Wie groß sind die Städte im Jahr 2030?

Von: Daniel Gerhards
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Nachwcush fehlt in vielen Städten und Gemeinden. Foto: dpa

Städteregion Aachen. Die jüngste Modellrechnung von IT.NRW zeigt: Das Land wird 3,7 Prozent seiner Bevölkerung bis 2030 verlieren. Doch der demografische Wandel ist in den einzelnen Kommunen unterschiedlich stark zu spüren. So soll etwa die Stadt Aachen leicht an Bevölkerung gewinnen, Monschau hingegen 12,9 Prozent verlieren. Auf den ersten Blick ist die Berechnung nicht immer nachvollziehbar. Kommunen, die unmittelbar nebeneinander liegen, haben teils völlig unterschiedliche Werte.

Bei der Modellrechnung von IT.NRW handelt es sich um eine rein statistische Auswertung von Daten. Dabei schauen sich die Statistiker Geburts- und Sterberaten sowie Zu- und Wegzüge der vergangenen Jahre an. Die Entwicklungen schreiben sie in Zukunft fort.

Für die Stadt Aachen erwartet IT.NRW einen Bevölkerungszuwachs von 0,7 Prozent. Dieter Begaß, bei der Stadt zuständig für Statistik, sagt, dass man sich nicht zu sehr an dem prognostizierten Wert festhalten solle. Allerdings erwartet man in Aachen tatsächlich einen Bevölkerungszuwachs. Steigende Studentenzahlen und die Entwicklung des Campus-Projekts sorgen für Zuzug. Zudem kommen viele Menschen, die als junge Familien in die umliegenden Städte zogen, zurück. „Deren Kinder sind erwachsen, dadurch werden die Häuser zu groß. Diese Leute wollen die Infrastruktur und die kurzen Wege in der Stadt nutzen“, sagt Begaß.

Auch in der Nordeifel liegen die Städte in der Vorausschau weit auseinander: Simmerath soll 7,1 Prozent seiner Einwohner verlieren, Monschau sogar 12,9 Prozent. Dagegen wird in Roetgen ein Bevölkerungszuwachs von 5,2 Prozent erwartet. Roetgens Kämmerer Heinz Mertens führt dies auf den weiteren Zuzug von Menschen zurück, die in Aachen arbeiten. „Wer in Aachen arbeitet und nicht unbedingt dort wohnen will, zieht eher nach Roetgen oder Rott als nach Kalterherberg“, sagt Mertens. Dass Roetgen eine der Gemeinden ist, für die ein Bevölkerungszuwachs prognostiziert wird, ist seit einigen Jahren bekannt. Trotz des erwarteten Zuwachses hat die Grundschule in Roetgen derzeit aber nur drei Züge (es waren mal fünf). „Wir müssen abwarten, ob der Zuzug auch eine positive Schülerentwicklung bringt. Das kann man an den nackten Zahlen nicht ablesen“, sagt Mertens.

Monschau wird, geht man nach der Rechnung von IT.NRW, den demografischen Wandel in der Region am stärksten zu spüren bekommen. Die Zahlen müsse man „ernst nehmen“, sagt Bürgermeisterin Margareta Ritter. Es gehe darum, auch die Dörfer lebenswert zu halten. Dies könne über Vereine, bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement geschehen. Ritter hofft darauf, dass die heute 15- bis 25-Jährigen in Monschau bleiben. Dadurch könne sich die Entwicklung in den kommenden Jahren stabilisieren. Man versuche, weitere Arbeitsplätze zu schaffen und die Schullandschaft an die neuen Verhältnisse anzupassen, sagt Ritter.

Zahlen „nicht zu vertreten“

Für den Nordern der Städteregion prognostiziert IT.NRW nur für Würselen einen Zuwachs (5,1 Prozent). Dort kann man davon ausgehen, dass – ähnlich wie in Roetgen – viele Menschen, die in Aachen arbeiten, in Würselen wohnen. Allerdings betont Bernd Schaffrath, Sprecher der Verwaltung, dass es in Würselen mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gibt als Menschen, die in solchen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind. Somit bietet die Stadt ein attraktives Angebot in Sachen Arbeitsplätze, was Menschen nach Würselen zieht. Deshalb weist die Stadt weitere Baugebiete aus, etwa am Mauerfeldchen in unmittelbarer Nähe zum Medizinischen Zentrum. Schaffrath führt die positive Entwicklung auch darauf zurück, dass man sich mit einem kommunalen Zukunftsprogramm schon im Jahr 2005 mit der erwarteten Entwicklung und den Herausforderungen der kommenden 20 Jahre beschäftigt hat.

Alle anderen Städte im Norden der Städteregion werden, folgt man der Modellrechnung, im Jahr 2030 weniger Einwohner haben. Herzogenrath soll 1,7 Prozent verlieren, Alsdorf 5,4 Prozent. Am härtesten soll es Baesweiler mit einem Minus von 5,4 Prozent treffen. Diese Zahlen kann Bürgermeister Dr. Willi Linkens nicht nachvollziehen: „Die Zahlen sind so nicht vertretbar.“ Er kritisiert, dass lediglich die Zahlen der vergangenen Jahre fortgeschrieben werden. „Völlig unberücksichtigt bleibt, was wir geleistet haben“, sagt Linkens mit Blick auf neue Baugebiete, die Baesweiler in den Stadtteilen Oidtweiler, Setterich und Loverich ausweist. Ebenso betont Linkens, dass es im Gewerbegebiet mittlerweile annähernd 4000 Arbeitsplätze gibt. „Wenn die Leute, die dort arbeiten, die Möglichkeit bekommen, hier zu wohnen, dann werden die das auch tun“, sagt Linkens. Die Städteregion pronostizierte in ihrem Kompendium zum demografischen Wandel noch vor zwei Jahren, dass Baesweiler bis 2030 einen Bevölkerungszuwachs von 2,5 Prozent verzeichnen wird (Grundlage waren Zahlen von IT.NRW aus 2008).

Diese hat die Städteregion damals analysiert und weitere Daten hinzugenommen. Insgesamt müsse man beachten, dass es sich bei den Prognosen nur um Tendenzen handelt, sagt Jessica Lerche, Autorin des Kompendiums: „20 Jahre sind ein sehr langer Zeitraum, in dem wahnsinnig viel passieren kann.“ Schließlich beeinflussten ständig aktuelle Entwicklungen und Bemühungen – etwa um Familienfreundlichkeit – die Bevölkerungsentwicklung.

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