89 Wohnungen jetzt unter dem Hammer

Von: Jürgen Lange
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Fünf der alten Gehag-Häuser mit 89 Wohnungen auf der Liester kommen unter den Hammer: Der Pirolweg 15 ebenso wie die Nummern 40,42 und 44 sowie die Ardennenstraße 21. Foto: J. Lange
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In den 1960er Jahren ein Meilenstein des Städtebaus auf der Liester: Der frühere Gehag-Komplex gegenüber der Pfarrkirche St. Hermann-Josef.

Stolberg-Liester. Ein neues Kapitel in der Geschichte auf der Liester wird aufgeschlagen. Am Dienstag, 15. Oktober, von 9 Uhr an im Fünf-Minuten-Takt. Ort des Geschehens ist aber nicht Stolbergs jüngster Stadtteil, sondern der Saal 21 im ersten Stock des Amtsgerichtes an der Eschweiler Kaiserstraße.

Dort stehen fünf Mehrfamilienhäuser, die um den Geschwister-Scholl-Platz gruppiert sind, einzeln zur Zwangsversteigerung an. Im Detail sollen 89 Wohnungen mit 5966 m² Wohnraum auf einer Grundstücksfläche von 8151 m² den Eigentümer wechseln. Mit insgesamt 3,153 Millionen Euro wird der Verkehrswert laut gerichtlich beauftragtem Gutachten angegeben. Mit einem Zuschlag wird noch nicht gerechnet. Denn es ist der erste Versteigerungstermin, und Interessenten können noch ein Schnäppchen machen. Wird kein auskömmliches Gebot abgegeben, können zwei weitere Termine folgen. Dann würden die Wertgrenzen auf sieben bzw. fünf Zehntel sinken.

Unter den Hammer kommen sollen markante „Gesichter“, des Ende der 1960er und Anfang der 70er Jahre aus dem Boden gestampften Stadtteils: Das „Hochhaus“ genannte achtgeschossige Gebäude Pirolweg 15 mit 48 Einheiten auf 2936 m² Wohnfläche wird für 1,546 Millionen Euro aufgerufen. Als Verkehrswerte für den gegenüberliegenden fünfgeschossigen Komplex werden für den Pirolweg 40 (11 / 750 m²) mit 375.000 Euro, für den Pirolweg 42 (10 / 775 m²) mit 405.000 Euro und für den Pirolweg 44 (10 / 755 m²) mit 393.000 Euro genannt. Das Quintett komplettiert am anderen Ende des Platzes das ebenfalls fünfgeschossige Gebäude Ardennen­straße 21 mit zehn Wohnungen auf 750 m² für 434.000 Euro.

Als betreibende Gläubigerin hatte bereits im vergangenen Jahr beim Eschweiler Amtsgericht die Kölner Kreissparkasse (KSK) das Verfahren zur Zwangsversteigerung angelassen. „Dazu kommt es, wenn man bei einem Kreditengagement zu keiner einvernehmlichen Einigung mit der Schuldnerin kommt“, erklärte ein Sprecher der KSK. Sie finanzierte den Erwerb der fünf Objekte durch die „Rhein Münster Liegenschaften GmbH (RML), die zur seinerzeit börsennotierten Nau Real Estate Group AG in Berlin, die im Oktober 2009 aus dem SDAX geworfen wurde, gehört. Diese erwarb nach Informationen unserer Zeitung im vergangenen Jahrzehnt vielerorts kreditfinanzierte Wohnimmobilien, verzichtete zwar auf Investitionen in die Substanz, kassierte aber Mieten ab und leitete kaum Mittel zur Deckung von Nebenkosten an die jeweiligen Hausverwaltungen weiter. So auch auf der Liester, wo im November 2009 die EWV drohte, die Gaslieferung wegen nicht bezahlter Rechnungen einzustellen.

Grundlegend geändert hat sich die Lage in den fünf Wohnhäusern erst, als das Amtsgericht mit Datum vom 19. März 2012 als Zwangsverwalter den Aachener Rechtsanwalt Dr. Helmut Reitz bestellte. „Als wir die Objekte übernahmen, stellten wir einen erheblichen Sanierungs- und Unterhaltungs-Rückstand fest“, sagte Dr. Reitz auf Anfrage. Der Zwangsverwalter investierte – „dank der sehr guten Kooperation mit der Gläubigerin“ – in neue Haustüren, Fenster und erforderliche Reparaturen. „Unverzüglich erfüllt haben wir auch eine Forderung der Stadtverwaltung nach Schaffung von zusätzlichen Rettungswegen.“

Eigentumswohnungen vermarktet

Die Kupferstadt selbst gehört ebenfalls zu den Gläubigerinnen der RML, deren Sitz im April 2011 von Berlin nach Düsseldorf und dort mehrfach an unterschiedliche Anschriften verlegt wurde. „Wir sind mit unseren Forderungen nachrangig gelistet und nicht Betreiberin der Zwangsvollstreckung“, erklärte Pressesprecherin Petra Jansen. Weder die RML noch die Nau Real Estate waren Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen. Die RML hatte zum 1. Oktober 2009 die fünf Gebäude von der Kölner Real2 Immobilen AG übernommen. Diese hatte sich 1991 als Givac (Gesellschaft für Immobilien- und Vermögensanlagen GmbH) gegründet, war 1994 an die Börse gegangen und firmierte 2005 um. Im Rahmen der Privatisierung der Gehag, die die insgesamt elf Objekte auf der Liester realisiert hatte, kamen die Gebäude zu dem Unternehmen in Köln.

Die verbliebenen Mehrfamilienhäuser wurden seit 2008 kontinuierlich als Eigentumswohnungen vermarktet, erklärte Real2-Sprecher Maximilian Kronenberg. „Uns gehören nur noch die leider leer stehenden Ladenlokale am Geschwister-Scholl-Platz.“

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