Vier Teile, ein Zukunftsraum

Von: Udo Kals
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Will verschiedene Zukünfte der Städteregion aufspüren: Stephan Baldin.

Aachen. Natürlich besitzt Stephan Baldin keine Glaskugel. Doch der Blick in die Zukunft der Region, oder besser: in mögliche Zukünfte, reizt den studierten Volkswirt sehr.

So hat im Rahmen des Projekts „Indeland 2050” die Aachener Stiftung Kathy Beys, deren Vorstand Baldin ist, auf der Grundlage zahlreicher Interviews vier denkbare Szenarien dafür entwickelt, wie das Gebiet rund um den Tagebau Inden zwischen den Städten Düren, Jülich, Eschweiler und Langerwehe in 40 Jahren aussehen könnte. Untertitel: Eine Region wählt ihre Zukunft.

„Mit diesen Szenarien wollen wir ein Gespür dafür geben, wie die Zukunft aussehen kann”, sagt Baldin, der sich nun unter dem Arbeitstitel „Heimat 2035” der Städteregion widmet. Mit einem vergleichbaren Ansatz, aber mit grundsätzlich anderen Voraussetzungen.

Denn das Indeland ist mit 160.000 Einwohnern weitaus kleiner und mit dem Braunkohletagebau als zentralem Thema ein wesentlich homogeneres Gebiet als die 570.000 Einwohner zählende Städteregion, die Baldin in vier Teilräume unterteilt: Aachen, der vom Steinkohletagebau geprägte Nordkreis, die beiden Mittelstädte Eschweiler und Stolberg sowie die Nordeifel. Ein Gebilde also mit sehr unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln. „Jetzt muss dieser Raum versuchen, für sich eine Position zu finden”, sagt Baldin: „Ich bin gespannt.”

Der Startschuss für das 300.000 Euro teure Projekt, das die Stiftung fast komplett trägt, ist gefallen. Die ersten Interviews sind geführt. 200 bis 250 Gespräche sollen folgen - mit Politikern, mit Vertretern aus der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, aber auch mit den Leuten auf der Straße, ob Jugendliche oder Rentner. Sie alle sollen ihre Vorstellungen erzählen, wie sich die Städteregion in Zukunft entwickelt. „Was wollen wir? Was wollen wir vermeiden? Wo ist die Städteregion im Jahr 2035? Was kann sie leisten? Wie definiert sie sich? Das sind wichtige Fragen”, sagt Baldin.

Aus den Antworten der protokollierten Gespräche sollen schließlich in Workshops vier Zukunftsszenarien herausgearbeitet werden, die unter anderem das regionale Profil schärfen und stärken sollen sowie im besten Falle dem Bürger vermitteln können, wohin die städteregionale Reise geht. Dabei betont Baldin, der sich und die Stiftung im Interessengeflecht als neutrale Moderationsplattform versteht, dass es sich „um einen vollkommen offenen Prozess handelt”. An dessen Ende konkrete Szenarien erzählt werden sollen.

Wie im Indeland, wo die Drehbücher für die Zukunft die Titel Abendland oder Ellenbogenland tragen und heute ganz unvorstellbare Entwicklungen thematisiert werden: Was wäre, wenn RWE-Power von einem ausländischen Konkurrenten übernommen würde und sich aus der Stromproduktion in der Region zurückzöge? Oder: Wer garantiert, dass das Forschungszentrum Jülich in Zeiten knapper Mittel langfristig in seiner Existenz gesichert ist?

Im September 2011 werden die Ergebnisse für die Städteregion vorgestellt. Und damit soll nicht Schluss sein. „Die Indeland-Szenarien werden in der Jugendarbeit und Lehrerfortbildung erfolgreich eingesetzt”, sagt Baldin: „Es funktioniert.” Und er setzt darauf, dass nun die Städteregion als Zukunftsraum entsteht.
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