Städteregion - Zeit nach der Braunkohle: Masterplan für Drehkreuz schon im Jahr 2017

Zeit nach der Braunkohle: Masterplan für Drehkreuz schon im Jahr 2017

Von: Patrick Nowicki
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Das Kraftwerk Weisweiler mit der RWE-Ausbildungsstätte (vorne): Hier sollen schon vor dem Ende des Tagebaus Inden im Jahr 2030 Flächen für Gewerbe- und Industriefirmen geschaffen werden. Foto: Patrick Nowicki

Städteregion. Im Jahr 2030 wird voraussichtlich die letzte Tonne Braunkohle aus dem Tagebau Inden geschaufelt, dann werden die Kessel im Kraftwerk Eschweiler-Weisweiler endgültig herunterfahren. Was passiert danach? Und vor allem: Wie ersetzt man die über 1000 Industriearbeitsplätze, die dann wegfallen?

Konkrete Antworten auf diese Fragen konnten die Zuschauer bei der Podiumsdiskussion der Kreis-CDU in Eschweiler-Neulohn noch nicht erhalten, aber zumindest erfuhren sie, in welche Richtung die Gedankenspiele gehen: Man setzt auf ein Industriedrehkreuz Weisweiler-Stolberg-Inden.

Die Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) wird noch in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, deren Ergebnisse Städteregionsrat Helmut Etschenberg in 2017 erwartet: „Ziel ist es, bis Ende kommenden Jahres einen Masterplan vorzustellen.“ Dann wird sich zeigen, ob der regionale Konsens mit der Städteregion und dem Kreis Düren hält, was er verspricht.

Die Stadt Stolberg hofft auf einen Euregio-Railport am dortigen Hauptbahnhof, den der Stolberger Bürgermeister Tim Grüttemeier vehement fordert. „Schon jetzt werden dort 1,5 Millionen Tonnen Güter im Jahr umgeladen“, berichtet er. In Eschweiler sieht man diese Forderung eher mit gemischten Gefühlen, weil man stärkeren Güterverkehr in der Innenstadt befürchtet.

Ob sich in der Nachfolge der Braunkohleverstromung tatsächlich ein Logistikkreuz entwickelt, wo die Verkehre der Nordseehäfen von der Schiene auf die Straße gebracht werden, hängt entscheidend von der Infrastruktur ab. Das von vielen geforderte dritte Gleis auf der Bahnstrecke Aachen-Köln ist zwar nicht im Bundeswegeplan verankert, jedoch berichtet der IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting, dass man einen Maßnahmenkatalog erarbeitet habe, um den Bahnverkehr zu verbessern. Dieser sei in Berlin positiv aufgenommen worden und könnte noch in den Bundeswegeplan gelangen.

Sollte Stolberg den Zuschlag für den Railport erhalten, könnte plötzlich eine Straße wieder zum Diskussionspunkt werden, die sonst kaum eine Chance auf Umsetzung hätte: der dritte Abschnitt der Landesstraße 238 zwischen Stolberg und Eschweiler. Dass diese Trasse gebaut werden soll, darüber herrscht für die betroffenen Kommunen und die Städteregion Einigkeit.

Allerdings genießt sie keine Priorität im Land. „Dies kann sich jedoch mit dem Railport ändern, weil die Straße als Zubringer von Gütern zur Autobahn eine größere Bedeutung bekommt“, sagt der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Wirtz. Die Vertreter der Bürgerinitiative, die seit Jahren für die Straße kämpft, nahmen diese Worte bei der Podiumsdiskussion sehr aufmerksam zur Kenntnis.

Der Tenor der Veranstaltung war: Es sollen „werthaltige Arbeitsplätze“ entstehen, die nicht nur höhere Bildungsabschlüsse erfordern. Dies bedeutet übrigens nicht, dass Weisweiler kein Kraftwerksstandort bleibt, wie Michael Eyll-Vetter, Leiter der Sparte Tagebauentwicklung bei RWE, bestätigt. Entlang der Autobahn 4 verlaufen Gastrassen, demzufolge ist ein Gaskraftwerk an der Stelle denkbar.

In Zukunftsängste wollte niemand an dem Abend ausbrechen, vielmehr beschwor man die „Chancen für die Region“. Dass diese nicht unbegründet sind, unterstreicht der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hendrik Wüst. Der am Mittwoch verabschiedete Landesentwicklungsplan schränkt die neue Ausweisung von Industrieflächen im Land deutlich ein.

In Weisweiler besteht dieses Problem nur eingeschränkt, denn viele Flächen dort werden jetzt schon industriell genutzt. Neben Logistik sollen sich auch andere Betriebe ansiedeln. Für innovative Neugründungen will man die Nähe zur RWTH Aachen und zum Forschungszentrum Jülich nutzen.

Bisher bestehen natürlich nur Absichtserklärungen. Allerdings macht Eyll-Vetter deutlich, dass man schon jetzt dabei sei, Gewerbeflächen am Kraftwerk zu entwickeln. „Wir sind daran interessiert, Wertschöpfung am Standort zu halten“, sagt er im Namen von RWE. Wenn der Entwurf des Masterplans auf dem Tisch liegt, will man frühzeitig die Menschen in der Region informieren.

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