VabW wehrt sich gegen Zusammenführung mit Sprungbrett gGmbH

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
14716550.jpg
Wie geht es mit dem VabW – hier der Hauptsitz des Vereins am Alsdorfer Nordring – weiter? Der Streit über eine mögliche Zusammenführung mit der Sprungbrett gGmbH droht zu eskalieren. Foto: Michael Grobusch

Städteregion. Es ist fast genau drei Jahre her, da wurde in Alsdorf kräftig gefeiert. Anlass war die Unterschrift von Helmut Etschenberg, mir der die finanzielle Unterstützung des Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) durch die Städteregion für zunächst fünf Jahre besiegelt wurde.

„Wir haben eine Verantwortung für junge Menschen, die es nicht auf Anhieb schaffen, und der VabW leistet einen großen Beitrag“, sagte der Städteregionsrat damals. Die Einrichtung trage dazu bei, dass aus potenziellen Leistungsempfängern Leistungserbringer würden. Und Hans Vorpeil, Gründungsmitglied und auch heute noch Vorsitzender des Vereins, stellte zufrieden fest: „Das ist ein denkwürdiger und historischer Tag, der ein Signal an den VabW ist: Du wirst gebraucht.“

Von Zufriedenheit kann mittlerweile keine Rede mehr sein. Und wie das mit dem Nutzen ist, scheint ebenfalls längst nicht mehr einheitlich beurteilt zu werden. Denn hinter den Kulissen ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Ausgelöst wurde er durch den Vorschlag 17 im Strukturkonzept der Städteregion, der die „Zusammenführung des VabW mit der Sprungbrett gGmbH“ und die „Bündelung der Aufgaben in einer gemeinsamen Gesellschaft“ als Ziel formuliert. Damit solle die Förderung von Bildung, Beruf und Qualifizierung junger Erwachsener „noch effektiver und effizienter“ werden.

Zwar wurde dieser Punkt am 22. Oktober 2015 nahezu einstimmig vom Städteregionstag verabschiedet. Doch bei der Frage der Umsetzung ist von einer breiten Mehrheit nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Weil es nach monatelangem Ringen immer noch keine Lösung gibt, droht die Städteregion als bedeutendes Mitglied nun offen und geradezu ultimativ mit dem Austritt aus dem VabW, falls dieser nicht bis zur nächsten Sitzung des Städteregionsausschusses am 29. Juni ein akzeptables Konzept vorlegen sollte.

Der Austritt würde den Verein empfindlich treffen, weil Beitragszahlungen von jährlich gut 150 000 Euro entfallen würden. Dies hätte einen Einschnitt zur Folge, von dem vor allem die vom VabW betreuten Menschen betroffen wären, betont Hans Vorpeil, der sich im Gespräch mit unserer Zeitung empört äußert: „Hier wird ein Machtkampf auf dem Rücken der jungen Leute ausgetragen.“

Ulla Thönnissen will das so nicht stehenlassen.„Wir haben es mit einer höchst komplizierten Angelegenheit zu tun“, gibt die CDU-Fraktionsvorsitzende zu bedenken. Ins Detail gehen möchte sie nicht, da die Diskussionen bis dato nur in nicht öffentlichen Sitzungen stattgefunden haben. Doch auch sie verweist darauf, „dass das jetzt endlich mal geregelt werden muss“. Und da biete der von Sprungbrett-Geschäftsführer Professor Dr. Axel Thomas ausgearbeitete Vorschlag eine gute Lösung. Er sieht die Wahrnehmung aller bisherigen Aufgaben beider Seiten in einer gemeinsamen Gesellschaft vor.

Das aber lehnt Hans Vorpeil, der auf die vorteilhaften Freiheiten eines Vereins verweist, ebenso ab wie die zuvor ins Gespräch gebrachte Gründung eines Zweckverbandes. „Beides kostet nachweislich mehr Geld“, argumentiert der Vorsitzende. Außerdem biete der VaBW ein wesentlich umfangreicheres Angebot als die Sprungbrett gGmbH für nahezu die gesamte Städteregion an, weshalb der Vorsitzende eine treuhänderische Übernahme von Sprungbrett und dessen Vermögen durch den VabW vorgeschlagen hat. „Der Hund wedelt doch mit dem Schwanz, und nicht umgekehrt“, sieht er die Rollen zwischen den beiden Bildungseinrichtungen eindeutig verteilt.

Bei der Verwaltung freilich ist die Betrachtungsweise eine andere. Und auch die FDP stellt sich an ihre Seite. „Es geht doch nicht, dass der VabW Sprungbrett vereinnahmt“ betont Georg Helg. Für den Fall, dass es zu keiner Einigung kommen sollte, plädiert der Fraktionsvorsitzende dafür, „dass die Städteregion aus diesem Verein aussteigt“.

Solche Szenarien beeindrucken Hans Vorpeil nach eigenen Worten allerdings nicht. „Wir lassen uns nicht drohen“, stellt er klar. Und die am 29. Juni endende Frist „interessiert mich nicht, zumal ich von ihr offiziell gar nichts weiß“. Der SPD-Politiker Vorpeil vermutet politische Gründe hinter dem Vorgehen der Verwaltung und der Haltung einiger Fraktionen und sieht zudem einen Zusammenhang mit dem Euregio-Kolleg, das am Schuljahrsende von der Städteregion übernommen wird. „Über 30 Jahre lang haben wir den WBK als Trägerverein des Kollegs unterstützt. Und jetzt, wo er die Trägerschaft abgibt, scheint auch der VabW nichts mehr wert zu sein.“

Zumindest die SPD weiß der Sozialdemokrat Hans Vorpeil aber an seiner Seite: „Auch wir lehnen die Vorschläge der Verwaltung ab, weil sie einen Eingriff in die bewährten Grundstrukturen des VabW bedeuten würden“, erklärt Martin Peters. „Eine Kooperation ist ohne einen wirtschaftlichen Nachteil für eine der beiden Seiten offenbar nicht möglich“, stellt der Fraktionsvorsitzende fest. Auf eine Zusammenführung solle deshalb verzichtet werden – allerdings ohne die Konsequenzen, auf die die Verwaltung jetzt abzielt.

Geschichte und Tätigkeitsfelder der Einrichtungen

Der Kreistag des früheren Kreises Aachen hat am 6. Juli 1995 den Beschluss über die Einrichtung der „Kreisinitiative Jugend und Beruf“ als Maßnahme zur Verbesserung der schulischen und beruflichen Qualifikation junger Menschen im Kreis Aachen getroffen und die Sprungbrett gGmbH ab dem 1. Januar 1996 als Projektträgerin damit beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele zu initiieren. Die durch Landeszuschüsse nicht gedeckten Kosten der „notwendigen personellen und sächlichen Ausstattung“ wurden übernommen.

Der Städteregionstag beschloss am 10. Dezember 2009, dass die (Beratungs-) Arbeit der „Kreisinitiative Jugend und Beruf“ an den Berufskollegs in Alsdorf, Eschweiler und Herzogenrath fortgeführt werden soll.

Über den konkreten Bedarfszuschuss wird in jedem Jahr neu entschieden. Das ist zuletzt am 16. März geschehen mit der Bewilligung von maximal 166 540 Euro durch den Städteregionsausschuss für 2017.

Die Städteregion hält als alleinige Gesellschafterin 100 Prozent des Stammkapitals an der Sprungbrett gGmbH mit Sitz in Würselen.

Die interkommunale Berufsbildungsakademie „Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung” (VabW) wurde 1984 – unter anderem von Hans Vorpeil – gegründet. Nach Vereinsangaben wurde seitdem mehr als 35 000 arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch außerbetriebliche Ausbildung, Weiterbildung und Fortbildungsmaßnahmen eine neue berufliche Perspektive gegeben.

Neben dem Hauptsitz am Nordring in Alsdorf führt der VabW sieben weitere Standorte in Alsdorf, Aachen, Eschweiler, Monschau, Stolberg (2) und Würselen.

Mitglieder des VabW sind die Städteregion sowie die Städte Alsdorf, Eschweiler und Würselen, korporative Mitglieder sind die Sparkasse Aachen, die Volkshochschule Nordkreis Aachen, die VR-Bank Würselen und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion. Darüber hinaus gibt es noch elf persönliche Mitglieder.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert