Stolberg - Vom Trampolin auf dem Sprung zum Doktor

Vom Trampolin auf dem Sprung zum Doktor

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
Gefahrenquelle: Auf dem Trampo
Gefahrenquelle: Auf dem Trampolin lauern für spielende Kinder ernste Verletzungen. Foto: imago/imagebroker

Stolberg. Wer hoch springt kann tief fallen - und das tut weh. Allein im Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum sind im Juni fünf Kinder mit Knochenbrüchen nach Trampolinunfällen behandelt worden.

Der Anstieg der Unfallzahlen folgt der Verbreitung von Kindertrampolinen, die auf dem Weg sind, Trendsportart zu werden. Die Unfallchirurgen der Stolberger Klinik warnen davor, die Sicherheit im Gebrauch der Geräte zu vernachlässigen. Unzureichende Wartung und unsachgemäße Nutzung führen dazu, dass immer mehr Kinder unter zehn Jahren wegen Frakturen operiert werden müssen. Jährlich seien es mehr als 150.000 Fälle weltweit, zitieren die Stolberger eine Berechnung von Sportmedizinern.

In diesem Jahr sei eine drastische Steigerung zu verzeichnen. Behandelten die Unfallchirurgen und Orthopäden noch vor einigen Jahren hauptsächlich Mountainbiker und Inlineskater so stehen mittlerweile Trampolinspringer weit vorne. So gut wie nie ist jedoch ein Patient dabei, der in einem Verein unter Aufsicht trainiert.

Fast immer handele es sich bei den Verletzungen um Ellenbogenfrakturen, seltener seien Kopf, Hals und Wirbelsäule betroffen. Das passiere vor allem, wenn der Springer neben dem Gerät lande, so die Erfahrung von Professor Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Uniklinikum Aachen (UKA). Bei Landungen auf der Kante komme es dagegen häufig zu Verrenkungsbrüchen an Fuß- und Unterschenkel. Die Einführung von Netzen rund um die Soprungfläche habe hier für einen Sicherheitsgewinn gesorgt.

Oft prallen Kinder zusammen

Fünf bis sechs ähnlich gelagerte Fälle behandelt Dr. Wolfgang Gebauer pro Jahr. Einen signifikanten Anstieg der Zahlen beobachtet er nicht. Die Verletzungen, die der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin aus Aachen zu Gesicht bekommt, verteilen sich auf zwei Gruppen. Zum einen handele es sich dabei um Hautabschürfungen und Fußverletzungen, die beim Einklemmen zwischen Federn und Gestell des Trampolins einstünden. Zum anderen zeigten sich nach exzessivem Springen Rückenschmerzen durch Verspannung in der Rückenmuskulatur. Verbände, lokale Wärmebestrahlung sowie Salben werden zur Behandlung eingesetzt.

Schwerere Verletzungen sehen niedergelassene Mediziner lediglich in der Retrospektive, nach der Erstbehandlung im Krankenhaus.Viele der Verletzungen passieren beim Zusammenprall zweier Kinder - einem Beispiel unsachgemäßer Nutzung. Dabei sei ein Trampolin nicht grundsätzlich gefährlich, sondern im Gegenteil ein sehr gutes Trainingsinstrument, stellen die Stolberger Mediziner klar. Die federnde Oberfläche erleichtere das Hüpfen und trage zur Schonung der Gelenke bei, sehr viele Muskeln würden dabei trainiert. Dadurch entwickelt sich die Muskulatur, die wiederum die Wirbelsäule entlastet und für eine bessere Körperhaltung sorgt. Dr. Arif Mirza, Sektionsleiter im Stolberger Bethlehem Gesundheitszentrum, appelliert daher an alle Eltern: „Bitte seien Sie besonders aufmerksam, wenn ihre Kinder aufs Trampolin springen.”
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