Werbung verführt zu unüberlegten Käufen

Von: Jutta Geese
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Längst nicht immer hält die Werbung, was sie verspricht. Die Verbraucherzentrale der Städteregion rät zur Vorsicht bei vermeintlichen Null-Prozent-Finanzierungen und Ratenzahlungen. Foto: Stock/Ralph Peters
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Ulrike Ermert (links) und Claudia Schmitz gehören zu den Experten, die unseren Lesern am kommenden Dienstag Rede und Antwort stehen werden. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Familientage in glitzernden Konsum-Tempeln, Late-Night-Shopping, verkaufsoffene Sonntage: Einkaufen wird immer mehr zum Event. Konsumwünsche werden geweckt mit Slogans wie „Wer will, der kriegt“ oder „Nur heute: Mehrwertsteuer geschenkt“.

Und mit Angeboten wie „Heute kaufen, in drei Monaten bezahlen“, Null-Prozent-Finanzierungen oder Sofortkrediten verführt die Werbung viele Menschen zu unüberlegten Käufen, gerade jetzt in den Wochen vor Weihnachten. Doch die Verbraucherzentrale warnt: Nicht jede Null-Prozent-Finanzierung ist wirklich kostenlos. Im Gegenteil: Vermeintlich günstige Finanzierungsangebote bei Händlern können ganz schön teuer werden. Bei einer Telefonaktion mit unserer Zeitung am kommenden Dienstag geben vier Fachleute unseren Leserinnen und Lesern Tipps.

„Angebote zur Null-Prozent-Finanzierung sind nicht per se schlecht“, sagt Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle in Alsdorf. „Das kann eine günstige Finanzierungsmöglichkeit sein. Aber Vorsicht: Es gibt viele Haken und Ösen.“ Wer etwa ein Sofa kauft und Ratenzahlung vereinbart, schließt zwei Verträge ab – einen Kaufvertrag und einen Kreditvertrag. Hat das Sofa dann Mängel, kann man nicht einfach die Ratenzahlung einstellen. „Man muss ganz andere Wege bei der Gewährleistung gehen“, sagt Schmitz. Auch der Rücktritt von einem voreilig abgeschlossenen Kaufvertrag ist nicht immer möglich.

Das Hauptproblem aber ist laut Ulrike Ermert, Schuldner- und Insolvenzberaterin in Alsdorf, dass die Null-Prozent-Finanzierungen tatsächlich keine sind – was sich den Verbrauchern aber nicht auf den ersten Blick erschließe. „Da werden neben dem eigentlichen Kredit teure Restschuldversicherungen abgeschlossen. Oder es fällt nur ein Teilbetrag der benötigten Kreditsumme unter die Null-Prozent-Regelung und ein Teil wird verzinst – und das mit bis zu 15,9 Prozent.“

Immer häufiger wird Verbrauchern nach Beobachtungen von Ermert und Schmitz auch eine Kreditkarte als vermeintlicher „Bonus“ obendrauf gegeben, damit man sich problemlos „Zusatzwünsche“ erfüllen kann, wie es dann heißt. „Doch diese Karten funktionieren nicht wie die klassische Kreditkarte, sondern ähnlich wie ein ständig überzogener Dispokredit – man zahlt hohe Zinsen und hat kaum eine Chance, den Kredit zu tilgen.“ Bei teuren Konsumgütern darf man sich, so Schmitz und Ermert, auch nicht von den angepriesenen kleinen Raten blenden lassen.

„Bei kleinen Summen bleibt am Ende oft eine hohe Restsumme übrig. Da muss man genau überlegen, ob man die dann wirklich stemmen kann.“ Und oft sei der Zeitwert des gekauften Gutes dann schon geringer als die Restschuld. Überhaupt gelte: Nicht den Überblick verlieren! „Die kleinen Raten verführen dazu, mehrere Dinge gleichzeitig zu kaufen. Wenn dann etwas Unerwartetes eintritt, Arbeitslosigkeit oder auch nur eine teure Reparatur am Auto, gerät man schnell in die Schuldenfalle“, sagt Schmitz.

Die Verbraucherschützer wollen den Blick für die Fallstricke in Finanzierungsangeboten schärfen und dafür, dass auch das Abzahlen von Kleinkrediten ins Haushaltsbudget passen muss. „Gegebenenfalls sollten Sie vor Vertragsunterzeichnung zu uns in die Beratung kommen“, rät Schmitz. Die Beratungsstelle, Luisenstraße 35 in Alsdorf, ist montags und freitags von 9 bis 14.30 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Dort gibt es auch kostenlose Broschüren mit Tipps zum Thema Kredite.

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