Was sind uns die Schwimmbäder wert?

Von: Valerie Barsig
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Ab ins kühle Nass: Ob Freibad oder Hallenbad, für die Städte ist es teuer, ihre Bäder zu halten. Der Zuschussbedarf steigt immer weiter. Schwimmbäder zu schließen kommt für eine Kommune aber kaum in Frage. Fotos: dpa, stock/becker&bredel, Grafik: Hans-Gerd Claßen Foto: stock/becker&bredel

Städteregion. In eine Stadt gehört ein Bad. Weil aber immer weniger Besucher in die Schwimmbäder kommen, steigt ihr Zuschussbedarf an. Das gilt auch für die 18 Bäder der Städteregion. Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Badewesen e.V. kennt das Dilemma.

Das bestätigt auch Christoph Herzog, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Eschweiler und Vorsitzender des Vereins Wasserfreunde „Delphin“. Schwimmen lernen, das sei für Kinder essenziell. „Allerdings kann die Hälfte von ihnen nach der Grundschule nicht richtig schwimmen“, sagt er. Daher hätten gerade Vereine eine wichtige Aufgabe. „Und der Bedarf ist entsprechend. Bei uns stehen Kinder bis zu einem Jahr auf der Warteliste für Nichtschwimmerkurse. Es gibt Vereine im Ruhrgebiet, da müssen sie zwei Jahre warten.“ Vereine übernähmen laut Herzog eine wichtige Rolle im Vergleich zum Schulschwimmen. Dort sei oft nur wenig Zeit, es gebe nicht genug Aufsichtspersonen und die Lerngruppen seien zu groß. Außerdem gebe es in den Gruppen Kinder, die bereits schwimmen könnten, und Nichtschwimmer. „Organisatorisch und logistisch ist das ein Problem. Schulschwimmen allein reicht nicht aus, um richtig schwimmen zu lernen“, sagt Herzog.

Dabei sei Schwimmen eine Daseinsvorsorge, sagt auch Rudi Bertram, Bürgermeister der Stadt Eschweiler. Er sagt, wenn man das Bad einer Kommune schließe, sei das ihr Tod. Bertram selbst traf eine solche Entscheidung in Eschweiler. 2002 schloss er das Bad Weisweiler. Jetzt gibt es in der Stadt nur noch ein Hallenbad – und das Freibad in Dürwiß. Die Entscheidung, erzählt Bertram, sei eine der schwersten in seiner bisherigen Zeit als Bürgermeister gewesen. „Es war die Hölle“, sagt er.

Generell gilt: Die rund 7600 Schwimmbäder in Deutschland können ohne Zuschüsse der Kommunen bis auf wenige Ausnahmen nicht kostendeckend betrieben werden. Auch die Bäder in der Städteregion kosten die Städte je nach Rechenart zwischen drei und rund acht Euro pro Schwimmer.

In Aachen beispielsweise gibt es mit der Elisabeth-Halle, der Ulla-Klinger-Halle, der Halle Aachen-Brand, den Hallenbädern Süd und Ost, den Carolus-Thermen und dem Hangeweiher mit Abstand die meisten Bäder in der Städteregion. Bis auf die Schwimmhalle Ost, die vom Stadtsportbund betrieben wird, sind die Bäder städtisch. 890.034 Schwimm-Besucher zählt Aachen pro Jahr. Darin inbegriffen sind auch Vereine und das Schulschwimmen. 2012 kosteten die Bäder rund 5,8 Millionen Euro. Das sind 6,47 Euro pro Schwimmer. Der Zuschussbedarf durch die Stadt lag bei 4,12 Millionen Euro, das sind rund 4,68 Euro pro Badegast. Seit 2003, als der Zuschussbedarf noch bei 2,94 Euro (970.778 Badegäste pro Jahr) lag, ist der Anteil der Stadt kontinuierlich gestiegen – und die Zahl der Gäste kleiner geworden.

„Das größte Problem ist der Sanierungsrückstand“, erklärt Christian Ochsenbauer. Durch den Sparzwang in den Kommunen würde seltener in Bäder investiert. Je älter ein Schwimmbad sei, desto teurer werde es. Nicht selten sei ein Neubau sinnvoller, als eine Sanierung.

Durch Sanierung viel sparen

So könne man allein die Heizkosten bis zu 50 Prozent reduzieren. Auch am Personal, das bei den Betriebskosten eines Schwimmbades rund die Hälfte der Ausgaben ausmacht, könne eingespart werden, wenn in einem Neubau die Aufteilung der Becken beispielsweise weniger Personal zur Aufsicht erforderten. Laut Rudi Bertram sei das Problem, dass Kommunen kaputt gespart würden. „Die Kommunen müssen viel selbstbewusster beim Land auftreten“, sagt Bertram. Gerade wenn sich eine Kommune im Nothaushalt befände, sei es ihr nicht erlaubt, Geld für eine Badsanierung auszugeben, obwohl das langfristig günstiger sei. „Die Situation ist paradox“, sagt Bertram. Allein der ökologische Aspekt spräche für die Bädersanierung. In Eschweiler würde trotz Haushaltssicherungskonzepts in eine neue Filteranlage für das Hallenbad investiert. Die koste 220.000 Euro, finanziert werde über Kredite. „So wird das Bad viel weniger Energie verbrauchen“, erklärt Bertram.

Experte Ochsenbauer empfiehlt, um Bäder wirklich kostendeckend zu führen, müsse man vor allem Eintrittspreise erhöhen. Das weiß auch Rudi Bertram. Er sagt allerdings, dass das kaum möglich sei. „Wenn man den Eintritt erhöht, kann sich kein Bürger mehr das Schwimmen leisten.“ Es böten sich in Städten mit mehreren Bädern intelligente Nutzungskonzepte an. „Wenn man beispielsweise eine Halle nur für Vereine und Schulen zur Verfügung stellt und die anderen Bäder nur für den Freizeitbetrieb öffnet, vermeidet man Konflikte.“ In einer Stadt, in der es nur ein Hallenbad gibt, ist ein solcher Vorschlag allerdings nicht umsetzbar. Laut Christoph Herzog könnten Vereine zwar mehr Kurse anbieten, dabei sei allerdings die Ganztagsschule ein Problem: „Schwimmkurse an den Nachmittagen anzubieten, das geht nicht mehr.“ Bäder schließen sei auch keine Lösung. „Das ist, als würde man einem Fußballverein sein Feld wegnehmen“, vergleicht er.

Zuschüsse unterschiedlich

In der Städteregion sind die Zuschüsse für die Bäder je nach Ort verschieden. Das Hallenbad Alsdorf ist gemessen am Zuschuss pro Badegast das teuerste. Insgesamt betrug der Zuschussbedarf für Bad und Sauna 2012 noch 550.000 Euro plus 25.000 Euro für das Schulschwimmen. Bei 71.171 Besuchern sind das rund acht Euro pro Schwimmer. Die Stadt hat allerdings saniert und erwartet für 2014 eine Einsparung von 50.000 Euro. Im Bad wurde eine neue Holzhackschnitzelheizung eingebaut, nachdem die alte kaputtging. 2013 wurde das Bad mit Öl beheizt – eine wesentlich teurere Variante.

Auch das Aquana in Würselen muss unterstützt werden. 871.000 Euro Zuschuss waren es 2012. Bei 286.500 Besuchern waren das 3,04 Euro Zuschuss pro Nutzer. Generell müsse man, um die Zahlen zu vergleichen allerdings das Alter der Bäder beachten und auch, ob es sich um Hallen-, Frei- oder Freizeitbad handele, erklärt Christian Ochsenbauer. Mittlere Hallenbäder mit einem 25 Meter Becken mit vier bis sechs Bahnen sowie Baby- und Nichtschwimmerbereich haben durchschnittliche Betriebskosten (ohne Abschreibungen und Zinsen) von etwa 700.000 Euro.

Freizeitbäder am teuersten

Freibäder kosteten demnach etwa 300.000 bis 350.000 Euro. Sie seien günstiger, weil beispielsweise die Beheizung des Beckens günstiger sei, da sie zum Teil durch die Sonne übernommen würde. Freizeitbäder kosteten im Schnitt demnach am meisten: Zweieinhalb bis drei Millionen Euro sind fällig. Sie hätten laut Ochsenbauer aber auch die meisten Einnahmen.

Wie aber können Kommunen an ihren Bädern sparen, ohne sie schließen zu müssen? „Kostendeckung bei Bädern ist eine Vergeblichkeitsfalle“, sagt der Experte. Wer ein Bad langfristig erhalten wolle, brauche laut Ochsenbauer ein gut geführtes Management.

Insgesamt sind Sparen und Bäder erhalten eine Quadratur des Kreises. Und die beginnt jedes Jahr von Neuem. Für Rudi Bertram ist eines allerdings klar: „In eine Stadt wie Eschweiler mit 56.000 Einwohnern gehört ein Bad. Punkt. Ende.“

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