Stolberg-Atsch - 15 Jahre von der ersten Idee bis zur Nahversorgung

15 Jahre von der ersten Idee bis zur Nahversorgung

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Die Eröffnung von Edeka und Trinkgut komplettieren das Nahversorgungszentrum Atsch an der Eisenbahnstraße. Foto: J. Lange

Stolberg-Atsch. Wie spät es Dienstagabend geworden ist, kann Ende Cevik am späten Nachmittag noch nicht abschätzen. „Im Zweifelsfall machen wir durch“, sagt der Kaufmann. Ab 5 Uhr werden heute in jedem Fall die letzten Handgriffe erledigt und die frisch angelieferte Ware in die Auslagen gelegt.

Um 7 Uhr öffnen sich die Türen des neuen Edeka- und Trinkgut-Marktes. Dann ist die Nahversorgung der Atsch auf dem Kistenplatz wieder komplettiert, nachdem vor mehr als drei Jahrzehnten mit Rewe Schmitz an der Sebastianus­straße der letzte größere Lebensmittelmarkt schloss.

„Ich bin sehr positiv gestimmt“, sagt Cevik. Hinter dem Betreiber liegen anstrengende Monate und noch stressigere Stunden während der vergangenen Tage. „Aber ich bin stolz, dass ich das geschafft habe.“ Immerhin reicht das Ringen um eine Aktivierung des ehemaligen Kistenplatzes von Saint-Gobain mehr als 15 Jahre zurück. 1999 will die Kaufland-Stiftung großflächigen Einzelhandel ansiedeln. Das scheitert erst einmal wegen des Fehlens eines Einzelhandelskonzeptes an der Bezirksregierung. Jahre dauert das Ringen. Ende 2004 liegt ein Einzelhandelskonzept auf dem Tisch, erst seit die Stadt 2006 beginnt, Atsch als Nebenzentrum zu definieren, schreitet die Entwicklung voran. Investor Schlun legt im September ein Konzept für das 25 Hektar große Areal mit einem Verbraucher-, Drogerie- und Getränkemarkt mit einer Gesamtverkaufsfläche von 3200 Quadratmeter vor; weitere 5050 Quadratmeter Gelände sollen für Gewerbe dienen.

Doch diese Vorstellungen sollen noch mehrmals modifiziert werden bei der Entwicklung des Standortes. Als die Bezirksregierung positive Signale schickt, wird Ende 2007 der Bebauungsplan beschlossen. Fast gleichzeitig entbrennt im Rat die Diskussion um einen barrierefreien Anschluss an die Hammstraße. Die erste Lösung scheitert am Widerstand des Landschaftsschutzes. Auch eine Biber-Population hat da ein Wörtchen mitzureden. Intensiv wird nach Kompromissen zwischen Kosten und Landschaftsschutz gesucht: Errichtet ist heute eine Stahltreppe mit Rampe für Kinderwagen.

Im Jahr 2009 betreibt der Investor Akquise, während der Kistenplatz den Wahlkampf in Atsch prägt. Seit Frühjahr 2010 wird wieder an den Ansiedlungsplänen gefeilt. Erstmals taucht der Wunsch nach einem Discounter auf. Doch Gewünschtes und Machbares, war bis dato planungsrechtlich nicht berücksichtigt. Entsprechend verzögert sich immer wieder der zunächst für Sommer 2010 geplante Baubeginn.

Hoffnung keimt auf, als im Frühjahr 2012 der Abriss der Hinterlassenschaften von Saint-Gobain beginnt, und Ender Cevik bei einer Ortsbesichtigung mit Vertretern der SPD sich auf eine Eröffnung zum Nikolausfest 2012 vorbereitet. „Jetzt erarbeiten wir das Ladenkonzept“, sagte damals der Kaufmann und ahnte nicht, dass sich der Termin um zwei weitere Jahre verschieben wird. Für Cevik beginnen wechselvolle Zeiten.

Zum 1. August 2010 wagt der bisher bei Edeka angestellte Marktleiter den Sprung in die Selbstständigkeit, tauscht die Filiale in Bonn-Wachtberg mit dem E-Center in Münsterbusch. Schon damals reizt den heute 49-Jährigen die Perspektive, einen zweiten Markt in Atsch zu eröffnen. Mit seiner Familie zieht er um von Köln auf den Donnerberg – und muss sich erst einmal in Geduld üben.

Im Mai 2012 verzögert sich trotz positiv beschiedener Bauvoranfrage die Genehmigung erst einmal, weil es Details mit der Unteren Wasserbehörde sind zu klären sind. Drei Monate später wird das Ansiedlungsvorhaben erneut aktualisiert: Edeka mit 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche plus 150 Quadratmeter Shopfläche, Trinkgut mit 680 Quadratmeter, DM mit 660 Quadratmeter plus Apotheke sowie Netto mit 800 Quadratmeter plus Bistro, und auf dem hinteren Teil des Geländes besteht noch Potenzial für weitere 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Seinerzeit bedeutet die Entscheidung von Netto für den Kistenplatz einen Rückschritt für die Revitalisierung der Industriebrache des Metallwerks, wo der Discounter als Ankermieter gedacht war.

Doch auch damit war‘s noch nicht getan. Während die Planung angepasst wird, wird auch die Verkehrsführung neu berechnet. Die Planer legen den Knotenpunkt Atsch Dreieck und die Eisenbahnstraße gleich so aus, dass ein Anwachsen der Verkehrsbelastung um 35 Prozent durch den avisierten Anschluss an die Autobahn 44 bei Eilendorf bewältigt wird. Untersucht wird auch ein Kreisverkehr; für eine leistungsgerechte Lösung reicht der Platz nicht. Ausgestattet wird die Zufahrt zum Nahversorgungszentrum mit einer Ampel, die am Dienstag montiert wird, nachdem am Vortag die Markierung der Fahrbahnen erfolgt.

Doch zuvor werden alle Details im Juni 2013 auf einer Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung beschlossen, Stadt, Landesbetrieb und Investor schließen Verträge; und am 21. Oktober 2013 kann Bürgermeister Ferdi Gatzweiler die Baugenehmigung überreichen. Wenige Tage zuvor ist die Baustelle eingerichtet worden.

Obwohl der Baugrund widerspenstiger ist als erwartet, geht‘s recht zügig voran an der Eisenbahnstraße. Im Janaur diesen Jahres beginnt der Aufbau der Märkte teilweise aus Fertigbauteilen. Vom Februar bis in den Sommer hinein läuft der Umbau von Atsch Dreieck, der vom Inverstor auch einen neu gestalteten Platz erhält. Dann geht‘s in Atsch wie am Schnürchen: Am 26. August eröffnet Netto, am 2. Oktober folgen dm und die Engel-Apotheke sowie heute Edeka und Trinkgut.

Im Endspurt hatten noch einmal Probleme mit dem Estrich dem Stolberger Kaufmann eine Verzögerung beschert – angesichts der jahrelangen Entwicklung eine eher kleine Hürde. Seit zwei Jahren hat er seinen Personalbestand im Münsterbuscher E-Center aufgestockt, um neue Mitarbeiter für die Atscher Filiale qualifizieren zu können. Liefertermine für die Einrichtung werden verschoben und gelieferte Objekte zwischen gelagert. Doch längst sind Ender Cevik und seine Marktleiterin Ludmilla Axt seit Wochen schon in Gedanken und bei der Vorbereitung von Einrichtung und Eröffnung.

Ein neues Design vom Chef

Am 7. Oktober erfolgt Abnahme und Schlüsselübergabe. Cevik und sein Team können loslegen – und laden fünf Tage später alle Interessierten zur Feier des Richtfestes ein. Dann erst kann der Laden eingerichtet werden. Drei harte Wochen liegen vor der 30-köpfigen Mannschaft bis in der vergangenen Nacht letzte Feinheiten erledigt sind und das Sortiment in Regalen, Theken und Truhen untergebracht sind: rund 45.000 Artikel im Verbraucher- und 10.000 Artikel im Getränkemarkt. Die Kunden können kommen – und sich auch an einer neuen Optik erfreuen: Ender Cevik hat für sein komplettes Team neue Dienstkleidung in einheitlichem Design geordert.

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