Stolberg - 900 Jahre Stolberg: „Stalburg“ hat wechselvolle Geschichte

900 Jahre Stolberg: „Stalburg“ hat wechselvolle Geschichte

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So präsentierte sich die Stolberger Burg in der Zeit um das Jahr 1450. Mit Zugbrücke, aber ohne imposanten Turm, der die Burg in der heutigen Zeit prägt. Foto: C. Altena

Stolberg. Stolberg feiert sein 900-jähriges Bestehen – aber was steckt eigentlich dahinter? Wie muss man sich die Verhältnisse 1118 und danach vorstellen, in Stolbergs‚ dunklem Mittelalter, aus dem nicht viel bekannt ist? Ein kleiner Einblick in historische Quellen und wissenschaftliche Forschung. Stolberger Stadtgeschichte ist erst einmal Burg- und Burgherrengeschichte.

Der erste bekannte Burgherr war Reinardus von Stalburg, aus demselben Geschlecht stammten auch Everwinus und Wilhelm. Sie besaßen Burg Stolberg, die ursprünglich Stalburg hieß. Wer sie wann genau erbaute, wird wohl unbekannt bleiben. Irgendwann zwischen dem Jahr 1000 und 1100 ist wahrscheinlich.

In jener Zeit bauten sich besonders viele Adlige aller Ränge – überwiegend gegen das königliche Burgenregal, das ein Exklusivrecht war – Burgen als Wohn- und Verwaltungssitze in ihrer Grundherrschaft. Diese Burg Stolberg sah nicht so aus, wie das heutige Bauwerk. Alle Burgen dieser Phase waren äußerst einfache und kleine Anlagen.

Aus Holz und Erde

Der Steinbau setzte sich erst seit dem Ende des 10. Jahrhunderts durch, zuvor baute man aus Holz und Erde. Somit kann die oft kolportierte Idee, der Name Stalburg, der „feste Burg“ bedeutet, sei der Versuch der Burgherren, ihre besonders kleine Burg propagandistisch zu vergrößern, verneint werden. Vielleicht war sie wirklich eher eine feste Burg, da damalige Anlagen der direkten Umgebung noch aus Erdwällen und Holzpalisaden bestanden?

Nun, ein weiterer Irrtum im Zusammenhang mit der jungen Stolberger Burg ist auch manchmal zu lesen, die Anlage sei aus einem Bauernhof hervorgegangen. Dieses Phänomen gibt es in diesem Sinne im Hochmittelalter nicht. Eine Burg auf einem künstlichen oder natürlichen Hügel wurde als solche befestigte Anlage begründet oder nicht.

Ein Freier, wie der Erbauer aus dem Geschlecht von Stalburg es war, baute sich natürlich eine Burg und bewirtschaftete diese nicht selbst in bäuerlicher Tätigkeit. Das Land an der Vicht und viele Ländereien im ganzen Rheinland gehörten dieser Familie, die es sich über Generationen angeeignet haben muss.

Dass die Burg später auch einmal als „Hof“ bezeichnet wurde, ist eher dem Umstand zuzuordnen, dass die Anlage in ihrer Bedeutung hinter der Stammburg der zwischenzeitlich erscheinenden Besitzerfamilie von Frenz im 13. Jahrhundert zurückstand. Der Wassenberger Stiftungsakt von 1118 muss Reinard von Stalburg in irgendeiner Weise betroffen haben. So vermeidet man Streitigkeiten nach einem Rechtsakt, in dem Herren mit eigenen Interessen im entsprechenden Bereich mit einbezogen werden und so als Zeugen mit siegeln.

Als Edelfreie mit umfangreichem Allodialbesitz, also persönlichem Eigentum, das nicht durch ein Lehensverhältnis im Besitz war, waren sie zwar keine Grafen oder ähnliches des Hochadels, aber diesem näher als Ritter und Ministeriale des niederen Adels - die genaue Abgrenzung ergab sich erst später.

Rechte und Besitztümer müssen weit verstreut gewesen sein, während die Grundherrschaft an der Vicht sehr überschaubar und vor allem durch große, alte Herrschaften der Umgebung eingezwängt war.

Über das Aussehen oder die Größe der Burg im 12. Jahrhundert lässt sich keine Aussage treffen, da diese Burg im Sommer 1375 geschleift, also zerstört, wurde. Vorangegangen war ein Konflikt des Besitzers Reinhard II. von Schönforst mit der Stadt Aachen, der hier nicht vertieft werden kann. Jedenfalls hatte die Burg, wie so viele im Spätmittelalter, ein Ende gefunden. Vielleicht mit ihr die umgebene Siedlung.

Zuerst als Dorf

Die Siedlung am Fuß des Burgbergs wird 1324 greifbar, als Zinsabgaben sowie eine Kornmühle urkundlich erwähnt wurden. Bis ins 18. Jahrhundert erscheint sie als Dorf. In der Frühneuzeit erhält sie den Status eines Fleckens, der mit mehr Rechten versehen ist. Ob Hofanlagen, die über Umwege für das späte 14. Jahrhundert wissenschaftlich erschlossen sind, oder die Mühle den Untergang der Burg überlebten, ist unklar.

Ein erwähntes Hammerwerk, das auch noch 1445 in Betrieb zu sein scheint, lässt vermuten, dass auch Hofanlagen des Tals erhalten blieben. 1349 wurde die Burgkapelle erstmals aktenkundig. Sie muss als üblicher Bestandteil einer mittelalterlichen Burg mit ihr untergegangen sein, so dass es sich mit der später im Außenbereich einer neuen Burganlage erbauten Kapelle bzw. Kirche nicht um eine gerade Entwicklungslinie handelt.

Eine fundierte Lokalisation oder Identifikation der genannten Hofanlagen ist bisher nahezu unmöglich.

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