Weiter Stillstand beim Altenpflegeseminar

Von: Michael Grobusch
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Seit 2011 wird ein Teil des Unterrichtes des Fachseminars für Altenpflege in diesen beiden Containerklassen abgehalten, die allerdings alt und zu klein sind. Schon damals war der Umzug in ein modernes Gebäude in Aussicht gestellt worden. Foto: Jutta Geese

Städteregion/Würselen. Viele Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die weitere Modernisierung und Digitalisierung der städteregionalen Berufskollegs investiert, deren Ausstattung schon jetzt laut Aussagen von Fachleuten ziemlich gut ist. Davon können Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte des Fachseminars für Altenpflege in Würselen nur träumen.

Sie lernen und lehren in Räumlichkeiten, die seit Jahren schon nicht mehr den üblichen Standards entsprechen. In den Klassenzimmern gibt es nicht einmal Internetanschluss. Und an den unzulänglichen Rahmenbedingungen wird sich wohl so bald auch nichts ändern: Es herrscht weiterhin Stillstand bei der Suche nach einer Lösung für das Fachseminar, das jährlich rund 260 junge Menschen in zehn Kursen auf den Altenpflegeberuf vorbereitet und einige Dutzend weitere berufsbegleitend fortbildet.

Dafür, dass sich immer noch nichts bewegt, nennt die Verwaltung seit Jahren dieselben zwei Gründe: das immer noch nicht verabschiedete Pflegeberufereformgesetz des Bundes, das eine Zusammenführung von Alten- und Krankenpflegeausbildung vorsieht, und die Weiterentwicklung des Medizinischen Zentrums (MZ, ab Juli: Rhein-Maas-Klinikum). Ersteres sei Voraussetzung dafür, dass Städteregion und MZ ihre beiden Schulen zusammenlegen.

Und letzteres sei wichtig im Hinblick auf einen ins Auge gefassten Neubau des Fachseminars/der Pflegeschule am Krankenhausstandort Würselen-Bardenberg, wo dann auch das städteregionale Amt für Altenarbeit unterkommen soll. Beschlossen worden war der schon im Jahr 2015. Doch wirklich vorangekommen ist weder das eine noch das andere – und so tut sich in Sachen Altenpflegeseminar wieder mal nichts.

Dabei hatte die Sozialausschussvorsitzende Margret Schulz (SPD) im November „eine Lösung unabhängig von dem, was das MZ in Bardenberg vorhat“, gefordert. Schließlich werde schon seit dem Jahr 2010 über das Thema diskutiert. Im Sozialausschuss und im Städteregionsausschuss erneuerten die Sozialdemokraten in dieser Woche ihre Forderungen, mehr Tempo zu machen.

Bis spätestens 30. November soll die Verwaltung der Politik vorstellen, ob und in welcher Form das Fachseminar mit der MZ-Krankenpflegeschule kooperieren kann. Und sie soll die bereits in den Jahren 2013/2014 entwickelte Raumplanung aktualisieren – nicht erst „bei passender Gelegenheit und in Abhängigkeit von der Entwicklung in Bardenberg“, wie es in der Verwaltungsvorlage geheißen hatte.

„Wenn sich früher was bewegt, umso besser“, erklärte Richard Okon (SPD). Fraktionschef Martin Peters betonte, seine Fraktion habe „eine hohe Leidenschaft dafür, dass es endlich Verbesserungen für das Fachseminar gibt“. Alle anderen Fraktionen in den Ausschüssen schlossen sich den Forderungen der SPD an.

Sozialdezernentin Edeltraud Vomberg erklärte, zurzeit laufe alles auf den Standort Bardenberg hinaus, musste aber einräumen: „Spruchreif ist noch nichts.“ Sie hoffe, dass „relativ schnell“ ein Ergebnis mit der Stadt Würselen erzielt werde. „Aber bis es dann wirklich zu einem Umzug kommt, dauert es noch ein paar Tage.“ Will heißen: Es werden noch Monate vergehen, bis das Fachseminar die beengten und veralteten Räume und die – für die Klassenstärken – zu kleinen Container auf Marienhöhe verlassen kann.

Mittel aus Programmen wie „Gute Schule 2020“, von denen die Berufskollegs jetzt profitieren, kann das Fachseminar nicht in Anspruch nehmen, obwohl es mit einem Berufskolleg vergleichbare Arbeit in der dualen Ausbildung leistet. Der Grund: Während die Berufskollegs den Schulgesetzen und damit dem Schulministerium unterliegen, werden Altenpflegeseminare den Vorschriften des Altenpflegegesetzes entsprechend finanziert. Und Krankenpflegeschulen wie die des MZ unterliegen den Mechanismen der Krankenhausfinanzierung.

Unterschiedliche Finanzierungen

Die unterschiedlichen Finanzierungsgrundlagen erschweren die Zusammenlegung der beiden Schulen. Vom Geldsegen des Programms „Gute Schule“ kann keine der beiden Schulen profitieren. So sehr Auszubildende und Lehrkräfte des Altenpflegeseminars den Berufskollegs eine gute Ausstattung gönnen: Der Bericht über die Millionen-Gelder für die Kollegs in unserer Mittwochausgabe hat bei dem ein oder anderen leisen Groll ausgelöst. Andere flüchten sich seit langem in Sarkasmus.

Und alle gemeinsam versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. „Das Seminar hat über die Region hinaus einen guten Ruf, nicht nur in der Ausbildung, sondern auch mit seinen Fortbildungsangeboten“, sagt die stellvertretende Städteregionsrätin Christiane Karl (SPD). Die äußeren Rahmenbedingungen dagegen seien dem schon lange nicht mehr angemessen.

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