Verbrecherjagd über Stadtgrenzen hinweg

Von: Udo Kals
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Polizeikontrolle
„Verkehrskontrolle, Ihre Papiere bitte!” Foto: ddp

Städteregion. Ob Krawalle bei einem Dorffest in der Eifel oder nächtliche Ruhestörung in Eschweiler, ob ein Verkehrsunfall in Alsdorf oder ein Mord in Aachen - wenn die Polizei gerufen wird, laufen die Fäden im Aachener Präsidium an der Hubert-Wienen-Straße zusammen.

Denn Polizeipräsident Klaus Oelze und seine rund 1300 Kollegen sind für Stadt und Kreis Aachen zuständig. Und das schon lange.

„Für uns ist die Städteregion Alltag - zumindest wenn man den geografischen Zuschnitt betrachtet”, sagt der Behördenleiter und greift etwas tiefer ins Archiv: „Und zwar schon seit 1953.” Als noch niemand an die Städteregion dachte, wurde an Rhein und Ruhr - zum ersten Mal - die Polizei neu organisiert, das Polizeipräsidium Aachen mit seiner Zuständigkeit sowohl für die Stadt als auch den Landkreis Aachen geschaffen.

„Aachen in seinen damaligen Grenzen hatte zu dieser Zeit bereits eine besondere Bedeutung, schon alleine wegen der Grenznähe”, sagt Oelze: „Daher gab es damals bereits einen Polizeipräsidenten.” In den jetzigen Grenzen gibt es das PP schließlich seit 1975, nachdem landesweit die kommunale Neugliederung abgeschlossen war. Seitdem unterstehen ihm auch die Ordnungshüter zwischen Baesweiler und Monschau, Herzogenrath und Stolberg dem Aachener Präsidium.

Für Oelze, der im Jahr 2003 Heinrich Bönninghaus als Polizeipräsident folgte, ist dieser „Zuschnitt eine vernünftige Größe”. Aber auch „eine Mindestgröße, was das operative Geschäft und betriebswirtschaftliche Aspekte” angehe. „Denn die dürfen in einer Behörde natürlich nicht vernachlässigt werden”, sagt der Volljurist, der indes keine neuerliche Diskussion über neue Zuschnitte der Polizeipräsidien in NRW führen will. „Das sind politische Entscheidungen.”

Die hat die Landesregierung gefällt, und die vor einigen Jahren diskutierte Erweiterung des Aachener Präsidiums um die Kreise Düren und Heinsberg ist vom Tisch. Und bei allen Gedankenspielen, wie die Polizeiarbeit optimiert werden kann, betont Oelze selbstbewusst: „Optimal ist, wenn eine Behörde funktioniert. Und das Polizeipräsidium Aachen funktioniert.” Woran er das festmacht? „Die Nähe zum Bürger ist da, wir sind vor Ort - egal ob in Aachen, Würselen oder Simmerath. Durch die Bezirksbeamten sind wir in jeder Kommune präsent. Die Polizei ist ein erkennbarer Ansprechpartner”, sagt er.

Dabei hat die Polizei einen schweren Prozess der Neustrukturierung hinter sich, den Oelze vor dreieinhalb Jahren mit einem prägnanten Satz zusammenfasste: „Aachen hat eine neue Polizei.” Vier Direktionen wurden geschaffen, etwa für Kriminalitäts- oder Verkehrsunfallbekämpfung. Das Ziel der Operation: auch in Zeiten knapper Kassen die Qualität zu steigern. Und Oelze betont: „Durch die Bündelung und Konzentration polizeilicher Aufgabengebiete haben wir und werden wir das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessern.”

Auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen im „eigenen” Haus, sieht der Polizeichef der Städteregion optimistisch entgegen. „Veränderungen können sich positiv auswirken. Bei uns hat das die Mannschaft zusammengeschweißt. Wobei die Städteregion und die Polizei zwei komplett verschiedene Paar Schuhe sind”, meint der 59-Jährige: „Schließlich sind wir eine Behörde, die für zehn Kommunen zuständig ist.

Die Städteregion hat indes mit zehn Partnern zu tun, da hat jeder seine eigene Philosophie. Wir haben dafür Sorge zu tragen, dass die Polizeiarbeit überall mit derselben Qualität und nach denselben Kriterien verrichtet wird. Und das ist eine anspruchsvolle Arbeit.”

Große Auswirkungen auf die polizeiliche Arbeit oder die Kooperation mit den Kommunen sieht er indes nicht. „Wir werden erst einmal abwarten, was kommt”, sagt Oelze, der sich jedoch sicher ist, dass „die gute Zusammenarbeit fortgesetzt wird” - ob bei den Ordnungspartnerschaften, der Sicherheitskonferenz mit den (Ober-) Bürgermeistern, der Allianz gegen Jugendgewalt oder anderen Kooperationen. „Da haben wir in den vergangenen Jahren gemeinsam viel erreicht.”

Euregionale Kooperation seit 40 Jahren

Seit 1969 kooperiert die Aachener Polizei über die Grenzen hinweg in Form einer Arbeitsgemeinschaft von Polizeibehördenleitern in der Euregio. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft aus niederländischen, belgischen und deutschen Behörden ist, die polizeiliche Kooperation die Sicherheit der Mitbürger in der Euregio zu verbessern.

Vor allem soll die Arbeit der Streifenpolizisten und der Ermittler erleichtert werden.

1993 wurde im Aachener Polizeipräsidium eine regionale Verbindungsstelle eingerichtet. Hierüber erfolgte ein reger Daten- und Informationsaustausch zwischen den Partnern der Arbeitsgemeinschaft.

Seit Mitte 2005 gibt es das Euregionale Polizei-Informations-Cooperations-Centrum. In dem Dienstgebäude in Heerlen sitzen zwischenzeitlich 24 Mitarbeiter aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland.
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