Zwei Sieger treffen im Landtag auf zwei Verlierer

Von: Udo Kals und Anja Klingbeil
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Wahlsieger: Stefan Kämmerling
Wahlsieger: Stefan Kämmerling (Eschweiler) und Eva-Maria Voigt Küppers (Würselen) holen die Direktmandate für die Sozialdemokraten mit großem Vorsprung vor ihren CDU-Kontrahenten.

Aachen. Lauter Jubel, langer Applaus und rote Blumen für die Siegerin: Um 19.50 Uhr holen die Sozialdemokraten am Sonntag im Haus der Städteregion schließlich offiziell das nach, was - nicht nur - für SPD-Chef Martin Peters schon seit knapp zwei Stunden bei der ersten NRW-Prognose klar war: „Zwölf Prozent Vorsprung, das holen die CDU-Direktkandidaten niemals auf.”

Und er setzte um 18 Uhr noch einen drauf: „Jetzt hoffe ich, dass wir alle vier Wahlkreise in der Städteregion holen.” Und in der Tat setzten sich nicht nur die bisherige SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers (Würselen) sowie Stefan Kämmerling (Eschweiler) im Altkreis Aachen durch. Auch die beiden Wahlkreise in Aachen waren am Ende des Abends rot.

„4:0 für die SPD in der Städteregion”, bilanziert Peters zufrieden und lobte vor allem die „überzeugende Arbeit” von Voigt-Küppers: „Sie hat sich in den vergangenen zwei Jahren im Landtag das Vertrauen und die Zuneigung der Menschen erarbeitet. Das Ergebnis heute ist der Lohn dafür.” Mehr als zwölf Prozentpunkte und mehr als 8000 Stimmen Vorsprung vor ihrem CDU-Herausforderer Hendrik Schmitz machte auch die Würselerin stolz. „Klar, wollte ich mein Ergebnis von 2010 ausbauen. Aber das es so ein Erdrutsch wird, hätte ich natürlich nicht gedacht.” 2010 lag sie noch 1900 Stimmen vor Reimund Billmann.

Ganz so klar war die Entscheidung für Kämmerling nicht. Doch um 19.15 Uhr hatte der 36-Jährige bei der Auszählung erstmals die Nase vor dem bisherigen CDU-Landtagsabgeordneten und -Kreisparteichef Axel Wirtz - und diese Führung baute er kontinuierlich aus. Hatte Kämmerling, der den Wahlausgang wie 2010 in seiner Heimatstadt verfolgt hatte, noch 540 Stimmen Rückstand auf Wirtz, lag er am Sonntag mehr als 4000 Stimmen vor Wirtz. „Natürlich hat der Landestrend eine Rolle gespielt. Aber wir haben die richtigen Themen gesetzt und konnten unsere Stammwähler mobilisieren”, befand der künftige Landtagsabgeordnete, der am morgigen Dienstag gespannt zur konstituierenden Fraktionssitzung nach Düsseldorf fahren wird.

Dass er auf den Landtagsfluren auf Hendrik Schmitz und Axel Wirtz treffen wird, ist die Ironie dieses Wahltages. Denn das historisch schlechte CDU-Ergebnis spielt den beiden unterlegenen Christdemokraten in die Hände. Da nur wenige Parteikollegen ihre Wahlkreise gewinnen konnten, ziehen sie über die Liste ein, wie der Parteichef am späten Abend sagt. Schmitz über Platz 20, Wirtz über Platz 22. Und so ist der Altkreis mit gleich vier Abgeordneten im neuen Landtag vertreten. Doch über diese glückliche Fügung vergaßen die Christdemokraten nicht das katastrophale Ergebnis, „das mich wie aus heiterem Himmel getroffen hat”, wie Wirtz bekennt. Nicht nur ihn. Und so lassen er wie auch die anderen Christdemokraten den Abend mit den niederschmetternden Zahlen über sich ergehen. So etwas haben sie nicht für möglich gehalten, wobei CDU-Fraktionschef Klaus Dieter Wolf zu Beginn des Abends schon „das Schlimmste” befürchtete. Und das trat ein. Fast schon wie in Trance sitzen sie im CDU-Fraktionszimmer, nahmen Hochrechnung nach Hochrechnung, Wahlbezirk nach Wahlbezirk zur Kenntnis. Und wer hat Schuld? „Ich hätte mir mehr erwartet. Gegen so einen deutlichen Landestrend kann man nicht bestehen”, meint der Parteichef mit Blick darauf, dass er mit seinem Erststimmenergebnis rund neun Prozent über dem CDU-Landesergebnis lag. Auch Schmitz liegt über dem Landesschnitt, mit sechs Prozent. Auch er hadert mit dem Landestrend. Und als Neuling habe er in seinem ersten Landtagswahlkampf relativ wenig Zeit gehabt, sich zu positionieren. „Wir haben bis Sonntagfrüh gearbeitet. Mehr konnten wir nicht machen.” Doch am Ende zählt das Ergebnis. Und Schmitz sagt: „Ich habe mein Ziel, das Direktmandat zu holen, nicht erreicht. Okay ist das Ergebnis nicht.”

Da sind FDP, Grüne und vor allem die Piraten mit ihren Ergebnissen weitaus zufriedener. Vor allem die Newcomer von der Internetpartei müssen sich den ganzen Abend die Augen gerieben haben, landeten ihre Direktkandidaten in beiden Wahlkreisen auf dem dritten Platz und bei den Zweitstimmen nur knapp hinter den Grünen auf Rang vier. „Wir haben heute bewiesen, dass wir nicht nur in Großstädten, sondern auch in der Fläche erfolgreich sein können”, sagt Kai Baumann: „Wir sind in der Region angekommen.”

Dass seine Partei überhaupt wieder in den Landtag eingezogen ist, ließ FDP-Parteichef Dr. Werner Pfeil (Würselen) strahlen. „Wer hätte das vor vier Wochen gedacht?”, freut er sich über die unerwartete Rückkehr der Liberalen ebenso wie der städteregionale Grünen-Fraktionschef Werner Krickel (Monschau) über das Ergebnis seiner Partei: „Das reicht für Rot-Grün. Und das ist gut für NRW.”

Einzig die Linkspartei war in ihrer Trauer ganz nah bei der Gefühlslage der CDU. „Viele Wähler haben uns im direkten Gespräch gesagt, dass sie keine schwarz-gelbe Regierung wollen und deswegen lieber Rot-Grün wählen”, bedauert Marika Jungblut, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken.
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