Städteregion - Über 60 und sprühend vor Leben: Neuer Arbeitskreis für „60plus“?

Über 60 und sprühend vor Leben: Neuer Arbeitskreis für „60plus“?

Von: Jutta Geese
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Fit wie Turnschuh: Die Generation 60plus von heute ist mit der früherer Jahre nicht zu vergleichen. Viele „neue Alte“, wie sie in einer Studie von 2013 bezeichnet werden, fühlen sich nicht nur im Schnitt zehn Jahre jünger als sie sind, sie sprühen auch so vor Lebensfreude . Foto: imago/blickwinkel

Städteregion. Braucht die Städteregion einen Arbeitskreis, der die Seniorenarbeit in den städteregionalen Kommunen koordiniert und weiterentwickelt? Unbedingt, sagen die Sozialdemokraten im Städteregionstag. Dabei haben sie vor nicht einmal einem Jahr, nach den Kommunalwahlen, der Abschaffung eines solchen Gremiums – des Seniorenbeirats – zugestimmt.

„Da haben wir geschlafen“, räumt SPD-Fraktionschef Martin Peters selbstkritisch ein. Seine Fraktion habe aber inzwischen festgestellt, „dass wir für das gesellschaftlich bedeutsame Thema Senioren ein eigenes Gremium brauchen“.

Die Mehrheit im Städteregionstag – Ausnahme: die Linke – ist da allerdings anderer Meinung. Die Belange von Senioren sehen sie ausreichend berücksichtigt. „Im Sozialausschuss, der sich ja in Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Senioren und demografischen Wandel umbenannt hat, behandeln wir viele Themen, die Senioren betreffen“, sagt etwa Ulla Thönnissen, Fraktionsvorsitzende der CDU.

„Doppelstrukturen vermeiden“

Außerdem gebe es jetzt ganz neu die vom Land gesetzlich vorgeschriebene kommunale „Konferenz Alter und Pflege“. Die CDU sehe daher keine Notwendigkeit, noch ein Gremium zu installieren, in dem dieselben Fragen erörtert würden. Doppelstrukturen müssten vermieden werden.

Letzteres hält Peters für vorgeschoben. Wenn es um Vermeidung von Doppelstrukturen ginge, dann müssten alle Gremien, die neben dem Städteregionstag und seinen Ausschüssen agieren, eingestampft werden – vom Arbeitskreis der Integrationsräte bis hin zur Bezirksschülervertretung.

Die von Thönnissen und auch der Verwaltung angesprochene neue „Konferenz Alter und Pflege“ kann nach Ansicht der Sozialdemokraten einen Seniorenbeirat alter Art nicht ersetzen. Denn deren Schwerpunkt liege ganz klar auf dem Bereich Pflege. „Wir wollen und dürfen Seniorinnen und Senioren nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Pflegebedürftigkeit sehen“, erklärt die SPD-Sozialpolitikerin Margret Schulz. „Dies würde qualitativ und quantitativ in keiner Weise der Realität entsprechen.“

Seniorenpolitik sei gleichzeitig auch Generationenpolitik und betreffe alle Lebensbereiche. Die kommunalen Seniorenvertretungen seien zwar in der neuen Konferenz vertreten. „Allerdings wird es diesen Mitgliedern kaum möglich sein, das breite Spektrum einer zukunftsfähigen Seniorenpolitik in die Konferenz einzubringen und hier zu bearbeiten. Die Zusammensetzung der Konferenz und ihr klar definiertes Aufgabenfeld lassen hierzu keinen Raum“, fürchtet Schulz.

Ein bisschen fürchtet das wohl auch Werner Krickel, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Tatsächlich sei die Aufgabe der Konferenz sehr stark auf Pflege konzentriert. „Aber wir können das Aufgabenspektrum ja erweitern“, meint er. „Wenn wir nach einem Jahr feststellen, dass die Themen, die uns wichtig sind, unter den Tisch fallen, können wir ja noch mal über den SPD-Antrag nachdenken.“

Eines ist jedoch unstrittig: Die Zahl der älteren Menschen wird in den kommenden Jahren stetig wachsen. Derzeit leben in der Städteregion etwa 136.000 Frauen und Männer, die 60 Jahre oder älter sind. Im Jahr 2030 werden es mehr als 190.000 sein. Der Anteil der „Generation 60plus“ an der Gesamtbevölkerung steigt somit von derzeit knapp 25 Prozent auf gut 34 Prozent, heißt es im aktuellen Kompendium zum demografischen Wandel in der Städteregion. Darauf müssen sich Politik und Verwaltung vorbereiten.

Die Herausforderung dabei: Sie haben es – anders als früher – nicht mit einer homogenen Gruppe von Menschen zu tun. So nimmt etwa der Anteil der älteren Menschen aus Zuwandererfamilien zu. Und: „Alter ist nicht mehr allgemein gleichzusetzen mit dem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben und einer vornehmlich durch Krankheit und/oder Pflegebedürftigkeit geprägten Lebensphase“, schreibt die Sozialwissenschaftlerin Antje Rüter in dem städteregionalen Kompendium.

Mobil und interessiert

Viele der „neuen Alten“, wie sie in der bundesweiten Generali-Altersstudie aus dem Jahr 2013 genannt werden, sind bis jenseits der 80 äußerst mobil, vielseitig interessiert und beteiligen sich am gesellschaftlichen Leben. So sind laut dieser Studie 45 Prozent der 65- bis 85-Jährigen ehrenamtlich aktiv.

Und viele von ihnen können sich vorstellen, noch ein paar Stunden mehr wöchentlich zu investieren. Die Mehrheit der Befragten ist mit ihrem Leben sehr zufrieden – und fast zwei Drittel von ihnen fühlen sich neun bis zehn Jahre jünger als sie tatsächlich sind.

Allerdings: Der Grad der Zufriedenheit hängt stark von den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Rahmenbedingungen sowie der Wohnsituation und dem sozialen Umfeld ab. Das sind die Themen, denen sich die Kommunen stellen müssen. Viele sind da schon gut unterwegs, heißt es im städteregionalen Kompendium. Aber vieles bleibt auch noch zu tun.

Ob da ein Gremium wie das von der SPD geforderte gute Anstöße geben könnte? In der Generali-Altersstudie sagten 80 Prozent der Teilnehmer, sie hielten eine spezielle Interessenvertretung für Ältere für notwendig. Jedenfalls auf Bundesebene.

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