60 Tonnen am Haken: Rundsteueranlage installiert

Von: Jürgen Lange
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60 Tonnen am Haken: Fertig vormontiert wird die neue, zehn Meter breite Rundsteueranlage zwischen Hochleitung und Bebauung per Spezialkran an ihren Platz im Umspannwerk an der Büsbacher Hostetstraße gehievt.

Stolberg-Büsbach. „Die größte Herausforderung ist der Wind“, sagt Heinz Ahlers – „bekannt aus Funk und Fernsehen“, scherzt der Kranführer, der seit 20 Jahren mit feinem Gespür zig Tonnen durch die Luft an den rechten Platz schweben lässt.

Dabei ist es an diesem Morgen auf den Büsbacher Höhen gar nicht mehr so windig wie noch wenige Stunden vorher in der Nacht. Aber das Arbeitsfeld des Spezialkrans auf der Hostetstraße ist arg eingeschränkt. Wohnhäuser rechts und links, ein paar Straßenlaternen sowie die sicherheitshalber eigens geerdeten Hochspannungsmasten der 110-kV-Überland-Leitung verlangen Heinz Ahlers höchste Präzision ab.

Das gut 60 Tonnen schwere Betonbauwerk soll vom Tieflader zielsicher auf den fein austarierten Platz auf dem Gelände des Umspannwerkes umgesetzt werden. Mit Argusaugen verfolgen Frank Färber, Stefan Fütterer und Norbert Hanf die Fingerfertigkeit des Kranführers am Joystick. Für die Mitarbeiter der Stolberger Regionetz GmbH ist die Montage der Höhepunkt des 300.000-Euro-Projektes, das über ein Jahr lang vorbereitet wurde. Dass der Liefertermin nun doch in den späten Herbst fiel, „liegt an der Dauer der Verfahren von Behörden, um die umfangreichen Genehmigungen einzuholen, die wir brauchen“, erklärt Färber.

Dabei ist der zehn Meter breit, drei Meter tief und knapp vier Meter hohe Betonkasten kein einfaches „Trafohäuschen“, wie es in der Vorlage für den städtischen Ausschuss für Stadtentwicklung hieß, der abweichend vom Bebauungsplan das Flachdach genehmigte. Sondern hinter den vier Türen verbirgt sich die Technik einer sogenannten Rundsteueranlage.

Was die macht, ist für die Experten der Regionetz sonnenklar: „Mit einem Signal werden über unser Niederspannungsnetz die Straßenbeleuchtung und Nachtstromspeicher-Heizungen gesteuert“, erklärt Fütterer – und das „von Büsbach aus für den Großteil des Stolberger Stadtgebietes“, ergänzt Kollege Hanf. Bei den Heizungen bedeutet das Signal, zu den nachts günstigeren Konditionen die Energie aufzuladen, die tagsüber für die Wärmeerzeugung benötigt wird, oder die Umstellung in ein verändertes Tarifsystem. Bei den Straßenlaternen geht es um das Ein- und Ausschalten. „Wenn zwei von drei Messpunkten sagen, es ist dunkel, dann wird die Beleuchtung eingeschaltet“, verdeutlicht Frank Färber.

Auf die Spitzen der sinusförmigen Kurve der Niederspannung, die die Haushalte mit 230 Volt versorgt, wird in einem definierten Rhythmus acht Prozent mehr Strom gegeben. „Das funktioniert dann wie mit einem Morsecode“, sagt Färber. Die normalen Haushaltsgeräte spüren das bisschen Strom mehr gar nicht, während die Regler von Heizung und Laternen sehr genau herauslesen können, was von ihnen gewollt wird.

Genau dieses Signal ins Netz zu geben, das ist die Aufgabe der neuen Rundsteueranlage, die an strategischer Stelle des Versorgungsnetzes das Vorgängermodell turnusmäßig ersetzt.

Das Umspannwerk an der Hostetstraße ist der Punkt, an dem die 110-kV-Überlandleitungen der Westnetz „angezapft“ werden. Hier wird die Spannung auf 35- und dann auf 10-kV transformiert bevor sie über das Mittelspannungsnetz zu den gut 130 Trafokästen in den Quartieren gelangt, die die elektrische Energie den Steckdosen der Haushalte in zuverlässiger Dosis zuführen.

22 Millionen Euro investiert die Regionetz als 100-prozentige Tochter des Stolberger Versorgers EWV alleine in diesem Jahr in die Ertüchtigung ihres Mittelspannungsnetzes. 50 Kilometer Leitungen werden erneuert oder ergänzt. Auch mit Blick auf regenerative Energie: „Wir gehen davon aus, dass in Zukunft 60 bis 80 Prozent der verbrauchten Energie auch innerhalb des Versorgungsbereiches erzeugt werden“, sagt Geschäftsführer Manfred Schröder. Und bei dieser Gelegenheit investieren die Stolberger auch in andere weitere Zukunftstechnologie: Die gedrillten Mittelspannungskabel verfügen über Leerrohre zur Breitbandverkabelung.

Eher konventionell geht es in den nächsten Tagen auf dem Gelände des Umspannwerkes weiter. Um die umfangreiche Technik der neuen Rundsteueranlage anschließen zu können, wird zunächst zur Schaufel gegriffen. „Damit wir hier auf dem engen Areal mit vielen verlegten Kabeln nicht das falsche treffen“, schmunzelt Hanf. Zu Beginn des neuen Jahres soll die neue Rundsteueranlage in Betrieb gehen – damit auch in Zukunft von Büsbach aus der Ton für das Stolberger Stadtgebiet angegeben werden kann und rechtzeitig das Licht angeht.

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