Ungewöhnlich, aber nicht unnatürlich warm

Von: Guido Jansen
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ARCHIV - Eine weibliche Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) krabbelt am 01.07.2010 auf dem Arm eines Mitarbeiters im regionalen Institut für durch Zecken übertragbare Krankheiten e.V. im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd (Oder-Spree). Am Dienstag (17.04.2012) informiert das Deutsche Grüne Kreuz in Erfurt über die Gefährdung durch Zecken. Foto: dpa

Städteregion. Ja, es könnte in der Region bald ein Zecken-Problem geben. „Der Winter hat normalerweise eine Gewisse heilende Wirkung im Bezug auf Zecken“, sagt Dr. Bernhard Theißen von der Biologischen Station der Städteregion. Und weil der Winter, beziehungsweise der im Bezug auf Zecken so dezimierend wirkende Frost, bisher nicht stattgefunden hat, steht zu befürchten, dass die blutsaugenden Parasiten bald stärker auftreten als üblicherweise.

Grund zur Panik besteht allerdings nicht. „Der Winter ist zwar bisher ungewöhnlich mild. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass jetzt etwas aus dem Lot gerät“, sagt Theißen. Denn erstens können die frostigen Tage, die den Zecken den Garaus machen, noch kommen. Und zweitens gibt es Räuber, die sich über einen gedeckten Tisch mit Zecken freuen. Einige Vogel- und Wespenarten beispielsweise.

„Es aber so, dass sich Schädlinge wie Zecken oder Blattläuse schneller vermehren als ihre Räuber. Deswegen könnte es zunächst einmal überdurchschnittlich viele Zecken oder Blattläuse geben“, sagt Theißen. Deren Räuber reproduzieren sich langsamer. Je mehr Nahrung sie finden, desto größer wird ihre Population. In der Folge bedeutet das, dass später mit der größer werdenden Zahl an Räubern weniger Schädlinge geben wird. Volterra-Gesetz nennt sich diese Wechselwirkung.

Die gilt beispielsweise auch für die Wühlmäuse, die vielen Bauern das Leben schwer macht.

Die Nager überwintern bei den derzeitigen Bedingungen besser. „Allerdings bedeutet das perspektivisch, dass Mäusebussarde und Steinkäuze dann später einen reichlich gedeckten Tisch vorfinden“, schildert Christoph Vanberg die Wechselwirkung, die irgendwann zu einem starken Rückgang der Wühlmäuse-Population führt.

Bei Allergikern könnte es wegen des milden Winters früher in der Nase jucken als sonst. „Die ersten Frühblüher melden sich schon“, sagt Vanberg. Die Hasel oder Erle beispielsweise. „Normalerweise sind die Haselpollen Ende Januar, Anfang Februar unterwegs. Das ist jetzt schon Fall.“ Das würde von den normalen Zeiten abweichen. „Der frühe Zeitpunkt fällt allerdings aus dem Rahmen.

Das ist noch im Bereich des Möglichen“, sagt der Botanik-Experte der Biologischen Station. Genau wie Tatsache, dass die Gänseblümchen sich im Moment anschicken, das ganze Jahr über zu blühen. Der milde Dezember und Januar bisher machen es möglich.

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