321,97 Kilometer mit dem Mountainbike gegen den Schweinehund

Von: Laura Beemelmanns
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Besonders beeindruckt hat Arnd Gottschalk die Landschaft in den Dolomiten. Mit seiner Kamera hat er die schönsten Augenblicke und Landschaftsbilder festgehalten. Über 200 Bilder hat er gemacht. Rund 70 „verwertbare“ seien dabei entstanden, sagt er. Foto: L. Beemelmanns (1), privat (3)
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Einige Pausen hat Arnd Gottschalk sich natürlich auch gegönnt. In verschiedenen kleinen Dörfern hat er übernachtet und sich für die Etappe am nächsten Tag gestärkt.

Stolberg. Der Wunsch, einmal mit dem Mountainbike durch die Südalpen zu fahren, schlummerte seit Arnd Gottschalks früher Jugendzeit in seinem Kopf. Damals hat sich der heute 42-jährige Büsbacher einige Male mit seinem Vater auf Radtouren begeben.

„In der Regel sind wir am Rhein entlang gefahren“, sagt Gottschalk. Einfache Tagestouren waren das. Doch Gottschalk wollte mehr. Und im Juli dieses Jahres hat er sich seinen lang gehegten Wunsch endlich erfüllt.

Zweimal verfahren

321,97 Kilometer und etwa 8000 Höhenmeter hat er in sechs Tagen hinter sich gebracht. Trainiert hat er dafür nicht. „Ich wollte sehen, ob ein ,Normalo‘ ohne vorherige Trainingseinheiten diese Strecke schafft“, sagt Gottschalk. Ein paar Karten hat er zuvor schon studiert, sich im Internet und Foren informiert, und einen groben Entwurf der Strecke gab es auch. „Man muss sich aber auch die Möglichkeit zur Flexibilität in der Planung lassen“, sagt er. Dennoch sei er „im Großen und Ganzen“ den Weg gefahren, den er sich vorgenommen hatte. Verfahren habe er sich jedoch auch zweimal. Aber das gehöre dazu.

Gestartet ist Gottschalk in Bozen, Italien. Nach dem Familienurlaub in Krakau, Polen, wo seine Familie die Sommerferien verbringt, hat er sich ganz alleine für die letzte Urlaubswoche in diesem Sommer in den Bus gesetzt. 20 Stunden lang ist er von Krakau aus nach Bozen gefahren. Im Gepäck hatte er lediglich sein Mountainbike, einen Helm, zwei Trikots, zwei Radhosen, ein Fleeceshirt, eine Sportjacke, eine Leinenhose, zwei T-Shirts, Wäsche, ein Handtuch, Kosmetika, Werkzeug (Ersatzschlauch, Flickzeug, Multitool), Karten und zwei Kameras – insgesamt rund zehn Kilogramm Gepäck, die er zusätzlich zum Eigengewicht tragen musste. Tag für Tag. Etappe für Etappe.

Von Bozen aus ist er dann quer durch die Dolomiten gefahren. Allerdings anders herum, als das die Meisten tun. „Ich bin von Süden nach Norden gefahren. In der Regel fahren Radfahrer von Norden nach Süden“, sagt Gottschalk und lacht. Eine „Transalp verkehrt“ nennt er das. Dieser Weg habe von Krakau aus einfach besser gepasst.

Eine Panne, beispielsweise ein defekter Reifen, einen Unfall oder schlechtes Wetter habe er nicht gehabt. Im Gegenteil. Gottschalk hatte das große Glück, bei Sonnenschein und ohne Regen sechs Tage lang durch die Berge zu fahren. Er sei nicht krank geworden und habe – ohne vorherige Planung – auch immer innerhalb weniger Minuten eine geeignete Pension gefunden. „Dabei wollen die so Leute wie mich gar nicht“, sagt er. „Ich bin ja immer nur eine Nacht geblieben und habe ein Einzelzimmer gewollt.“ Geklappt hat es trotzdem. Mit rund 30 Euro pro Nacht hielten sich somit auch die Kosten für den Trip in Grenzen. Eingekauft hat er dann noch etwas Proviant wie Bananen oder Müsliriegel – und natürlich Wasser. Ein bis anderthalb Liter hatte er immer dabei. Manches Mal habe er die Flaschen auch in Gebirgsbächen nachgefüllt.

Ein schönes Fleckchen Erde

Immer wieder hat er auf seiner Tour angehalten, um „dieses schöne Fleckchen Erde“ auf sich wirken zu lassen. Rund 200 Fotos hat er gemacht. 70 davon hat er bearbeitet. Das seien die verwertbaren Exemplare. „Mit dem Rad kommt man so nah ran“, sagt Gottschalk. Überall konnte er anhalten, einige Minuten verweilen und einfach weiter fahren. Oft habe er ein Foto gemacht, weil er dachte, dass dieser Ausblick so einzigartig sei. Dann sei er um die Kurve gefahren und habe noch viel schönere Motive gesehen. So seien die 200 Bilder entstanden. Die hat er jedoch nicht nur für sich oder seine Familie gemacht. Gottschalk hat einen Blog im Internet über seine Tour geführt – mit dem Titel: „Von Null auf 3000 – wer will, der kann“. Als Zusatz jedoch schreibt er: „Dieser Weg war kein leichter...“ Heute, mit rund zwei Wochen Abstand, sagt er, dass sich der innere Schweinehund oft gemeldet habe. „Es ist aber auch ein tolles Gefühl, den immer wieder bezwungen zu haben“, sagt Gottschalk.

Am zweiten Tag fuhr er von der Seiser Alm über Mountain-Bike-Wege vorbei an Platt- und Langkofel, über Sellajoch und Pordoipass (beide über 2200 Meter hoch). Am Pordoipass, dem zweithöchsten mit einer durchgehend asphaltierten Straße versehenen Gebirgspass in den Dolomiten, hatte Gottschalk eines der schönsten Erlebnisse. „Das ist da oben wie ein großes Familienfest“, sagt er. Viele Radfahrer beglückwünschten sich gegenseitig, machten Fotos und klopften sich auf die Schultern. Viele Weggefährten hatte Gottschalk während seiner Tour jedoch nicht. „Ich bin ja sozusagen in die falsche Richtung gefahren“, sagt er und lacht.

Sechs Stunden auf dem Rad

Täglich saß der 42-Jährige zwischen acht und circa vierzehn Uhr auf dem Rad. Pausen hat er sich jedoch auch immer wieder gegönnt. Dennoch sagt er: „Natürlich tut einem so ab dem vierten Tag auch alles weh – insbesondere der Allerwerteste.“ Das sei für ihn Teil der Herausforderung gewesen. „Ich hatte keine Zeit, zuvor stundenlang zu trainieren. Ich wollte herausfinden, ob ich das auch so schaffe“, fügt er hinzu. Geschafft hat er es. „Ich war aber auch zwei- bis dreimal täglich an dem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, warum ich das überhaupt mache“, sagt er. Doch er hat weiter gekämpft, fuhr über Brixen, Steinach und Mittenwald bis er schließlich am Ziel ankam. „Ich habe es geschafft! 13. Juli, 11.31 Uhr: Ankunft in Grainau nach 321,97 Kilometern und etwa 8000 Höhenmetern, Fahrzeit netto 22 h 40 min“, schreibt er dazu auf seinem Blog. Geschafft hatte er es zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz. Denn aufgrund der derzeitigen Sperrung der Bahnstrecke endete sein Zug von Grainau aus in Düren. „Von dort musste ich dann mit dem Rad nach Hause fahren – das waren rund zwei Stunden“, sagt er. An diesem Abend habe er sich dann etwas Deftiges zu Essen gegönnt und das Rad fürs Erste in die Ecke gestellt. Eine neue Route hat Arnd Gottschalk sich noch nicht überlegt. Aber er sagt: „Ich möchte, wenn er soweit ist, auch mal eine solche Tour mit meinem Sohn machen. Wie einst mein Vater mit mir.“

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