Stolberg - 250 Mitarbeiter von Saint-Gobain Sekurit kämpfen um ihre Jobs

250 Mitarbeiter von Saint-Gobain Sekurit kämpfen um ihre Jobs

Von: Kolja Linden
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Zeigte sich gesprächsbereit, aber kämpferisch: Manfred Maresch (rechts) von der IGBCE auf der Kundgebung. Im Kampf um ihre Stellen wollen die Arbeitnehmer nicht im Regen stehen. Foto: K. Linden

Stolberg. „Wir wehren uns”, stand auf den roten Kappen der Gewerkschaft IGBCE, und aus dem Lautsprecher sang - wahrscheinlich ein Zufall - Superstar Rihanna „Don´t Tell Me You´re Sorry”. „Sag nicht, dass es dir leid tut”, irgendwie passte dieser Titel zu dem, was Betriebsrat Peter Alt und Gewerkschafter Manfred Maresch am Donnerstag vor rund 250 Kolleginnen und Kollegen zu sagen hatten.

Vom Himmel regnete es Bindfäden, doch das Signal, das die Arbeitnehmervertreter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stolberger Werks von Saint-Gobain Sekurit gaben, war ein kämpferisches: „Ohne Widerstand geben sie ihre Arbeitsplätze nicht verloren.”

Sie fühlen sich übers Ohr gehauen von der Geschäftsleitung, die, wie berichtet, erwägt, in Stolberg 80 Stellen abzubauen. Der Autoglashersteller beziffert den Auftragsrückgang auf satte 40 Prozent, zusätzlich stehe nun fest, dass erwartete Aufträge zur Produktion von Ersatzscheiben aus europäischen Schwestergesellschaften in den nächsten Jahren ausblieben. Langfristig führe dies bei einer Produktionslinie zu einer Auslastung von nur noch 20 Prozent. Die Betriebskosten dieser Linie könnten nicht alleine durch Kurzarbeit aufgefangen werden.

Der Betriebsrat von Sekurit und die Gewerkschaft IGBCE sehen das naturgemäß anders. „Wir verkennen nicht, dass die derzeitige Wirtschaftslage keinen Grund zum Jubeln gibt”, sagte Betriebsratsvorsitzender Peter Alt zwar, „aber eine Möglichkeit, um der Krise zu begegnen, bietet doch gerade die Kurzarbeit.” Diese sei erst sieben Wochen zuvor eingeführt worden, und zwar ausdrücklich zur Vermeidung von Entlassungen, wie es in der Präambel der Betriebsvereinbarung stehe.

Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, der wie weitere Vertreter der Politik ebenfalls vor Ort war, erklärte sich solidarisch mit den Mitarbeitern: „Ihr habt mehr gearbeitet und auf Lohn verzichtet. Wenn man euch dann nach Hause schickt, dann ist das eine Schweinerei.” Als skandalös betrachtete es Gatzweiler, dass sich an diesem Nachmittag niemand von der Geschäftsleitung dem Protest stellte, und erinnerte daran, dass in der Krise durch die auf 18 Monate verlängerte Möglichkeit der Kurzarbeit politisch gegengesteuert worden sei: „Weshalb eine Firma dieses Angebot nicht annimmt, das kann ich nicht verstehen.”

Werkleiter Dr. Stephan Kranz, der selbst nicht zur Demonstration erschien, sagte allerdings schriftlich zu, man werde weiterhin versuchen, „gemeinsam mit dem Betriebsrat eine sozialverträgliche Lösung für die betroffenen Mitarbeiter zu finden”. Abgesehen von der einen Produktionslinie werde man außerdem in allen anderen Bereichen des Werks am Prinzip der Kurzarbeit festhalten.

Immerhin, die Bereitschaft zu Gesprächen ist auf beiden Seiten vorhanden. Am kommenden Mittwoch werden Geschäftsleitung und Betriebsrat bereits zusammenkommen, eine Einigung wird es dann allerdings noch nicht geben. Auch Manfred Maresch, Bezirksleiter der IGBCE, betonte die Bereitschaft zur Mitarbeit, um der Krise sinnvoll zu begegnen. „Aber nur wenn das Ziel ist, die vorhandene Beschäftigung zu sichern und die Instrumente der Kurzarbeit und der Qualifizierung auszunutzen.”

Doch am Donnerstag war erst einmal der Tag der harten Worte: „Was uns auf die Straße bringt ist, dass die Arbeitgeber von Sekurit gar nicht den Versuch unternehmen, Beschäftigung zu sichern”, sagte Maresch unter Beifall. Die Botschaft der Geschäftsleitung sei jedenfalls gnadenlos: „Sekurit nutzt die erstbeste Möglichkeit und schmeißt unsere Kollegen raus.” Und das klang tatsächlich ganz nach Rihanna: „Sag nicht, dass es dir leid tut.”
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