Stolberg - 10.000 Grabsteine auf 16 Stolberger Friedhöfen müssen kontrolliert werden

10.000 Grabsteine auf 16 Stolberger Friedhöfen müssen kontrolliert werden

Von: Sonja Essers
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Willi Philippengracht vom Technischen Betriebsamt der Stadt kontrolliert in den kommenden Wochen die Grabsteine auf allen 16 Stolberger Friedhöfen.

Stolberg. 16 Friedhöfe sind über ganz Stolberg verteilt. Auf ihnen gibt es derzeit 10.000 Grabsteine, die einzeln kontrolliert werden müssen. Eine Aufgabe für Willi Philippengracht vom Technischen Betriebsamt der Stadt. Einmal im Jahr überprüft er die Steine auf ihre Standfestigkeit und hat in den vergangenen elf Jahren festgestellt: „Die Friedhöfe werden immer flacher.“

Was Philippengracht damit meint? Ganz einfach: „Die Erdgräber werden von Urnen oder pflegelosen Grabstätten abgelöst“, sagt er und kann diese Entwicklung auch mit Zahlen belegen. Als Willi Philippengracht vor elf Jahren mit dieser Aufgabe startete, kontrollierte er jährlich zwischen 13.000 und 14.000 Grabsteine. Die Zahl der Urnenbestattungen lag zu diesem Zeitpunkt bei knapp 70 Prozent. „Mittlerweile habe wir die 90 Prozent im Stadtgebiet fast erreicht“, sagt Philippengracht und prognostiziert: „In den nächsten fünf Jahren wird es wohl noch weniger Grabsteine geben.“

Vielfältige Gründe

Die Gründe für diese Entwicklung seien vielfältig. Große Gräber seien zum Beispiel einfach nicht mehr zeitgemäß. Zudem falle es immer mehr Menschen – beispielsweise aufgrund ihres Jobs – schwer, die Gräber ihrer Angehörigen zu pflegen. Aus diesem Grund würde man vermehrt einfache Steinplatten auf den Stolberger Friedhöfen sehen. Diese müssen nicht kontrolliert werden, da sie fest auf dem Boden liegen. Ein Urteil über diesen Trend will Philippengracht nicht fällen. „Jeder kann in die Situation kommen, dass es keine Familie gibt, die sich darum kümmern kann“, sagt er.

Wenig Verständnis hat er allerdings für Angehörige, die meinen, dass das Technische Betriebsamt bei seiner Kontrolle die Grabsteine beschädige. „Wir machen nur unsere Arbeit und die muss gemacht werden“, sagt Philippengracht. Vor allem die Art und Weise der Überprüfung habe sich in den vergangenen Jahren massiv geändert. „Früher hat man an den Steinen gerüttelt, um festzustellen, ob sie noch halten“, sagt er. Seit 2004 wird dafür ein so genannter Kipptester eingesetzt, der das Rütteln verhindern soll.

Grabsteine bis zu einer Höhe von 70 Zentimetern werden zwei Sekunden lang mit einem Druck von 30 Kilogramm belastet, bei größeren Steinen steigt der Druck auf 50 Kilogramm. Ertönt dabei ein Signal, weiß Philippengracht, dass der Grabstein in Ordnung ist. „Ist ein Stein lose, merkt man das meistens schon, wenn man das Gerät nur ansetzt“, sagt er.

Keine Gefahr nach einem Jahr

Kontrolliert werden müssen übrigens alle Steine – ganz egal, ob sie ein oder 30 Jahre alt sind. „Es ist aber nicht so, dass ein Stein nach einem Jahr so lose ist, dass er eine Unfallgefahr ist“, sagt Philippengracht. Und warum lösen sich Grabsteine überhaupt? Ein Grund dafür kann die Witterung sein. „Wenn alte Steine sich lösen, ist der Grabstein meistens noch durch einen Dübel mit der Fassung im Boden verbunden. Dabei lösen sich oft die Verklebungen rund um den Dübel. Umfallen kann er in der Regel aber nicht“, sagt Philippengracht.

Trifft er bei seinen Kontrollen auf nicht mehr ganz intakte Exemplare, werden diese mit einem gelben Aufkleber versehen, gesichert oder im schlimmsten Fall umgelegt. Das passiere allerdings eher selten. „Im letzten Jahr mussten wir gerade einmal drei Steine umlegen“, sagt Philippengracht. Pro Jahr sind in der Regel zwischen 200 und 250 Steine lose.

Vor elf Jahren waren rund 1000 Steine betroffen. „Man merkt, dass sich die Technik im Steinhandwerk immer weiter entwickelt. Die Zahl der losen Steine geht immer weiter zurück“, sagt Philippengracht. Die Größe der Steine spiele dabei übrigens keine Rolle. „Ich könnte nicht behaupten, dass größere Steine auch öfter lose sind. Es geht nur um die fachliche Arbeit. Darauf kommt es an“, sagt Philippengracht.

Gelbe Aufkleber

Klebt ein gelber Aufkleber auf dem Grabstein haben Angehörige in der Regel drei bis vier Monate Zeit, um den Stein wieder befestigen zu lassen. Dann kontrolliert Philippengracht die Gräber erneut. Ist noch immer nichts passiert, setzt er eine schriftliche Aufforderung auf. Im vergangenen Jahr war dies 15 Mal der Fall.

Weigern sich Angehörige dennoch die Arbeiten erledigen zu lassen, kann das Technische Betriebsamt durchgreifen. „Wir können den Stein befestigen oder abmontieren lassen und das auf die Kosten der Angehörigen“, sagt Philippengracht. Soweit sei in seiner Zeit beim Technischen Betriebsamt allerdings noch nie gekommen. „Im Normalfall ist es das Bestreben aller Beteiligten, dass der Grabstein auch fest ist“, sagt er.

In den kommenden vier Wochen wird Philippengracht auf den Stolberger Friedhöfen unterwegs sein. Wer mitgehen möchte, kann dies tun und sich unter Telefon 122 317 melden. „Jeder ist herzlich willkommen, schließlich haben wir nichts zu verbergen“, sagt er.

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