Stolberg-Breinig - 27. Kupferstadtpokal: Im Handstand auf dem Fahrradlenker

27. Kupferstadtpokal: Im Handstand auf dem Fahrradlenker

Von: leo
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Zum 27. Kupferstadtpokal für junge Kunstradfahrer in der Breiniger Sporthalle: Das Schwesternduo Laura (links) und Inga (rechts) Nießenvom RSC 07 Stolberg-Münsterbusch zusammen bei ihrer Kür. Foto: L. Otte
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Wirklich fesselnd: Die Jungs vom RC 09 Noppenberg beobachten die anderen Teams bei ihren Küren im Kunstradsport. Foto: L. Otte
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Auch im Verein RSC 07 Stolberg-Münsterbusch: Samuel Basan. Der junge Mann will im Kunstradfahren hoch hinaus. Foto: L. Otte

Stolberg-Breinig. Was man mit einem Fahrrad alles anstellen kann? Selbst in Zeiten von E-Bikes, Hometrainer und Co. eine ganze Menge… Wie wäre es zum Beispiel damit einmal freihändig zu fahren; kinderleicht? Dann könnte man sich auch auf den Sattel stellen und einfach mal schauen, wohin das Drahteselchen im Autopilotmodus fährt.

Oder, warum versucht man das Ganze nicht gleich zu zweit? Unmöglich? Nööö! Solch waghalsige und eindrucksvolle Bilder zeigten jetzt beim 27. Kupferstadtpokal in der Breiniger Sporthalle über 200 Jungs und Mädels in einer der wohl ungewöhnlichsten Sportarten, die es gibt: dem Kunstradfahren.

Es ist noch sehr früh, da füllt sich die Halle mit Kindern und Jugendlichen von zehn Vereinen aus NRW, Belgien sowie den Niederlanden. Auch die beiden Schwestern Inga und Laura Nießen haben sich auf den Weg gemacht, um zusammen mit ihrem Verein, dem RSC 07 Stolberg-Münsterbusch, den Stolbergs Titel zu verteidigen.

Die Geschichte der beiden jungen Damen im Kunstradsport beginnt da, wo andere etwa mit dem Fahrradführerschein loslegen, in der früheren Kindheit: „Ich habe angefangen, da war ich fünf. Damals kam ich noch gar nicht richtig an die Pedale“, erzählt Laura, die sich jetzt über ihren 13 Geburtstag freuen durfte, und lacht.

Die Mädels sitzen auf dem Hallenboden im Schneidersitz einander gegenüber, während im Hintergrund die Kinder der anderen Vereine auf den beiden Fahrflächen ihr Können unter Beweis stellen, auch das trägt zur Inspiration und Motivation bei.

Zweimal in der Woche trainieren die Schwestern aus Stolberg. Wenn sie wissen, dass ein Wettkampf wie dieser jetzt stattfindet, intensivieren sie das Training: „Das Besondere am Kunstradsport ist für mich, dass es nicht jeder macht so wie Fußball. Die Sportart besitzt eben Seltenheitsfaktor“, sagt Inga, die mit 15 Jahren und ihrem Talent schon zahlreiche Küren meistern konnte. Langsam ist es auch für die beiden Stolbergerinnen an der Zeit.

Auf den Tribünen sitzen Zuschauer sowie Teilnehmer, und beobachten die Wettkämpfe. So ist auch Familie Effertz extra aus Herzogenrath gekommen, um ihren Sohn Maxim anzufeuern. Musik, zum Beispiel von Macklemore & Ryan Lewis, spornt den ganzen Tag über an. In den Ecken wärmen sich die einen oder anderen mit Dehnübungen auf.

Zig Kunstfahrräder, die speziell für diesen Sport angefertigt werden, stehen auf der einen Seite der Halle und warten auf ihren Einsatz. Inga und Laura steuern nun geradewegs auf die Kampfrichter zu. Vor ihnen machen sie einen Knicks und wiederholen dies noch einmal für die Zuschauer. Eine Geste, die signalisiert, dass es sich zweifellos um Kunstradfahren handelt. Es ist ein bisschen wie bei einem Tanz.

Die Schwestern, jede auf ihrem eigenen Rad, beginnen ganz langsam: Lenkerstand, Reitsitzsteiger, Front- und Sattelstand. Die Begriffe sind vielfältig. Sie zu erklären, dafür bedarf es keiner Worte – so etwas muss man sehen. Dem Tempo angepasst, gehen die Schwestern nahezu eine Verbindung ein, dabei geht es immer im Kreis. Mal schneller, mal langsamer präsentieren sie variierend ihre Figuren, bewegen sich filigran, auf Präzision bedacht.

Nach etwa der Hälfte der Zeit springt Laura ab von ihrem Kunstrad ab und hüpft auf das von Inga. Jetzt verschmelzen sie wirklich zu einer Einheit: „Wenn wir zu zweit fahren, blenden wir alles aus. Die Konzentration liegt dann völlig bei uns“, wird Inga im Nachhinein verraten.

Das ist wichtig, denn auf diese Weise können sie untereinander kommunizieren, um kleine Fehler auszumerzen, mit Blicken oder leisen Worten. Nach fünf Minuten ist die Kür vorbei. Die vier der acht Kampfrichter schreiben ihre letzten Notizen auf das standardisierte Programm. Am Ende erreichen sie 29,7 Punkte.

Laura wirkt zufrieden: „Wir sind schon mal besser gefahren, aber gesamt umfassend war es ganz gut.“ Vor allem eine tritt ihnen jetzt strahlend entgegen: Trainerin Gisela Bachmann. Seit Januar hat sie zusammen mit ihrem Mann, Günter Bachmann, und Stefanie Schäfer das Turnier des Kupferstadtpokals organisiert.

84 Starts in unterschiedlichen Disziplinen an einem Nachmittag, dahinter steckt ein Haufen Arbeit: „Manchmal denke ich, da muss man schon verrückt für sein“, gibt Gisela Bachmann sympathisch zu und grinst. „Aber es lohnt sich. Ich mache das jetzt schon 18 Jahre und es macht immer noch Spaß. Der Sport ist unheimlich klasse, man braucht Mut und Konzentration, und da ich ohnehin alles Liebe, was mit Fahrrädern zu tun hat…“.

Wie stolz sie ist, wird nicht nur bei Inga und Laura deutlich, sondern auch bei allen anderen ihrer Schützlinge: „Es ist wie eine kleine Familie. Man sieht über die Jahre hinweg jede einzelne Entwicklung und wenn ich – wie heute – sehe, was sie können, da geht mir das Herz auf.“

Das tut es auch bei Thomas Schenkel, dem Trainier vom RV Diamant Lind: „Der Kupferstadtpokal hier in Stolberg ist ein Traditionsturnier in NRW. Es gibt nicht viele Vereine, die das machen. Daher ist es von Bedeutung, dass sich die Randsportvereine gegenseitig unterstützen“, so der Trainer aus Köln abschließend in Hinblick auf die gelungene Veranstaltung, an der letztlich alle Kinder und Jungendliche in der Kunst des Radfahrens überzeugten.

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