29-Jähriger gesteht Tat an seinem Zechkumpanen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Stolberg. Der 29-jährige Angeklagte spricht gebrochen Deutsch, manchmal muss die französischsprachige Übersetzerin eingreifen. Dabei hat der wegen Totschlags angeklagte junge Mann aus dem Kongo, der 2002 zunächst nach Eschweiler kam, eine gute Ausbildung genossen.

Er machte Abitur in seinem Heimatland und stammt aus einer hochkarätigen Politikerfamilie, deren Mitglieder allerdings noch heute im Kongo verfolgt werden.

Doch nicht nur der Vorsitzende des Schwurgerichts, Gerd Nohl, hatte des Öfteren Verständnisprobleme, auch die Gutachterin musste meistens die Ohren spitzen, nur bruchstückhaft kamen die Angaben über die deftigen Alkoholmengen, die man verputzt hatte, bei ihr an. Der Ablauf an jenem Samstag, es war am 12. September letztes Jahr, war kompliziert, die Motive, warum es zu der Rangelei in der Eschweilerstraße kam, bleiben eher im Dunkeln.

Vom Alkohol umnebelt

Die Erinnerung des Angeklagten, der die Tat an seinem damaligen Mitzecher, der 56 Jahre alt wurde, reuevoll gestand, war vom vielen Alkohol in jenen Tagen noch heute umnebelt, denn nicht alles wusste er, was an dem Samstag nach diversen Fläschchen Chantré, Whisky und etlichen Flaschen Dortmunder Export-Bier abgegangen war. Doch an so viel konnte er sich erinnern.

Am Vortag, dem Freitag, war er bereits mit dem etwa doppelt so alten Zechkumpanen, als streitsüchtig nach Alkoholgenuss bekannt, trinken gegangen. Seine schwangere Freundin (23), die an den Wochenenden zu Besuch kam, war darüber sehr verärgert.

Am Samstag Morgen stand das spätere Opfer schon wieder vor der Türe mit Schnapsfaschen in der Hand, der Cognac des kleinen Mannes nämlich der deutsche Weinbrand Chantre war es wohl. Die beiden zogen wieder los, die Freundin war erzürnt. Doch alle waren bei der Nachbarsfamilie des Opfers am Nachmittag in dem Mehrfamilienhaus an der Eschweilerstraße zu einem kleinen Fest eingeladen. „Wir kamen nach 16 Uhr an”, erinnerte sich der Angeklagte.

Zu dritt hatten sie vorher in einigen Supermärkten Alkohol gekauft, um auf einem Speilplatz zu trinken und die Joints kreisen zu lassen. Dann auf der Fete bei den Nachbarn ging es weiter. Der Hausherr sagte als Zeuge aus, war allerdings bei der Tat nicht zugegen, weil er mit seinem Sohn ins Krankenhaus musste - der hatte sich beim Fall in eine Scheibe Schnittwunden zugefügt.

Streit draußen

Irgendwann war der 56-Jährige mit Ehefrau nach draußen auf die Straße gewankt. Da müssen wohl Auseinandersetzungen mit der schwangeren Freundin des Angeklagten begonnen haben. Als dieser die Treppe herunterkam, sah er wie das spätere Opfer und dessen Frau auf die am Boden liegende schwangere Freundin einschlugen.

Er riss den Zechkumpel von seiner Freundin, die Ehefrau hörte von alleine auf. Doch sie kam nach kurzer Zeit mit einem Küchenmesser wieder, das ihr der Angeklagte abrang. Dann muss der betrunkene Zechkumpan auf seinen Freund losgegangen sein: „Ich hatte Angst”, sagte dieser, deshalb habe er mit dem Messer zugestochen. Der Angegriffene habe eine Hand auf die Wunde im Oberbauch gepresst und sodann einen Baseballschläger geholt.

Da sei der geständige Beschuldigte mit seiner Freundin geflüchtet. Das Opfer schleppte sich zum Krankenhaus und wurde notoperiert. Nach etwa zwei Monaten verstarb er allerdings an einer Sepsis im Bauchinneren.

Eine der Hauptzeuginnen, die damalige Freundin des Angeklagten, konnte die Kammer bislang nicht laden, „sie windet sich um eine Aussage”, so der Vorsitzende. Ohne ihr Erscheinen wird man allerdings kaum auskommen. Der Prozess geht am Mittwoch, 25. März, 9 Uhr, im Aachener Landgericht weiter.
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