10.000 Brillen für den guten Zweck

Von: leona Otte
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Kisten voller alter Brillen: Hubert Nadenow inmitten seines Brillensammelsuriums in seiner Wohnung in Vicht. Der Rentner ist dankbar dafür, dass er von so vielen Menschen unterstützt wird. Foto: Leona Otte

Stolberg-Vicht. Jeder Brillenträger kennt es: Das hilflose Gefühl, wenn das gute Stück einmal nicht auf der Nase sitzt und man die Welt nur noch verschwommen wahrnimmt. Der Gedanke, im Lebensalltag ohne sie auskommen zu müssen – für viele gar nicht vorstellbar und doch für unzählige Menschen in den ärmsten Ländern der Welt tägliche Realität.

Ihnen zu einer klaren Sicht zu verhelfen, das hat sich Hubert Nadenow im Rahmen des Hilfsprojektes „Brillen weltweit“ zur Aufgabe gemacht. Karton für Karton stapelt sich in seinem heimischen Hausflur in Vicht. Vollgepackt mit Brillen aller Art: Große, kleine, runde, eckige, Markenbrillen, einfache Brillen, ja sogar Sonnenbrillen.

Dabei fing alles ganz klein an: Waren es zu Beginn im Jahr 2015 gerade mal 80 Stück, knackte der 74-Jährige durch kontinuierliche, gemeinsame Sammelaktionen mit seiner Frau Irene vor einigen Monaten die 10.000er Grenze: „Nach Artikeln im April letzten Jahres in den Stolberger Nachrichten wurde eine regelrechte Lawine losgetreten, die die Spendenfreudigkeit der Bevölkerung in Stolberg und im weiteren Umkreis zeigte“, erzählt Hubert Nadenow und äußert dankbar: „Eine bemerkenswerte Zahl, die wir nie erwartet hätten.“

Aufmerksam auf das Projekt wurde Nadenow eines Tages durch ein Plakat, das im Wartezimmer seiner Zahnärztin an der Wand heftete. Sein Blick fiel darauf und er begann sich Gedanken zu machen. „Keine Brille“, ziemlich profan wirkt, aber dennoch ein Problem: „Die Menschen, an die die gespendeten Brillen gehen, können sich keine Brille leisten.

Das wenige Geld, wenn sie überhaupt etwas haben, brauchen sie für Essen. Wie sollen Kinder denn lesen und schreiben lernen, wenn sie nicht richtig sehen können?“ fragte sich der Rentner. Er selbst trägt auch eine Brille, durch die er schon viel Elend gesehen hat. Von 1960 bis 1985 fuhr er zur See, ist in Lateinamerika und Afrika gewesen und hat die Armut dort schon damals kennen gelernt: „Das Gute ist, dass die Brillen, auch wirklich da ankommen, wo sie ankommen müssen.“

Der Vichter Dorfladen ist eine der insgesamt fünf Anlaufstellen, wo die Brillen abgegeben werden können. Dafür steht eine kleine Kiste augestellt. Eine sinnvolle Sache, findet auch ehrenamtliche Mitarbeiterin Roswitha Bachmann: „Ich empfinde das, als eine ganz tolle Geschichte, weil auf der einen Seite weniger weggeworfen wird, auf der anderen Seite kann damit sicherlich vielen Menschen, die eine Sehschwäche haben, geholfen werden.“ Regelmäßig fährt der Brillensammler hier vorbei, um die Brillen abzuholen.

Genauso macht er sich auf den Weg nach Aachen, Eschweiler, Düren und Jülich – zu den Sammelstellen, zu Optikern und hier und da auch mal zu Privatpersonen. 500 Kilometer Fahrt liegen bereits hinter ihm. Jede einzelne Brille hat er in den Händen gehabt.

Sie kontrolliert, gewissenhaft mit der Zeit in über 100 Kartons gepackt, so dass sie zu „Brillen weltweit“ nach Koblenz gebracht werden konnten. Dort werden sie gereinigt, gegebenenfalls repariert. Letztlich verlassen sie Deutschland und gehen um die ganze Welt: „Wenn die gespendeten Brillen dazu beitragen, dass es den betroffenen Menschen etwas besser geht und dadurch ihre Lebensqualität gesteigert wird, dann bin ich zufrieden“, betont Nadenow.

Solange es seine Gesundheit zulässt wird Hubert Nadenow weitersammeln. In Anlehnung an Mutter Theresa, die einmal sagte: „Wir können keine großen Dinge vollbringen, nur kleine, aber die mit große Freude“, ergänzt Nadenow mit seinen eigenen Worten und sagt: „Unsere Brillen sind für uns die kleinen Dinge.“

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