildung!“ So lautet das Motto des Berufskollegs Stolberg/Simmerath. „Hierfür wird viel getan“, versichert Willi Steffens, Lehrer an der seit 2012 zertifizierten Europaschule.

Dies ist deutlich an den vielfältigen Angeboten im internationalen Bereich zu erkennen. Zum Beispiel werden neben den typischen Sprachunterrichten wie Englisch, Französisch und Spanisch auch exotischere Sprachen angeboten wie Türkisch und Polnisch.

Ein wichtiger Schwerpunkt am Berufskolleg ist es, die jungen Menschen, die sich mehr und mehr in globalisierten Lebens- und Arbeitswelten behaupten müssen, bestmöglich vorzubereiten. Hierfür werden ihnen eine berufliche Grundbildung, fachspezifisches Wissen sowie sprachliche und interkulturelle Kompetenzen vermittelt.

Besonders ist, dass ihnen Qualifizierungswege mit europäischer beziehungsweise internationaler Dimension ermöglicht werden – wie zum Beispiel „Erasmus+“. Das ist eine Initiative der Europäischen Union, die unter anderem die Bildung in Form von Auslandsaufenthalten unterstützt.

Dieses internationale Förderprogramm ermutigt allerdings nicht nur Schüler, einmal über den Tellerrand hinauszublicken und die Luft der großen weiten Welt zu schnuppern, sondern auch Lehrer. So war es Willi Steffens, der dieses Programm im November 2014 in Anspruch nahm und einen Auslandsaufenthalt in Istanbul verbrachte und somit seine Schülerinnen Meike Moskatewitz und Esra Cimen mit dem Fernfieber infizierte. Die zwei Anfang 20-Jährigen absolvieren im Rahmen ihrer Ausbildung zu Medizinischen Fachassistentinnen – zweites Ausbildungsjahr – ein Auslandspraktikum in der Türkei. Sie sind Pioniere in ihrem Ausbildungsbereich und nutzen als erste Stolbergerinnen dieses Angebot, in Izmir in einer Privatklinik neue Eindrücke zu sammeln.

„Nachdem wir die Bilder aus Istanbul im Unterricht gesehen hatten, stand für uns fest, dass wir mitmachen wollen, und es war direkt klar, dass es ebenfalls die Türkei sein sollte“, berichtet Meike. Esras Familie ist türkischstämmig und lebt teilweise in Izmir, somit ist es für sie ein Heimaturlaub. „Besonders interessant für mich ist, zu sehen, wo die Unterschiede innerhalb der medizinischen Standards liegen. Es ist noch mal etwas anderes, ob man ein Praktikum in England oder in der Türkei macht“, erklärt Meike.

Die Entscheidung war schnell gefällt, allerdings war es nun daran, eventuelle organisatorische Hürden zu nehmen. Denn die gesamte Organisation wie die Freistellung in den Ausbildungsbetrieben, die Suche nach ausländischen Betrieben und die Reiseorganisation müssen die Schülerinnen selbst bewältigen.

„Wir haben sehr viel Hilfe von der Schule erhalten und fühlten uns zu jeder Zeit voll unterstützt. Die Organisation verlief reibungslos und zügig“, bestätigt Esra. „Durch die jahrelangen Rekrutierungen ausländischer Schulen, auch in der Türkei, habe man sich mittlerweile ein gut funktionierendes Netzwerk aufgebaut“, so Willi Steffens.

Meikes Familie hatte zu Beginn ein paar Bedenken, schließlich sind Esra und Meike in Izmir auf sich alleine gestellt. Sie werden zwar in einem gemeinsamen Appartement wohnen und auch in derselben Klinik arbeiten, dennoch ist Izmir über 3000 Kilometer von der Heimat entfernt, und die beiden jungen Frauen sind fernab ihrer gewohnten Umgebung.

Letztlich kamen sowohl Meikes als auch Esras Familie zu dem Entschluss, dass es eine große Chance für die berufliche als auch persönliche Weiterentwicklung ihrer Töchter ist und haben sie in ihren Plänen unterstützt. „Der Aufenthalt wird komplett von Erasmus+ gefördert, warum soll man dann diese Chance nicht nutzen?“, fragt Meike.

„Besonders erwähnenswert ist die Kooperation der Ausbildungsbetriebe der beiden Schülerinnen“, wirft Willi Steffens ein. „Die Unterstützung der Betriebe war großartig und keinesfalls selbstverständlich, schließlich müssen die beiden Frauen für mehrere Wochen freigestellt werden.“

Kurz vor dem Abenteuer stellte man sich natürlich die Frage, ob eher die Freude oder die Angst vor dem Ungewissen überwiegt? „Ich bin von mir selbst überrascht. Eigentlich bin ich kein Typ, der gerne von Zuhause weg ist, aber ich freue mich sehr auf die neuen Erfahrungen“, befand Meike vor dem Abflug. „Wir haben gerade die Zwischenprüfung hinter uns gebracht und hatten durch den Prüfungsstress keine Zeit, uns Sorgen zu machen. Jetzt steigt zwar langsam die Nervosität, aber die Freude überwiegt – ich sehe es als persönliche Herausforderung“, bestätigt auch Esra.

Beide waren sich schon im Vorfeld einig: Sie werden eine tolle Zeit zusammen erleben. Und neben den Eindrücken, die sie im Krankenhaus sammeln, wird sicher Zeit bleiben, Izmir zu erkunden und zu genießen. Und mit Esra als privater Stadtführerin kann ja auch nichts schiefgehen.

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