Wanderausstellung „Sucht hat immer eine Geschichte”

Von: Lars Odenkirchen
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In Gesprächslaune im Riech-Tast-Ufo: Pfarrer Heinz-Josef Lambertz (v.l.), Silke Morlang und Hans Puchert stellten sich den Fragen von Robert Esser, Redakteur dieser Zeitung. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Sind vier Stunden vor der Playstation am Tag zu viel? Ist es schlimm, wenn man jedes Wochenende auch mal mehr als zwei Bier trinkt? Und wie viel Essen ist eigentlich normal - oder wie wenig? Nicht immer ist es einfach, eine Sucht zu erkennen, und noch schwieriger wird es, wenn man sie ergründen möchte.

Die Ausstellung „Sucht hat immer eine Geschichte”, die im Jugendheim St. Sebastian in Würselen gastiert, versucht es dennoch und zeigt das Thema „Sucht” aus unterschiedlichen Perspektiven - und zwar ohne dabei belehrend den Zeigefinger zu heben.

Zur Eröffnung der Wanderausstellung, die bereits in 150 Städten in NRW zu Gast war, hatten das städtische Jugendamt und das Diakonische Werk des Kirchenkreises Aachen zu einer Talkrunde geladen. Robert Esser, Redakteur dieser Zeitung, fühlte seinen Gästen zum Thema Suchtprävention auf den Zahn. Deutliche Worte fand dabei Hans Puchert.

„Die Steuergeschenke, die die Koalition momentan plant, bringen kaum einem Bürger etwas, kosten die Kommunen aber unglaublich viel Geld, was nachher gerade in Bereichen wie Sucht- und Gewaltprävention fehlt. Für so etwas habe ich absolut kein Verständnis”, kommentierte der Vorstand des Diakonischen Werks. Auf Finanzprobleme ging auch Würselens Bürgermeister Arno Nelles ein: „Natürlich würden wir am liebsten noch mehr Geld für die Suchtvorbeugung einsetzen. Wir haben aber schon jetzt viele wichtige Dinge auf den Weg gebracht. Uns ist wichtig, dass das Ganze aber in einem Netzwerk passiert - mit einer Ausstellung ist es nicht getan.” Der Bürgermeister setzt dabei vor allem auf „Multiplikatoren”, und so sollen nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer, Eltern und Betreuer die Ausstellung anschauen und ihr Wissen weitergeben.

Tatsächlich richtet sich die Ausstellung auch an Erwachsene, wie Silke Morlang von der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung erklärt: „Als Erwachsener habe ich in der Ausstellung die Möglichkeit, meine Einstellung zu Kindern und Jugendlichen zu überprüfen: Wie helfe ich meinem Kind, mit Stress umzugehen, wie mit Angst, und wie suchtgefährdet bin ich eigentlich selbst?” Die Ausstellung setzt dabei nicht nur auf Information, sondern vor allem auf das Erleben: Es gibt viel zu machen, zu tasten, gar zu riechen - etwa im Riech-und-Fühl- Ufo, einer Station, bei der es die eigenen Sinne wieder zu erfahren gilt.

Kann ich am Geruch Orangen und Pfirsiche, Rauch und Schokolade unterscheiden? Andere Stationen bieten Möglichkeiten, sein Verhalten und seine Einstellung zu reflektieren, informieren über verschiedene Arten von Sucht oder kümmern sich um die Probleme von Co-Abhängigen. Ein Aspekt, den auch Pfarrer Heinz-Josef Lambertz wichtig findet: „Bei Hausbesuchen erlebt man oft die versteckte Sucht, die nicht wahrgenommen wird. Gerade wenn familiärer Rückhalt fehlt, wird es auch für die Kinder gefährlich, die eigentlich echte Vorbilder und Werte bräuchten.”

35 Schulklassen haben sich bereits zum Ausstellungsbesuch angemeldet. Weitere Klassen aus der gesamten Städteregion sind in Würselen willkommen.


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