Stolberg - 112: Schnelle Hilfe bei Notruf im Wald

112: Schnelle Hilfe bei Notruf im Wald

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Durch eine speziell entwickelte App können die Daten der Rettungspunkte vor Ort erhoben werden. Geo-Koordinaten und Foto werden automatisch an das System übermittelt. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Starke Partner: Axel Lammering von Medical Protection Service, Andre Zinner von Innodatec und Robert Jansen vom Landesbetrieb Wald und Holz (v.l.).

Stolberg. „Meyer mein Name, hier brennt es im Wald! Wo? In Zweifall, Jägerhausstraße, Höhe Solchbachtal. Ein Stück in den Wald hinein, am Parkplatz gegenüber vom Sägewerk, wo es zum Museumssägewerk reingeht.“ Ziemlich kompliziert, oder? Und da bekanntlich im Notfall jede Minute zählt, ist diese Variante eindeutig die bessere.

„Meyer mein Name, im Wald brennt es, ich stehe am Rettungspunkt 049-10-02-0001.“ Die Disponenten bei der Leitstelle der Städteregion Aachen wissen nach Eingabe dieser Ziffernabfolge genau, wo der Anrufer seinen Standort hat und können schnell Hilfe auf den Weg bringen.

Damit es den Rettungskräften möglich ist, Verletzten schnell zu Hilfe zu eilen, haben sich die Stolberger Firma Innodatec, der Landesbetrieb Wald und Holz, mehrere Kommunen sowie die Leitstelle der Städteregion zusammengefunden, um ein neues Rettungspunktesystem zu installieren. Der Landesbetrieb weist im Staatswald, der in den Kreisen Düren, Heinsberg und der Städteregion liegt, die mit Pfosten und Schild gekennzeichneten Rettungspunkte im Wald aus. Waldbesitzübergreifend haben sich auch die Städte Stolberg, Eschweiler und Würselen sowie die Gemeinden Simmerath und Roetgen für die Einführung dieses offenen Systems ausgesprochen.

„Das Zusammenfinden vieler Partner hat zu dieser Lösung geführt, die sowohl der Sicherheit der im Wald arbeitenden Menschen als auch den Waldbesuchern zu Gute kommen wird“, sagt Robert Jansen, beim Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde zuständig für den landeseigenen Forstbetrieb. „Was wir hier anbieten können, ist gewachsen und eben keine Insellösung“, verweist Jansen auf die von der Stadt Aachen installierten Rettungspunkte.

Alle profitieren davon

Da der Staatswald in regionaler Verzahnung mit diesen Kommunalwäldern liegt und für den Waldbesucher eine durchgängig einheitliche Kennzeichnung natürlich von Vorteil sei, habe dieses Vorgehen auch einen Sinn. Insgesamt kommen so rund 200 Rettungspunkte zusammen. „Das System ist offen, so dass sich weitere Interessenten anschließen können“, erklärt Axel Lammering. Der Simmerather bildet in der Notfallmedizin aus, speziell für die Forstwirtschaft. Darüber erfuhr er, wie groß der Bedarf ist und wendete sich an seinen Freund Andre Zinner, der über das technische Knowhow verfügt. So kam es, dass die Breiniger Firma Innodatec das neue Rettungspunktesystem entwickelte. Stand zunächst noch die Arbeitssicherheit der Forstarbeiter im Vordergrund, können jetzt auch Sportler und Erholungssuchende im Fall der Fälle davon profitieren.

Rettungspunkte sind und werden an solchen Stellen aufgebaut, an denen garantiert Mobilfunkkontakt mit der Kreisleitstelle besteht, was im Wald nicht flächendeckend der Fall ist; große geschlossene Waldgebiete weisen oft Funklöcher auf, in denen kein Kontakt zur Außenwelt besteht. Hier geht Andre Zinner mit den Waldbesitzern auf Funksuche.

Vorab wird die Lage bestimmt. Denn die Rettungspunkte sind strategisch an Kreuzungen platziert und so ausgewählt, dass sie zwar zum Teil tief in den Wald hineinreichen, trotzdem ohne Probleme von einem Rettungswagen angefahren werden können. Die Punkte weisen wie anfangs beschrieben eine logische Ziffernabfolge auf, die beim Anruf unter der Notrufnummer 112 vom Rettungssuchenden genannt werden muss. Diese Kennung ermöglicht es den Leitstellen der Rettungsdienste, den genauen Standort des Hilfesuchenden zu ermitteln. Sie vermeidet Verwechslungen und beinhaltet gleichzeitig eine geographische Zuordnung.

„Wir erfassen das Ganze mit den iPad, und der eigentliche Clou daran ist, dass keinerlei Übermittlungsfehler passieren können, die Sache ist kinderleicht, die Plattform öffentlich zugänglich“, erklärt Diplom-Physiker Zinner, dass ein zentraler Bestandteil bei der Entwicklung die Online-Pflege war. Durch eine speziell entwickelte Anwendung für das iPad können die Daten direkt vor Ort einfach erhoben werden. Geo-Koordinaten und Foto samt kurzer Beschreibung werden automatisch an das System übermittelt. „Der auf jedem Schild angebrachte QR-Code kann vom Erfassungsgerät ausgelesen werden und gewährleistet damit eine verwechslungsfreie Positionserfassung der aufgestellten Schilder“, so Zinner.

Die Website liegt nicht im Breiniger Kastanienweg, dem Sitz der Firma, die maßgeschneiderte Softwarelösungen bietet, sondern bei einem großen Provider, um eine Verfügbarkeit rund um die Uhr garantieren zu können. „Das ist auf jeden Fall eine sehr gute Lösung, vor allem, weil es GPS-basiert ist. Die Leitstelle hat das System integriert und schickt uns im Bedarfsfall raus“, begrüßt auch Karl Wenn, Leiter der Hauptwache bei der Stolberger Feuerwehr, die neue Plattform.

Das System ist offen, so dass sich weitere Waldbesitzer gegen eine geringe Gebühr für das Schild und die Wartung der Datenbank daran beteiligen können. Für die Rettungskräfte ist ein Zugriff auf die Datenbank kostenlos.

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