Würselener Gymnasiastinnen wollen Menschen bewegen zu helfen

Von: Jutta Geese
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plakat

Städteregion. Amela Islamovic und Albijana Shala sind in Deutschland geboren. Doch ihre Eltern kamen einst als Flüchtlinge aus Serbien und dem Kosovo hierher. Die beiden Schülerinnen des Würselener Gymnasiums wissen aus ihrer Familiengeschichte heraus nur zu gut, was es heißt, sich in einem fremden Land, in einer fremden Kultur zurechtfinden zu müssen.

Deshalb ist es für sie selbstverständlich, sich für die Integration von Flüchtlingen einzusetzen. In ihrem privaten Umfeld und in der Schule begleiten sie beispielsweise junge Flüchtlinge und helfen ihnen bei alltäglichen Dingen wie einkaufen oder einen Busfahrplan lesen – oder dabei, Deutsch zu lernen. Und sie wollen, dass möglichst viele Menschen in der Städteregion hinschauen, sich sozial engagieren und helfen.

Bestärkt wurden sie in diesem Wunsch bei einem Unterrichtsprojekt, in dem sie sich mit den 17 globalen Zielen der Vereinten Nationen, den „Global Goals“ beschäftigten. Mit und mit reifte die Idee, eine Plakataktion zu starten, mit der sie auf die Situation geflüchteter Menschen aufmerksam machen. Mit Plakaten, die Fluchtsituationen zeigen und auf denen zu lesen ist: „Wer hat das Recht, über das Leben anderer zu urteilen?“

In den nächsten Wochen wollen Amela Islamovic, Albijana Shala und Karsten Kuyffen, der ebenfalls zum Projektteam gehört, 100 Plakate in Schulen, Geschäften, Behörden und sonstigen Einrichtungen gut sichtbar platzieren. Die ersten beiden hängen seit Mittwoch im Haus der Städteregion, Dezernent Markus Terodde hat sie zusammen mit den beiden Schülerinnen angebracht. Dass sie damit nicht unbedingt überall offene Türen einrennen, schreckt sie nicht.

„Ich akzeptiere, wenn jemand sagt, er will bei der Aktion nicht mitmachen. Aber ich werde hartnäckig dafür werben, es doch zu tun“, sagt Amela Islamovic. Darin seien sie geübt, schließlich besuchen sie eine Schule, die den Titel „Schule mit Courage und ohne Rassismus“ trägt. Und sie selbst müssen sich auch hin und wieder noch Vorurteilen wegen ihrer Herkunft erwehren. „Wir haben ja auch Migrationshintergrund“, sagen sie, „und wissen deshalb, wie wichtig Integration ist“.

Wenn ihre Eltern nicht in die hiesige Gesellschaft integriert worden wären, stünden sie und ihre Geschwister nicht da, wo sie heute sind, ist Albijana Shala überzeugt: „Meine Geschwister haben alle eine Ausbildung, ich gehe sogar aufs Gymnasium und mache Abitur. Das alles hätte ohne Integration nicht funktioniert. Ich bin ziemlich stolz auf meine Eltern, dass sie das geschafft haben.“ Klar, dass ihre Eltern und auch die von Amela Islamovic hinter der Aktion stehen, die die beiden Gymnasiastinnen gestartet haben.

Mit der Aachener Bürgerstiftung holten sich die jungen Leute einen Kooperationspartner mit ins Boot. Deren Logo sowie ein QR-Code, der sofort auf die Website der Stiftungsaktion „Offenes Aachen“ führt, prangt ebenfalls auf dem Plakat. „Jugendliche haben ja meist ein Smartphone dabei, und über den Code können sie gleich aktiv werden und etwas tun“, erklärt Amela Islamovic. Denn viele Jugendliche oder auch Erwachsene würden sicher gerne etwas für die Integration von Flüchtlingen tun, wüssten aber nicht so recht, wie und wo.

„Ohne die Hilfe der Stiftung hätten wir das Ganze nicht auf die Reihe gekriegt“, sagen die beiden Würselenerinnen freimütig. Und bekommen postwendend von Norbert Greuel ein Kompliment: „Das wichtigste Mittel in der Demokratie ist der Dialog. Und den setzt ihr mit der Aktion in Gang. Das ist ein ganz wichtiger Effekt.“ Finanzielle Hilfe kam von der „Jugendbank“. Denn große Plakate drucken zu lassen, kostet Geld.

Für Projekte wie dieses gibt die Jugendbank gerne einen Zuschuss, betont Klaus Spille vom Verein „Partner für Bildung“, der auf mehr solcher Projekte hofft.

Bis zu 400 Euro Förderung pro Projekt möglich

Junge Leute zwischen 13 und 25 Jahren, die in der Städteregion ein politisches, soziales oder kulturelles Projekt starten wollen, können eine finanzielle Förderung von bis zu 400 Euro von der Jugendbank erhalten. Eine Jury, der auch Jugendliche angehören, bewertet den Antrag und entscheidet dann, ob und in welcher Höhe das Projekt gefördert wird.

Das Geld darf nicht als Spende an Dritte weitergeben werden, sondern ausschließlich für die Umsetzung des Projektes. Die Verwendung muss nachgewiesen werden. Und es werden keine Aktionen gefördert, die auch ohne Jugendbank umgesetzt würden, beispielsweise Klassenfahrten oder laufende Vereinsarbeit.

Die Jugendbank ist ein Kooperationsprojekt der Städteregion und des Vereins Partner für Bildung (www.partnerfuerbildung.de). Die Geschäftsführung liegt bei der Koordinationsstelle Jugendpartizipation im Bildungsbüro der Städteregion.

Wer Fragen zur Antragsstellung hat oder nicht sicher ist, ob seine Projektidee förderfähig ist, kann sich melden unter Telefon 0241/5198-4325. Alle Informationen zum Projektantrag gibt es unter www.dasgeht.de/jugendbank.

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