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„4Cats“ aus Stolberg: Katzenspielzeug in Handarbeit

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Kein Wunder, dass bei einem solch hübschen Fotomodell der Absatz von Stolberger Schmusekissen steigt. Foto: Tightlight Medienproduktion
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Mehr als eine Million Artikel im Jahr: Mit der Idee zur Produktion von Schmuse- und Raschelkissen mit Baldrian oder Katzenminze haben Markus Friederich und Marion Hamacher in Stolberg ein expandierendes Unternehmen aufgebaut. Foto: J. Lange

Stolberg. Es muss nicht immer eine Garage und komplizierte Technik sein, um ein erfolgreiches Unternehmen gründen zu können. Eine Nähmaschine, Heimarbeit und ein Herz für Tiere reichen für den Anfang ebenso. Der liegt für das Stolberger Unternehmen 4Cats mittlerweile 30 Jahre zurück; und aus handverlesenen Unikaten ist mittlerweile eine Produktion von weit über 1 Million Stück Katzenspielzeug geworden.

„Meine Mutter Ingrid hat sich schon immer für den Tierschutz engagiert“, blickt Markus Friederich zurück. Bei der Betreuung aufgegriffener Katzen hat die Gattin eines promovierten Diplom-Chemikers immer wieder mit der Aachener Katzenhilfe zusammengearbeitet. Um sie zu unterstützen, hat sie begonnen, Katzenkissen zu nähen und mit Baldrian zu füllen. Die wurden zunächst in Aachener Tierfachgeschäften als Benefizprodukte angeboten.

Bis Markus Friederich bemerkte, dass man mit den Katzenkissen auch ein paar Mark verdienen konnte. Der heute 48-Jährige, schon von der Schulbank aus tonnenweise mit Katzenstreu gehandelt hatte, startete 1986 mit einer kleinen Produktion in Heimarbeit. Das lief zwar gut an, aber eine Erkrankung stoppte erst einmal Friederichs Ambitionen. Als er in der Genesungsphase Marion Hamacher kennenlernte, beschlossen beide, gemeinsam durchzustarten – privat wie beruflich.

Realistischer Qualitätstest

2006 gründeten sie eine GbR und begannen eine kleine Produktion in einem angemieteten Raum einer Lagerhalle mit einer Mitarbeiterin. „Wir haben uns um alles selbst gekümmert, vom Design, über Bestellung und Herstellung, Vertrieb und Buchführung“, erzählt Marion Hamacher, die als gelernte Druckformherstellerin einen geübten Blick für eine ansprechende Warenpräsentation mitbringt.

Zunächst klapperten sie die Tierfachgeschäfte in der Region ab, um ihre Katzenkissen anzubieten. Die Resonanz erstaunte selbst die Existenzgründer. Die Produktionszahlen stiegen und es folgte der Versuch, der Zentrale des Fressnapf-Konzerns das Produkt schmackhaft zu machen. „Aber die haben erst einmal abgewunken“, sagt Friederich, „weil wir wohl noch keinen Namen in der Branche hatten“. Aber unter den Kunden wohl.

Schnell hatten über 200 Franchisenehmer der Kette die 4Cats-Schmusekissen im Sortiment, dann 300, dann 400 und dann wurde auch die Zentrale auf das junge Unternehmen aufmerksam. 2010 wurden sich die Partner handelseinig, und das bedeutete gleichzeitig einen Sprung in den Produktionszahlen. Heute zählen fast alle namhaften Händlerketten und Zoogeschäfte zu den Abnehmern – mit Handelsmarken ebenso wie mit der eigenen Marke.

Der Erfolg bedeutete aber auch, dass größere Räume für die mittlerweile fünf Beschäftigten gesucht werden mussten. „Wir wohnen in Belgien, eine Mitarbeiterin kommt aus Stolberg, eine aus Eschweiler und eine aus Brand“, sagt Friederich, „also haben wir und vor allem dort umgeschaut“. Und fündig geworden sind sie in Stolberg an der Eschweilerstraße, wo einst die Firma Stolberger Feinmetall produzierte und ein Küchenstudio residierte.

Seitdem suchte Eigentümer Jürgen Breuer nach passenden Mietern und fand diese vor sechs Jahren in dem mittlerweile als „4cats Heimtierbedarf GmbH“ firmierenden Startup. Das expandiert seitdem fleißig, zählt aktuell 21 Beschäftigte und hat just zusätzlich zu den 1250 Quadratmetern Betriebsflächen an der Eschweilerstraße weitere 600 Quadratmeter Lagerflächen an der Hasencleverstraße gemietet. Europaweit werden die Produkte vertrieben und mittlerweile gibt es sogar Abnehmer in Japan und Taiwan.

Und längst ist die Auswahl wesentlich größer als „Mutter Ingrids erstes Kissen“. In unterschiedlichen Designs – auch zu Jahreszeiten und Festtagen – haben die kleinen Schmusekissen mit unterschiedlichen Motiven Gesellschaft bekommen von größeren Raschelkissen, Mäusen, Delfinen, oder Herzen als Motiv und sogar einem Spiegelei. Neben Baldrian ist seit kurzem auch eine Füllung mit natürlicher Katzenminze im Angebot.

„Alle Produkte werden von uns unter realistischen Bedingungen getestet“, berichtet Marion Hamacher. Sieben Spezialisten stehen dafür zur Verfügung: „Penntüte“, „Winnie Puh“, „Simon“, „Spiky“, „Mopie“, „Pepper“ und „Zippie“ heißen die vierbeinigen Qualitätsprüfer aus der Patchwork-Familie, die nicht nur Verarbeitung und Rezepturen im Belastungstest mit Krallen und Zähnen auf die Spur gehen, sondern die auch innovativ zu neuen Produktideen beitragen.

Als „Simon“ einmal eine Küchenpapierrolle zwischen hatte, entstand daraus die Idee zur flauschigen Spielrolle, die im Vergleich zur Papierversion etwas kürzer und schmaler im Durchmesser, aber mit Styropor-Kugeln gefüllt ist. Und wenn ein Produkt einmal nicht den Qualitätsanforderungen des Unternehmens entspricht und als B-Ware aussortiert wird, wird es als Spende Tierschutzvereinen zur Verfügung gestellt.

Längst sind die Produkte aus der Kupferstadt zu heimlichen Fernsehstars geworden. Wenn bei „Tiere suchen ein Zuhause“ Tierschutzvereine Katzen präsentieren, ist oft Ablenkung in Form von Spielzeug oder Schmusekissen „made in Stolberg“ mit von der Partie.

Vier Tonnen Baldrian

Mit steigendem Bedarf werden an der Eschweilerstraße vier Tonnen Baldrian im Jahr, kilometerweise Stoff, Vlieswatte und Garn verarbeitet – von Hand für weit über eine Million Kissen und Spielzeuge. „80 Prozent davon machen noch die Schmusekissen aus“, sagen Markus Friederich und Marion Hamacher. Die Rohstoffe werden am Firmensitz kontrolliert, zurecht geschnitten, genäht, befüllt, konfektioniert und versandt.

Aber die beiden Geschäftsführer denken darüber nach, sich für die Zukunft noch breiter aufzustellen. Etwa mit einem Endverbraucher-Sortiment und weiteren Produkten rund um der Menschen liebste Wesen. Doch auch das ist für die „Selfmade“-Unternehmer eine weitere Herausforderung.

„Weniger von den Ideen her“, so Friederich, „als von organisatorischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen“ – beispielsweise die Frage, inwieweit auf Katzenspielzeug die Richtlinien für Kinderspielzeug anzuwenden sind. In jedem Falle wollen die beiden Unternehmer die weitere Entwicklung „Schritt für Schritt, so wie bisher auch“, angehen.

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