„Zeelink“-Pipeline-Bau: Notfalls will die Stadt klagen

Von: Oliver Schmetz
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Streit um die Trassenführung: Falls die Pipeline durchs Naturschutzgebiet Indetal geführt wird (lila), will die Stadt klagen. Man bevorzugt die Alternativroute entlang der A 44 (rot und grün). Derweil werben Dezernent Werner Wingenfeld (kleines Bild, v.l.) sowie für den Bürgerinitiative Marianne Krott, Paul Goebbels und Wolfgang Müller für eine große Diskussionsveranstaltung am Freitag in Brand. Foto: Roeger, OGE
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Streit um die Trassenführung: Falls die Pipeline durchs Naturschutzgebiet Indetal geführt wird (lila), will die Stadt klagen. Man bevorzugt die Alternativroute entlang der A 44 (rot und grün). Derweil werben Dezernent Werner Wingenfeld (kleines Bild, v.l.) sowie für den Bürgerinitiative Marianne Krott, Paul Goebbels und Wolfgang Müller für eine große Diskussionsveranstaltung am Freitag in Brand. Foto: Roeger, OGE

Aachen. Auf die Kölner Bezirksregierung ist man in der Aachener Stadtverwaltung zurzeit ganz offensichtlich nicht sonderlich gut zu sprechen – zumindest dann nicht, wenn es um den geplanten Bau der Erdgasleitung „Zeelink“ im Aachener Süden geht.

Denn nach wie vor herrscht großes Kopfschütteln darüber, dass die Genehmigungsbehörde im sogenannten Raumordnungsverfahren einer Trassenführung südlich um Brand herum den Vorzug gegeben hat – mitten durch das wertvolle Naturschutzgebiet Indetal.

Die von der Stadt vorgeschlagene Alternativtrasse entlang der Autobahn A 44 wurde hingegen wegen mehrerer möglicher Engpässe als technisch zu aufwendig – und damit wohl zu teuer – abgelehnt. Die Eingriffe in die Natur – neben dem Indetal wäre auch das hochwertige Schutzgebiet Brander Wald betroffen – könne man dagegen im weiteren Planverfahren „minimieren“, so die Bezirksregierung Anfang März in ihrer Beurteilung.

„Unverantwortlich“

Bei der Stadt war man darüber seinerzeit sehr erstaunt – und ist es immer noch: „Mich wundert eine solch starke Gewichtung des Aspekts der Wirtschaftlichkeit“, sagt Planungsdezernent Werner Wingenfeld, zumal man in Aachen aus Köln sonst anderes gewohnt sei. „Bei städtischen Planungen stoßen wir immer wieder auf starken Widerstand, wenn Schutzgüter tangiert werden.“

Nun hingegen werde dem Essener Konzern Open Grid Europe (OGE) grundsätzlich grünes Licht für den Pipeline-Bau im Indetal erteilt. „Man kann die Frage stellen, ob die Abwägung der Bezirksregierung korrekt war“, attestiert der Dezernent der Behörde eine „unverantwortliche Haltung, die über berechtigte Interessen der Stadt hinwegsieht und suggeriert, dass man durch hochwertige Schutzgebiete gehen kann“.

Dabei spiele die Stadt keineswegs die Rolle eines Totalverweigerers. „Wir sind uns bewusst, dass wir an einer Schlüsselstelle im europäischen Ferngasnetz liegen“, sagt Wingenfeld, aber es gebe eine Alternativroute, die „ernsthaft geprüft“ werden müsse. Sollte OGE tatsächlich mit der Trasse durchs Indetal ins Planfeststellungsverfahren gehen, werde die Stadt klagen, kündigt der Dezernent an. „Dann bin ich mal gespannt, wie das vor Gericht ausgeht.“

So weit ist es aber noch nicht. Zuletzt hatte OGE angekündigt, die Trasse entlang der Autobahn gründlich prüfen zu wollen. Und wenn sie technisch machbar sei, werde man diesen Weg nehmen, hatte OGE-Sprecher Helmut Roloff gegenüber unserer Zeitung erklärt und gesagt: „Das Finanzielle ist dann nicht entscheidend.“

Ein Ergebnis dieser Prüfung ist noch nicht bekannt. Aber selbst wenn OGE letztendlich entlang der Autobahn bauen sollte, hat die Entscheidung der Bezirksregierung im Raumordnungsverfahren nach Wingenfelds Dafürhalten bereits eine „ziemlich unangenehme Wirkung“ für die Stadt. Denn sie gilt weiter fort. Soll heißen: Falls in ein paar Jahren der nächste Pipelinebauer kommt, kann er sich darauf berufen. Und dann müsste die Stadt notfalls wieder klagen. „Damit ist schon Flurschaden angerichtet worden“, sagt Wingenfeld.

Um einen noch größeren Flurschaden aktuell im Indetal zu verhindern, hat sich in Brand breiter Widerstand formiert. Die Initiative „Keine Pipeline im Brander Indetal“ des Brander Bürgervereins sammelt Unterschriften und mobilisiert die Bürger.

Mit Erfolg: Rund 600 Menschen kamen zum sogenannten „Dialogmarkt“ von OGE, noch mehr dürften es am kommenden Freitag, 12. Mai, werden, wenn die Initiative zu einer großen Informations- und Diskussionsveranstaltung in die Aula der Brander Gesamtschule einlädt (siehe Infobox). „Das Indetal ist für die Brander der Garten Eden“, unterstreicht die Sprecherin der Initiative, Marianne Krott, die Bedeutung des Naturschutzgebiets.

Jahrelang habe man dafür gekämpft, ehe es 2002 endlich eingerichtet worden sei, ergänzt Paul Goebbels, der Leiter der Initiative. Und seitdem kümmere sich der Bürgerverein auf vielfältige Weise um das Gebiet – und das aus einem ganz einfachen Grund, wie Goebbels sagt: „Weil wir hier kein anderes haben.“ All das – alte Obstbaumbestände, schützenswerte Hänge und Wiesen, die Bachauen – sei durch die Pipeline gefährdet. „Man wird die Trasse ja ewig und drei Tage sehen können.“

Aus Köln kommt keiner

Über all das soll am kommenden Freitag in Brand diskutiert werden. Die Initiative hat Vertreter der Stadtverwaltung, der Politik und von OGE ebenso eingeladen wie einen Vertreter der Kölner Bezirksregierung. „Es wäre schön, wenn die Behörde den Brandern einmal darstellt, aus welchen Gründen sie den Korridor durchs Indetal vorschlägt“, sagt Krott. Und Wolfgang Müller, der Vorsitzende des Bürgervereins, fände es ohnehin ganz sinnvoll, „wenn die Herren aus Köln mal einen Fuß ins Indetal setzen würden“.

Doch dazu wird es an diesem Tag nicht kommen. Nachdem die Regierungspräsidentin Gisela Walsken laut Krott bereits wegen Terminüberschneidungen abgesagt hatte, sei zunächst noch von einer Vertretung die Rede gewesen. Doch dann erhielt Krott die komplette Absage: Keiner kommt aus der Kölner Behörde nach Brand. Womit man wohl nicht nur in der Aachener Stadtverwaltung derzeit nicht sonderlich gut auf die Bezirksregierung zu sprechen ist.

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