30 Jahre Waldlehrpfad Zweifall: Der Neuanfang wird gefeiert

Von: Lukas Franzen
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In der Natur fühlt er sich wohl: Bruno Kettenus kümmert sich seit 30 Jahren um den Erhalt des Zweifaller Waldlehrpfades und wird natürlich auch beim Jubiläumsfest am Sonntag dabei sein. Foto: L. Franzen

Stolberg-Zweifall. In Zweifall ist was im Busch – besser gesagt jemand. Bruno Kettenus verbrachte schon als Kind seine Freizeit am liebsten im Zweifaller Forst, bevor sich auch im Berufsleben alles ums Holz drehte. Seit 30 Jahren hilft der ehemalige Sägewerk-Mitarbeiter nun dabei, den Zweifaller Waldlehrpfad zu bewahren und anderen Menschen so die Natur näherzubringen.

Über das Jubiläum des Lehrpfads, seine Bedeutung für Zweifall und darüber hinaus sowie „fleißige Bienen, Hummeln und Könige“ hat der 73-Jährige im Interview mit unserer Zeitung gesprochen.

Sie zählen zu den Aktiven der ersten Stunde. Wie hat vor 30 Jahren alles angefangen?

Bruno Kettenus: Eigentlich müsste es „zweite Stunde“ heißen. Denn ins Leben gerufen wurde der Waldlehrpfad nicht vor 30, sondern bereits vor 50 Jahren, nämlich 1964 durch den ehemaligen Förster Peter Spiertz. Als ich vor über 30 Jahren hinzukam, waren wir ein wilder, unorganisierter Haufen. Plötzlich war man immer dabei – und ich bin bis heute dabei geblieben.

Warum feiern Sie am Sonntag dann nicht ein halbes Jahrhundert Waldlehrpfad, sondern „nur“ das 30-jährige Jubiläum?

Kettenus: Das ist schon ein wenig kurios. Denn vor zehn Jahren haben wir tatsächlich schon das 40-jährige Bestehen gefeiert. Wir haben uns jedoch jetzt für das Anfangsjahr 1984 entschieden – den Zeitpunkt des Neuanfangs. In den Jahren davor wurde der Weg einfach nicht mehr gepflegt. Eine Gruppe um Hermann Stoff und Leo Lennartz hat sich dann erneut zusammengerafft und den Waldlehrpfad wieder aufleben lassen.

Was unterscheidet einen Waldlehrpfad von einem Wanderweg?

Kettenus: Alles rund um den Wald wird anhand von Tafeln erklärt. Zum Beispiel: Wie lebt ein Baum? Was benötigt er? Es gibt Vogeltafeln oder etwa Erklärungen zu unserem heimischen Wild. Entlang des Waldlehrpfades gibt es ein Feuchtbiotop, Ameisen- und Bienenvölker. Wir erklären, wie Honig erzeugt und veredelt wird. Und es gibt ein so genanntes Insektenhotel zu bestaunen.

1998 wurde das Engagement Ihrer Arbeitsgemeinschaft mit der Schmitt-Degenhardt-Medaille gewürdigt. Was zeichnet besonders ihren Lehrpfad aus?

Kettenus: Er befindet sich inmitten des Solchbachtals, ist schön angelegt und gut zu begehen. Bei über 40 Tafeln und Schildern kann man eine Menge über den Wald lernen. Außerdem gibt es 77 Nistkästen, in denen vor allem Meisen, Baumläufer und Kleiber – unsere Hauptvogelarten – zu finden sind.

Welchen Stellenwert hat der Waldlehrpfad für Zweifall?

Kettenus: Ich denke, der Weg hat über Zweifall hinaus eine wichtige Bedeutung. Die meisten Spaziergänger in unserer Umgebung entscheiden sich für den Lehrpfad, weil die Anbindung gut ist – ob mit dem Bus oder mit dem Auto. Dort wo man losgeht, kommt man auch wieder an. Der Rundweg ist 4,5 Kilometer lang, aber es gibt auch eine kürzere Strecke von 2,5 Kilometern Länge. Somit ist er auch für ältere Leute gut zu begehen. Und viele Spaziergänger kehren danach noch in das nahe gelegene Restaurant ein. Das Gesamtpaket stimmt einfach.

Und dann gibt es ja noch das Sägewerkmuseum in unmittelbarer Nähe. In welcher Verbindung stehen sie mit dem Museum?

Kettenus: Die Zusammenarbeit hat sich eben so ergeben. Unsere AG trifft sich jeden Mittwoch dort in lockerer Runde. Viele unserer Mitglieder engagieren sich auch in dem Museum.

Wie viele Mitglieder sind zurzeit in Ihrer Arbeitsgemeinschaft aktiv?

Kettenus: Aktuell sind es 14 Ehrenamtliche, die sich um die Pflege des Lehrpfades kümmern.

Sehen Sie die Gefahr, dass der Lehrpfad erneut „aussterben“ könnte, so wie vor Ihrem Neuanfang vor 30 Jahren?

Kettenus: Solange wir leben, garantiert nicht. Wir haben auch ein paar jüngere Leute um die 50 dabei, die sich noch länger engagieren können.

Wie organisieren Sie Ihre Arbeit? Und vor allem: Wie finanzieren Sie die Sanierungsarbeiten?

Kettenus: Bei uns gibt es fleißige Bienen, aber auch Hummeln und ein paar Könige sind dabei (lacht) – so wie in der Natur eben. Nein, Spaß beiseite: Das passt schon so. Wir sind eine wirklich sympathische Truppe, und es gibt immer etwas zu tun. Man geht und macht. Es ist eine kontinuierliche Arbeit. Wenn die Ameisen „umziehen“, müssen wir mit unseren Tafeln eben auch umziehen. Unsere Arbeiten finanzieren wir mit ein paar Spenden. Zuletzt konnten wir neue Sitzbänke entlang des Weges aufstellen, die ebenfalls gespendet worden sind.

Warum engagieren Sie sich ausgerechnet für den Waldlehrpfad?

Kettenus: Ich habe schon immer viel Zeit in der Natur verbracht und mein Leben lang mit Holz gearbeitet. Schon als Kinder haben wir quasi im Wald gelebt. Handys gab es nicht. Wir haben eben im Wald gespielt und Häuser gebaut. Der Wald ist einfach mein Leben. Und den Waldlehrpfad, der vor langer Zeit erschaffen und wieder aufgebaut worden ist, möchte ich erhalten. Jeder, der hier spazieren geht, ist begeistert. Deswegen machen wir es.

Wie oft sind Sie den Waldlehrpfad schon selber gegangen?

Kettenus: Ich schätze, vier bis fünf Mal pro Jahr. Vor ein paar Tagen noch haben wir Sträucher geschnitten und die neuen Bänke aufgestellt. Die sind fast zu schade, um darauf Platz zu nehmen. Man sollte dort Schilder mit der Aufschrift „Bitte nicht hinsetzen! Nur zum Ansehen!“ montieren (lacht).

Es scheint, Sie haben immer mächtig Spaß bei der Arbeit im Forst. Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie mit dem Waldlehrpfad?

Kettenus: Keine besonderen Erinnerungen. Wir haben einfach immer Spaß bei der Arbeit und freuen uns, wenn es etwas zu tun gibt. Und natürlich freuen wir uns auch auf das Bier danach.

Hat Ihrer Meinung nach das Interesse am Wald und an der Natur zu- oder abgenommen?

Kettenus: Das Interesse nimmt zu. Die Menschen sind naturbewusster geworden. Man sieht viel mehr jüngere Menschen entlang unseres Weges. Das war vor 20 oder 30 Jahren noch anders. Vielleicht ist ein Grund dafür, dass in den Medien mehr über das Wandern und die Natur berichtet wird und jüngere Leute auf diese Weise herangeführt werden.

Gibt es Zahlen oder Schätzungen über die Frequentierung des Lehrpfades?

Kettenus: Nein, das lässt sich schwer einschätzen und ist nicht in Zahlen zu fassen. Aber fest steht: Manchmal ist hier wirklich der sprichwörtliche Bär los. Unser Förster Uwe Melchior – den haben wir für unsere Gruppe damals übrigens auch „zwangsverpflichtet“ (lacht) – ist hier sehr oft mit Kindergärten und Schulen unterwegs. Auch das gab es damals nicht so häufig.

Worauf dürfen sich die Besucher am Sonntag bei Ihrem Jubiläum freuen?

Kettenus: Um 11.30 und 14 Uhr bieten wir Führungen über den Waldlehrpfad an. Weitere Aktionen sind die „rollende Waldschule“, Infostände des Lehrpfads und der Imkerei sowie die Jagdhornbläser und das Spielcorps Zweifall. Es wird ein Kinderprogramm geben, und natürlich ist auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

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