Stolberg - 500 Jahre Reformation: Luther ohne Ende im Jubiläumsjahr

500 Jahre Reformation: Luther ohne Ende im Jubiläumsjahr

Von: Annika Thee
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Axel Neudorf (46), Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Stolberg, stellte jetzt das umfangreiche Programm des Jubiläumsjahres zur Reformation vor. Foto: Annika Thee
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Die Fahne vor der Martin-Luther-Kirche in Brand mit dem Motto des Reformationsjahres 2017

Stolberg. Die evangelische Kirche hat lange auf das 500-jährige Jubiläum der Reformation hingefiebert. Doch was bedeutet das Wort „Reformation“ eigentlich? Welche Rolle hat Stolberg damals gespielt? Die Pfarrer Uwe Loeper und Axel Neudorf haben sich eine kurze Pause von den Vorbereitungen genommen und berichten von dem besonders vielfältigen Programm im Reformationsjahr 2017.

Der Beginn der Reformation dürfte vielen bekannt sein: Martin Luther schlug im Jahr 1517 mit den berüchtigten Worten „Hier stehe ich und kann nicht anders!“ seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Das Ergebnis der Reformation war die Spaltung des westlichen Christentums.

Was genau Reformation bedeutet, erklärt Pfarrer Uwe Loeper. „Die Reformation ist eine durch Martin Luther angestoßene Erneuerungsbewegung, die den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Alte und verkrustete Strukturen der Kirche wurden aufgebrochen, und der Bezug auf die Bibel wurde gegenüber Dogmen und starren Institutionen neu herausgestellt“.

Die Botschaft von Martin Luther ist bis heute integraler Teil des Selbstverständnisses der evangelischen Kirche. Sie müsse sich immer wieder erneuern, überprüfen und selbst in Frage stellen, sagt Loeper, der seit 1994 Pfarrer in Brand ist. „Der Begriff ‚Reformation‘ beinhaltet, dass die Kirche aus der Form geraten war und es Zeit wurde, ihr wieder eine gute und dem Leben dienliche neue Form zu geben“, fügte Axel Neudorf hinzu, der seit 2016 Pfarrer in Stolberg ist.

Reformation in Stolberg

Für Stolberg hat das Reformations-Jubiläum eine ganz besondere Bedeutung, da die Stadt vor 500 Jahren bereits ein wichtiger Rückzugsort für evangelische Glaubensflüchtlinge war. Der damalige Herr der Stolberger Burg, Johann von Efferen, gewährte den evangelischen Christen Schutz. Die Anfänge der lutherischen Gemeinde in Stolberg lassen sich bis ins Jahr 1592 zurückverfolgen.

Die damals wenigen evangelischen Christen in Brand wurden von der evangelischen Gemeinde Stolberg mit betreut. Im Jahr 1994 wurde dort die 4. Pfarrstelle der Kirchengemeinde errichtet, und Uwe Loeper übernahm das Pfarramt. Heute leben etwa 9000 evangelische Christen in Stolberg und Brand.

„Mit den Feierlichkeiten dieses Jahr möchte die evangelische Gemeinde in Stolberg an die Geschichte der Stadt anknüpfen und selbst einmal reflektieren, wo eventuell Reformationsbedarf ist“, erklärt Axel Neudorf. „In diesem Jahr versuchen wir eine Brücke zu schlagen und besonders im ökumenischen Gemeindezentrum viele Veranstaltungen für evangelischen und katholischen Christen gemeinsam anzubieten“, erzählt Uwe Loeper, der gleichzeitig der Leiter des Arbeitskreises zum Reformationsjahr 2017 der evangelischen Gemeinde in Stolberg ist.

Ein buntes Programm

Wie wird das Reformationsjahr in Stolberg gefeiert, und worauf können sich die Stolberger in diesem Jahr freuen? Mit dem Ziel, das 500-jährige Reformations-Jubiläum zu feiern, hat die evangelische Kirchengemeinde Stolberg eine ganze Reihe an zusätzlichen Veranstaltungen organisiert, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansprechen sollen. Bereits am 20. Januar findet wieder die Ökumenische Karnevalssitzung im Gemeindezentrum Frankental statt, bei der Beiträge zu Luther natürlich nicht fehlen dürfen.

Pfarrer Uwe Loeper ist selbst an der Aufführung des Kabaretts „Klüngelbeutel“ beteiligt, das dieses Jahr am 4. März unter dem Titel „Djihad in Wittenberg“ provokativ mit Fragen wie „Braucht der Islam einen Martin Luther? Oder ist es umgekehrt?“, auf die Reformation anspielen will.

Auch das Fest der Begegnung am 10. September im Brückenkopf-Park in Jülich wird vom Kirchenkreis Aachen organisiert. „Dieses Fest für die ganze Familie ist immer gut besucht, und es fühlt sich an, wie ein eigener kleiner Kirchentag“, schwärmt Uwe Loeper. „Auch bei den beiden großen Gemeindefesten in Brand am 2. Juli und in Stolberg am 17. September gibt es Luther ohne Ende“, freut sich der Pfarrer aus Brand.

Kindermusical

Pfarrer Axel Neudorf, dessen Arbeitsschwerpunkte in der Jugendarbeit und Kirchenmusik liegen, freut sich besonders auf das Kindermusical „Mönsch Martin“, das er selbst auf die Beine stellt. „Hierfür suche ich grade noch nach Musikern, die das Musical mit ihren Instrumenten begleiten und vorher die Stücke aus Hip-Hop, Rock und Pop einüben“, sagt Pfarrer Neudorf.

Kunstbegeisterte Menschen werden sich besonders auf das Projekt von Anke Wolf freuen. Sie bietet sie am 22. September ein künstlerisches Projekt an, das besonders das Motto des Reformationsjahres 2017 „Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück“ (Jesaja 55) in den Vordergrund rücken will. Das Projekt versucht die Menschen zu ermutigen „offen, mitreißend und kritisch auf das Wort Gottes zu reagieren“, erklärt Loeper.

Kantor Gunther Antensteiner plant ein musikalisches Experiment. Musikbegeisterte Laien können an zwei Probewochenenden mit ihm eine „Luther“-Kantate von Johann Sebastian Bach einstudieren, die dann am Reformationstag in der Finkenbergkirche aufgeführt.

Das große Finale des Reformationsjahres in Stolberg wird der zentrale Reformationsgottesdienst in der historischen Vogelsangkirche am 29. Oktober sein. „Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert ist ein wahrer Zeitzeuge des frühen Reformationsprozesses und ist damit ein wunderbarer Ort, um das Luther-Jubiläum zu feiern“, bestätigt Loeper.

Viel Arbeit für die Pfarrer

„Natürlich ist dieses Jahr für uns Pfarrer mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden, als in anderen Jahren. Die Vorbereitungen für die vielen Veranstaltungen, Reisen und Vorträge haben bereits letztes Jahr begonnen“, erklärte Uwe Loeper. „Die Arbeit ist auf jeden Fall fokussierter in diesem Jahr, aber auch besonders von der Neugier auf die Umsetzung der Projekte geprägt“, stimmt Axel Neudorf zu.

Besondere Freude

Von diesem besonderen Jahr für die evangelische Kirche und ihre Angehörigen erhoffe sich Uwe Loeper besonders Freude am Glauben, ein gestärktes Interesse an der Kirche und ihrer Gemeinde, sowie das Brückenbauen zu nicht-religiösen Menschen.

Pfarrer Axel Neudorf erhofft sich viele gelungene Veranstaltungen aber stellt auch einen großen Anspruch an die Gemeinde: „Wichtig ist mir, dass die evangelische Gemeinde im nächsten Jahr nicht aufhört, sich zu reformieren, nur weil das Luther-Jahr vorbei ist. Die Pfade, die wir dieses Jahr neu einschlagen, sollen über das nächste Jahr hinausgehen“.

Mehr Informationen rund um das Programm gibt es im Internet unter http://www.stolberg-evangelisch.de und http://www.2017-reformation.de.

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