Wenn Papa dement wird: Mit Projekt „Frühlink“ die Selbsthilfe stärken

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Schlüsselbund im Eierfach: An Demenz erkrankte Menschen bringen Dinge durcheinander. Die Krankheit betrifft auch jüngere Menschen. Zu diesem Thema findet in Simmerath nun ein Workshop statt. Symbolfoto: dpa

Städteregioin. Gemeinhin verbindet man mit Demenzen Krankheiten des höheren Lebensalters, und in der Tat nimmt die Zahl der an einer Demenz erkrankten Menschen mit dem Alter stetig zu. So leiden in Deutschland etwa 10 Prozent aller Menschen über 65 Jahren an einer Demenz, 1,4 Millionen sind es zur Zeit, Tendenz steigend.

Pro Jahr erkranken etwa 300.000 Menschen neu an einer Demenz. Wenn aber ein jüngerer Mensch sich plötzlich im Alltagsleben nicht mehr zurecht findet, vergesslich wird, verwirrt ist, Wesensveränderungen aufweist, die sich etwa in aggressivem Verhalten äußern, Orientierungsstörungen zeigt, wenn seine Alltagskompetenz nachlässt, dann muss man trotz des Alters an eine Demenz denken.

Liegt das Erkrankungsalter unter 65 Jahren, spricht man von einer präsenilen Demenz. Die Zahl der in diesem Altersbereich erkrankten ist natürlich deutlich geringer als in den höheren Altersstufen, dennoch liegt sie in der Altersgruppe der 45 bis 69-Jährigen bei etwa 83.000. Insgesamt leiden an einer präsenilen Demenz 1,3 Prozent aller an Demenz erkrankten Menschen. Erkrankt ein Mensch in diesem Alter, hat das oft gravierende Konsequenzen für die individuelle Lebensgestaltung wie auch für seine Angehörigen. Meist sind die Erkrankten noch berufstätig, haben Kinder oder andere familiäre Verpflichtungen, die individuelle Erkrankung wird zu einer „Familienkrankheit“ mit allen daraus resultierenden Folgen.

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Häufig gehen Menschen mit einer früh einsetzenden Demenz einen langen Weg bis zur Stellung der Diagnose, da in diesem Alter nicht gleich an eine Demenzerkrankung gedacht wird. Oft versuchen die Betroffenen auch, die Symptome zunächst zu überspielen, die sie nicht einordnen können. Diese Patienten fühlen sich oft alleine gelassen, da sich die meisten Hilfsangebote an ältere an Demenz erkrankte Menschen richtet. Die Familien fühlen sich restlos überfordert, wissen nicht mit den Problemen umzugehen, die diese neue Situation schafft. Hier setzt das Projekt „Frühlink“ des Landesverbandes der Alzheimer-Gesellschaften NRW an.

Gefördert wird es von der Techniker-Kasse NRW. Erarbeitet wurde es von einem multidisziplinären Team der Uni Münster, bestehend aus Experten der Bereiche Gerontologie, Sozialpädagogik, Medizin, Erziehungswissenschaften, soziale Arbeit und Pflege, Psychologie, Heilpädagogik und Betriebswissenschaften. Ziel des Projektes ist es, die Selbsthilfe zu fördern, die Versorgungssituation der Betroffenen wie auch der Angehörigen zu stärken, die Integration in unsere Gesellschaft zu verbessern.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde unter anderem der Workshop „Hilfen zur Selbsthilfe – Empowerment bei früher Demenz“ unter Leitung von Dr. H. Elisabeth Philipp-Metzen, Diplom-Gerontologin und Dipl.-Sozialpädagogin, konzipiert, der nun von der Alzheimer Gesellschaft der Städteregion Aachen auch in Simmerath angeboten wird. Fachleute und ehrenamtliche Dozenten referieren zu verschiedenen Themen – Medizinische Basiskenntnisse, Rechtliche Aspekte, Finden und Gründen des passenden Angebotes, hilfreiche Kommunikation, Alltagspraktische Hinweise, Tipps für Paare und Krisenbewältigung – und stellen sich den Fragen der Zuhörer. Angesprochen und eingeladen sind alle Betroffenen und ihre Angehörigen sowie ehrenamtliche und beruflich auf diesem Gebiet tätige Menschen.

Der Workshop vermittelt praxisnah, was Menschen mit Demenz in der frühen Lebensphase benötigen und wie ihnen Hilfe zu teil werden kann. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Workshop findet statt am Mittwoch, 21. Juni, von 14 bis 18 Uhr, in der Cafeteria der Eifelklinik St. Brigida. Anmeldungen sind bis Freitag, 16. Juni, unter Telefon 0241/ 51985428 oder bei Thomas Pulvey, Seniorenstift „Seliger Gerhard“, Telefon 02473/ 92919600 möglich.

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