Stolberg - 180-seitiger Sozialbericht: In Unterstolberg drückt der Schuh gewaltig

180-seitiger Sozialbericht: In Unterstolberg drückt der Schuh gewaltig

Von: Sonja Essers
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Lukas Franzen ist Inklusionsbeauftragter und ist verantwortlich für Ausarbeitung und Umsetzung des „Aktionsplan Inklusion“.

Stolberg. 180 Seiten umfasst das eingebundene Werk, das Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter der Stadt Stolberg, in den Händen hält. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis verspricht zunächst keine spannende Lektüre. Datenanalysen und Sozialraumprofile stehen im Vordergrund des Ringbuches, auf dessen Titel das Wort „Sozialbericht“ steht.

Doch dahinter verbirgt sich mehr, als eine scheinbar endlose Anzahl an Fakten rund um die Stolberg und seine Bewohner.

Als erste Stadt in der Städteregion hat Stolberg eine Art Bestandsaufnahme gemacht und die Bürger der verschiedenen Ortsteile befragt, wo der Schuh in ihrem Viertel drückt. Das Ergebnis überrascht selbst Sozialplaner Leo Jansen: „Stolberg ist keine Stadt, die an Überalterung leidet. Das ist heute eher selten“, sagt er. Handlungsbedarf besteht jedoch trotzdem. Schließlich lassen die Angebote für Jugendliche, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung eher zu wünschen übrig.

1722 Kupferstädter nahmen im Vorfeld an einer repräsentativen Umfrage teil, die die Verwaltung mit dem Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung (Inso) entwickelte. Positiv überrascht waren die Verantwortlichen vor allem vom großen Interesse der Bürger. „Es gibt viele Menschen, die sich für ihren Ortsteil und die Stadt sehr interessieren“, sagt Voigtsberger. Die Befragten gaben Auskunft über Herkunft, berufliche Situation und darüber, was sie sich für ihre Heimat wünschen.

Auf einer Skala von eins bis zehn gaben sie an, wie zufrieden sie mit ihrem Ortsteil und der gesamten Stadt sind. Besonders auffällig: 15 von 16 Stadtteilen wurden besser bewertet als die Gesamtstadt. Für die Lebensqualität in der Stadt Stolberg gab es durchschnittlich 4,8 Punkte. Die einzelnen Ortsteile erreichten im Schnitt 6,2 Punkte.

Absolute Spitzenreiter sind Dorff und Breinig. „Das zeigt, wie sehr sich die Leute mit ihrem Ortsteil identifizieren“, sagt Lukas Franzen, Inklusionsbeauftragter. Einzige Ausnahme: Unterstolberg. In weiteren Dialogen soll nun geklärt werden, woran dies liegen und wie diese Einschätzung verändert werden könnte.

Und was haben die Stolberger an ihren Ortsteilen auszusetzen und zu loben? Die medizinische Versorgung (6,9 Punkte), Schulen (6,6 Punkte) und Kitas (6,3 Punkte) sowie die Sportvereine (6,4 Punkte) wurden überdurchschnittlich gut bewertet.

Im Mittelfeld landeten Angebote von Arbeitsplätzen und Lehrstellen (je 4,9 Punkte), Einkaufsmöglichkeiten und Angebote für Senioren (je 4,8 Punkte). Die Umfrage brachte jedoch nicht nur positive Aspekte hervor. Angebote für Jugendliche (3,5 Punkte), Alleinerziehende (3,8 Punkte) und Menschen mit Behinderung (3,8 Punkte) „wurden eher unterdurchschnittlich bewertet“, erklärt Franzen.

Probleme, die die Verwaltung in Zukunft anpacken will, schließlich wird bei einem Blick auf die Altersstruktur deutlich, dass immer mehr junge Menschen in der Stadt an der Inde wohnen. 26,4 Prozent sind jünger als 25 Jahre, der Anteil der über 65-Jährigen liegt bei 20,2 Prozent. Mit diesen Werten entspricht die Kupferstadt nicht dem nordrhein-westfälischen Durchschnitt.

Im Dezember 2014 lebten in NRW 23,76 Prozent unter 25 Jahren, Einwohner über 65 Jahren machten einen Anteil von 21 Prozent aus. Von Überalterung und Bevölkerungsrückgang sei die Kupferstadt nicht betroffen, macht Sozialplaner Leo Jansen deutlich. In der Innenstadt sei die Zahl der Kinder, im Vergleich zu den anderen Stadtteilen, sogar am höchsten (6,53 Prozent).

In eher ländlich gelegenen Stadtteilen wie Gressenich ist das anders. Dort liegt die Zahl der Kleinkinder bis fünf Jahre gerade einmal bei 4,15 Prozent. In Schevenhütte sind es sogar nur 3,70 Prozent. Ähnliches stellt man beim Durchschnittsalter in den verschiedenen Stadtbezirken fest. In Vicht-Breinigerberg ist dieses am höchsten und liegt bei 53,3 Jahren. Besonders niedrig ist das Alter in Unterstolberg. Dort sind die Bewohner im Durchschnitt 38,3 Jahre alt, gefolgt von Oberstolberg (41,2 Jahre) und Werth (43,1 Jahre).

Und wie sieht es mit Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit aus? In Stolberg liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten bei 49,8 Prozent. Im Vergleich: Ende Juni 2015 betrug die Beschäftigungsquote in NRW 53,9 Prozent. Damit liegt Stolberg unter dem Durchschnitt. Die höchste Dichte an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gibt es übrigens in Münsterbusch (69,7 Prozent), Donnerberg (67,97 Prozent), Breinigerberg (58,28 Prozent) und Werth (57,62 Prozent).

Schlusslichter sind Oberstolberg (18,33 Prozent) und Büsbach (38,32 Prozent). Derzeit sind in der Kupferstadt 2809 Personen arbeitslos. Das entspricht 9,5 Prozent der Bevölkerung. Die höchste Arbeitslosenquote findet man in Zweifall, Atsch, Werth, Donnerberg, Unterstolberg und Schevenhütte (zwischen 2,3 und 3,7 Prozent). Die niedrigste Arbeitslosenquote gibt es in Oberstolberg (0,7 Prozent) und Büsbach (1,3 Prozent).

In Breinig, Breinigerberg, Dorff und Vicht-Breinigerberg wurden keine Angaben gemacht. Hier liegt Stolberg über dem Durchschnitt in NRW (7,9 Prozent) und der Städteregion (8,6 Prozent). Zudem leben in Unterstolberg die meisten Bürger mit einem ausländischen Pass (33,08 Prozent), die wenigsten gib tes in Dorff (2,73 Prozent).

Wie es nach der Bestandaufnahme weitergeht? Nachdem der Sozialbericht am kommenden Dienstag den Mitgliedern des Ausschusses für Soziales und Generationengerechtigkeit (ASG) ausführlich vorgestellt wurde, wird ein Handlungskonzept für die weitere Vorgehensweise erarbeitet. Mit diesem will die Verwaltung am NRW-Förderprogramm „Starke Quartiere – starke Menschen“ teilnehmen. So soll gewährleistet werden, dass der Bericht regelmäßig fortgeschrieben werden kann.

Natürlich sollen die Bürger weiter einbezogen werden, sind sich Voigtsberger, Jansen, Franzen znd auch Sozialamtsleiter Paul Schäfermeier sicher. Das könne beispielsweise in Stadtteilgesprächen geschehen. „Wir haben verschiedene Kompetenzen in den einzelnen Ortsteilen und die müssen wir nutzen.“

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