Stolberg - 30-Tonner legt im Camp Astrid Hallen in Schutt und Asche

30-Tonner legt im Camp Astrid Hallen in Schutt und Asche

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Abbruch: Im Juli rollte der Bagger an, und es werden auch noch einige Wochen vergehen, bevor nichts mehr übrig ist von den alten Hallen. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Rumms! Schutt, Asche, Krach und ein Lächeln auf dem Gesicht von Egon Schrobitz. Der Maschinist ist in seinem Element. Mit dem 30-Tonnen-Bagger fährt er auf das zu, was noch übrig geblieben ist von den alten Kasernenhallen im Gewerbegebiet Camp Astrid. Und das ist nicht mehr viel.

Seit einigen Wochen schon sind die Arbeiter nun schon damit beschäftigt, die alten Gemäuer einzureißen. Mehrere Hallen, die von den belgischen Streitkräften auf dem Areal hinterlassen worden sind, kommen dabei unter den Bagger. Übrig bleiben wird am Ende eine 53.000 Quadratmeter große Gewerbefläche. Aber bis dahin werden auch noch einige Wochen vergehen.

Bei all dem Getöse gibt es dann aber plötzlich leise Töne vom starken Geräteführer. „Kommen Sie mal gucken“, sagt er und lächelt verschmitzt. Er geht vor zum Toilettenwagen und zeigt auf den Boden vor den Waschbecken. Dort kauern vier kleine, schwarz-graue Mümmelmänner in einer Käfigecke. Zwischen dem Bauschutt, inmitten seiner Bagger-Arbeit, hat Egon Schrobitz das Nest gefunden. Ohne ihre Mutter hockten die vier Wollknäuel verängstigt da. Zu stark pochte das Herz von Schrobitz für die Tierchen, so dass er sie kurzerhand mitnahm und ihnen ein neues Zuhause gab.

Asyl finden die Kaninchen zurzeit im Toilettencontainer, wo sie warm und trocken, gebettet auf Streu und versorgt mit Heu, Grünzeug und Nagerfutter, untergebracht sind. „Wenn wir hier fertig sind, nehme ich die Kleinen mit. Ich habe einen großen Garten“, sagt Schrobitz.

Groß ist auch die Baustelle im Gewerbegebiet. Fast 1000 Quadratmeter umbauter Raum müssen abgerissen werden. Stück für Stück reißt der Bagger ein, parallel zum Abriss spritzt ein Mitarbeiter literweise Wasser per Schlauch, damit es nicht ganz so sehr staubt. „Das ist hier zwar nicht so schlimm wie in einer Stadt, aber wir wollen ja nicht, dass die Stäube zu den Gleisen ziehen und ein Lokfahrer dann erschreckt“, erklärt Polier Edgar Schmaloer, der gemeinsam mit sieben bis acht Kollegen die Abbruch- und Aufräumarbeiten im Camp erledigt.

Nachdem Steine, Stahl und Dachpappe eingerissen sind, geht es weiter nach dem Aschenputtel-Prinzip: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Drei Mitarbeiter sind dabei, alle Reste der Hallen auszusortieren. Holz, Steine, Metall, Teerpappe und Styropor, alles muss separiert werden. Eine schier nie enden wollende Arbeit, die die Männer da vor sich haben – und mit entsprechender Geduld auf sich nehmen. Der letzte Rest wird nächste Woche abgerissen, dann werden noch die Fundamente der Stützpfeiler entfernt, „zum Schluss ist die Bodenplatte dran“, sagt Schrobitz. „Die wird mit dem Pulverisierer geknackt und zerbröselt“, freut sich der Baggerführer. „Ende Oktober können wir, wenn Gott will, die Arbeiten hier abschließen“, ergänzt Baustellenleiter Schmaloer. Zwischendurch wird das alte Material weggefahren, es handelt sich dabei um etliche Tonnen, Beton und Steine werden vor Ort zermahlen und später wieder verwendet.

„Das wird harte Arbeit“

Sämtliche Fundamente und Bodenplatten zu entfernen, wird harte Arbeit werden, schließlich haben die belgischen Soldaten seinerzeit stabile Betonstraßen für ihre Panzer und Lkw gebaut. Und tiefe Schächte in den Boden getrieben, die zuletzt offen lagen, weil sich Metalldiebe an den Abdeckplatten bedient hatten.

„Jetzt müssen wir noch Astrid einfangen, und vielleicht bekommen wir auch noch das Muttertier der Jungen“, sagt Edgar Schmaloer. Die Bauarbeiter haben ein ausgewachsenes Kaninchen, das täglich an den Containern entlang hoppelt, nach dem Camp benannt, und scherzen jetzt darüber, wie selbiges sich wohl auf dem Grill machen würde. Aber da macht Baggerfahrer Egon Schrobitz ganz sicher nicht mit...

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