14. Ritterfest in Stolberg: Burgritter schlagen ihr Lager in der City auf

Von: Lisa Lammertz
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Beim Schwertmeister-Turnier wurden die Klingen vor zahlreichen Zuschauern gekreuzt. Das 14. Burgritterlager zog am Wochenende über zwei Tage lang zahlreiche Teilnehmer und Gäste in die Stolberger Altstadt. Foto: L. Lammertz
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Der „Aussätzige“ bettelte die alten und jungen Gäste an. Foto: L. Lammertz

Stolberg. Mal eben ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurückreisen und ein Auge auf das Geschehen im Mittelalter werfen, ist nicht möglich. Doch beim alljährlichen Ritterlager an der Stolberger Burg scheint das plötzlich ganz einfach zu sein.

Bereits zum 14. Mal schlugen die Stolberger Burgritter und viele befreundete Vereine ihre Lager am Faches-Thumesnil-Platz auf. Rund 80 Gewandete hielten sich rund um die Burg auf. Neben den Burgrittern waren Vereine aus Bonn, Roetgen, Siegburg und Bochum vor Ort. Ebenso die befreundete „Compagnie de Loimbaert“ aus der französischen Partnerstadt Faches-Thumesnil.

Die Besucher schlenderten bei Sonnenschein über den Platz und ließen sich von den vielen Ausstellern ihr Handwerk erläutern. Vor einem Lager wurde zeitweise mittelalterliche Musik gespielt. Eine Gruppe faszinierter Kinder bildete sich immer wieder um Magus Antonius, den Zauberer. Er verblüffte mit seiner Magie und ließ nicht nur die Kleinen, sondern auch so manche Eltern mit offenem Mund dastehen.

Nicht nur Theorie

Ein paar Meter weiter an der selbst gebauten Seilerei kam ebenso große Begeisterung auf. Nicht nur theoretisches Wissen wurde hier vom Seiler verbreitet, auch in der Praxis durfte man sich üben. „Hiermit kann man bis zu sieben Meter Seil herstellen. Das sind dann 1500 Umdrehungen“, erklärt Willi Becker.

Sein Nachbar, der Sarwürker, braucht hingegen einige Zeit länger für sein Handwerk. Hemden, Hauben und Handschuhe werden hier hergestellt. Allerdings nicht wie üblich aus Stoff, sondern aus Eisenketten.

Aus Draht

Diese werden aus Draht gedreht und Stück für Stück ineinander gehängt. In einem großen Kettenhemd für Erwachsene sind 26 000 Ketten verarbeitet. „Das sind 150 Arbeitsstunden“, belehrt der Sarwürker die Besucher. Im 12. Jahrhundert habe so ein Hemd fünf Kühe gekostet.

Hungrigen Gästen bot der „Orientalische Genusstraum“ alle möglichen Leckereien. An einigen wenigen Verkaufsständen gab es Seife, Holzlampen und -schwerter zu erwerben.

Freundschaft wichtig

Die Veranstaltung sollte jedoch kein üblicher Rittermarkt sein, bei dem auch Eintritt gezahlt wird und Ware zum Verkauf angeboten wird. Es war eher ein Freundschaftslager mit Publikumsverkehr, wie die Burgritter selbst beschreiben.

Während Fräulein und Mägde in ihren Kleidern schön anzusehen sind, erschreckt sich der eine oder andere beim Anblick von „Bettler Ede“, der allerdings schon längst Stammgast beim Stolberger Burgritterlager geworden ist. Mit verschmutztem Gewand und Buckel kommt er den Besuchern immer wieder in seinem geknickten Gang entgegen. Für manche eine echte Attraktion, für andere einfach nur gruselig.

„Ich sehe zwar schlimm aus, aber ich tu dir nichts, kleine Prinzessin“, versucht der Aussätzige die Jüngsten zu beruhigen. Die verstecken sich aber dann doch lieber erst einmal hinter Mamas und Papas Rücken.

Zum Schwertmeister-Turnier versammelt man sich voller Spannung auf dem oberen Burghof. Die Kämpfer fechten dort nach dem Regelwerk „Zeit der Schwerter“. Sie kämpfen in mehreren Runden und ermitteln am Ende den Gewinner. Dabei scheidet nicht gleich der aus, der einmal verloren hat. „Wir kämpfen zwar um den Sieg, aber hauptsächlich soll es auch Spaß machen.

Also soll jeder die Chance haben, noch weiterzukämpfen, auch wenn er es zuerst vergeigt hat“, so einer der Stolberger Burgritter. Mit bis zu 15 Kilo zusätzlichem Gewicht in ihrer Rüstung treten die Kämpfer in der starken Sonne gegeneinander an.

In schwerer Rüstung

Manche tragen Kettenhemden, andere eine komplette Ritterrüstung. Die rund ein Kilo schweren Schaukampfschwerter, die hier zum Einsatz kommen, sind abgerundet. So können keine Verletzungen entstehen. Die Kleidung ist zudem zum Teil wattiert, so dass die Schläge weniger zu spüren sind.

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