Kinofreisteller

Zu wenige Plätze für Flüchtlingskinder: Zusätzliche Förderklassen?

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
11787137.jpg
Während es an den Grundschulen (hier die Hermannschule in Stolberg) laut Verwaltung genügend Plätze für Flüchtlingskinder gibt, reicht das Angebot im weiterführenden Bereich nicht aus. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Die Situation bleibt sehr angespannt. Während sich die Erstaufnahmeeinrichtungen der Städteregion zunehmend leeren und Schuldezernent Gregor Jansen gestern bestätigt hat, dass die Turnhallen der Berufskollegs in Stolberg, Eschweiler und Alsdorf nach Ostern geräumt werden sollen, gibt es weiterhin einen akuten Mangel an Schulplätzen für junge Flüchtlinge.

Anders als bei den Unterkünften, wo das Land durch die Schaffung neuer Kapazitäten für Abhilfe gesorgt hat, entspricht das Bildungsangebot nach wie vor nicht der deutlich gestiegenen Nachfrage.

Die Konsequenz wurde im städteregionalen Schulausschuss von Vertretern mehrerer Fraktionen als „dramatisch“ eingestuft. Schließlich warteten, so besagt es die jüngste Statistik des Kommunalen Integrationszentrums, im Januar rund 100 zugewanderte Kinder und Jugendliche in der Städteregion und weitere 136 in der Stadt Aachen auf die Zuweisung an eine weiterführende Schule.

„Das ist ein unhaltbarer Zustand“, kritisierte die Ausschussvorsitzende Elisabeth Paul (Grüne) und stellte fest: „Es ist verheerend, wenn junge Menschen zu uns kommen und dann über Monate nichts zu tun haben.“ Und ihre Stellvertreterin Claudia Cormann (CDU) meinte besorgt, „dass wir nicht wissen, was noch auf uns zukommen wird, wenn die Bundesregierung die Schulpflicht in Deutschland auf das Alter von 25 Jahren anhebt“.

Dass so viele Plätze für junge Flüchtlinge an den Schulen in der Städteregion fehlen, hat nach Aussage von Markus Terodde zwei Hauptgründe: Die Kommunalen Integrationszentren arbeiten am äußersten Limit und sind überlastet. Das führt dazu, dass bis zu zwei Monate vergehen, ehe eine Erstberatung stattfinden kann. Die anschließende Vermittlung an eine Schule dauert oftmals noch einmal solange. Außerdem verweist der Bildungsdezernent darauf, dass es zu wenige Internationale Förderklassen für Flüchtlinge gibt.

Anders als im Grundschulbereich, wo Flüchtlinge in Regelklassen aufgenommen und im Bedarfsfall mit Intensivsprachkursen unterstützt werden, führt der Weg an den weiterführenden Schulen zunächst in spezielle Förderklassen. Davon gibt es städteregionsweit zwar mittlerweile 63, aber immer noch nicht genug, wie die Zahl der unbeschulten Flüchtlinge zeigt.

Da ändert es vorerst auch nichts, dass die vom Land versprochene Unterstützung mittlerweile greift und das Kommunale Integrationsamt der Städteregion nach Aussage seines Leiters Timur Bozkir die Bearbeitungszeit dank anderthalb zusätzlicher Stellen zunehmend reduzieren kann. „Das Gebot der Stunde ist, weitere Flüchtlingsklassen zu schaffen“, betont Elisabeth Paul. Denn nur wenn es freie Plätze gebe, könnten Flüchtlingskinder auch an Schulen vermittelt werden.

Alleine an einigen wenigen Gymnasien – in Eschweiler, Herzogenrath und Monschau – gibt es einen geringen Spielraum von gut 15 Plätzen. „Doch eine Aufnahme dort macht nur Sinn, wenn der Schüler eine grundsätzliche Gymnasialeignung hat“, schränkt Markus Terodde ein. Für ihn steht deshalb fest: „Es besteht der dringende Bedarf, neue Schulplätze einzurichten. Und das ist Aufgabe der Schulträger.“ Die Botschaft richtet sich in erster Linie an die (Ober-) Bürgermeister der städteregionalen Kommunen. Sie werden am 7. März zu ihrer nächsten Konferenz zusammenkommen. Das Thema Schulplätze für Flüchtlinge wird dann weit oben auf der Prioritätenliste stehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.