Trotz Digitalisierung bleiben die Filialen vor Ort

Von: Jutta Geese
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Setzen auf Kundennähe: Vorstandsvorsitzender Hubert Herpers (r.) und sein Vize Norbert Laufs.

Städteregion. Ganz ausschließen möchte Hubert Herpers nicht, dass hier oder da irgendwann mal eine Sparkassenfiliale geschlossen wird. „Natürlich schauen wir uns genau an, wie die Frequentierung ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aachen. Das sei schon aus Kostengesichtspunkten nötig.

Aber Filialschließungen in großem Umfang, quasi einen Rückzug aus der Fläche, wie es derzeit Konkurrenzunternehmen vorexerzieren, wird es definitiv nicht geben, betont Herpers. „Ich halte das für total falsch. Wenn wir nicht mehr vor Ort sind, fehlt der Grund für Kunden, sich an die Sparkasse zu wenden.“

Kundennähe aber ist das Pfund, mit dem die Sparkasse noch immer wuchert – und das durchaus sehr erfolgreich (siehe Bericht auf „Wirtschaft“). Und dieses Pfund will die Sparkasse nicht hergeben, auch wenn sie wie andere Bankinstitute zunehmend auf Digitalisierung setzt und immer mehr Kunden Online-Banking durchaus attraktiv finden. Mehr als 150.000 Privatkunden, das entspricht rund 53 Prozent, sind heute schon online unterwegs, berichtet der Sparkassenchef.

Hinzu kämen rund 31.000 online geführte Geschäftsgirokonten, was einem Anteil von 71 Prozent bei den Geschäftskunden entspreche. „Die anderen sind vermutlich noch im Diskettenweitwurf unterwegs“, sagt er schmunzelnd und fügt an: „Das ist aber auch okay.“ Will heißen: Niemand wird in die Digitalisierung gedrängt.

Vor allem junge Kunden der Sparkasse finden Gefallen an den neuen Möglichkeiten, per Smartphone von überall in der Welt und zu jeder Zeit auf ihr Konto zugreifen zu können, per Foto-Überweisung Rechnungen zu begleichen oder, ebenfalls ganz neu, zu „kwitten“, also Geld von Handy zu Handy zu senden. Ohne TAN können in einem Zahlungsvorgang 30 Euro, am Tag aber höchsten 100 Euro, bewegt werden. „Das ist einfach traumhaft“, schwärmt Herpers. „Das kommt bei Jugendlichen gut an.“ Was wenig verwundert, ist diese App doch von Auszubildenden der Sparkassen in Deutschland entwickelt worden, darunter waren auch zwei von der Sparkasse Aachen.

Apropos Auszubildende: 173 waren zum Stichtag 31. Dezember 2016 bei dem Bankinstitut beschäftigt. Wie in den Vorjahren werden im September etwa 40 junge Leute ihre Ausbildung bei der Sparkasse beginnen. Noch sind nicht alle Plätze besetzt, sagt Herpers. Qualifizierte Bewerbungen, auch von guten Realschülern und Studienabbrechern, werden weiterhin entgegengenommen – obwohl die Zahl der Bewerbungen noch recht hoch ist. „Wir haben einen guten Ruf“, stellt Herpers zufrieden fest. Der demografische Wandel macht sich da also noch nicht bemerkbar? „Doch“, meint Herpers, „jetzt haben wir um die 700 Bewerbungen pro Jahr, früher waren das mehr als 900.“

In der Regel werden alle Auszubildenden nach erfolgreich absolvierter Lehre und „wenn sie zu uns passen“ übernommen, berichtet Herpers. Denn bei rund 2000 Beschäftigten (etwa 1030 Vollzeit, 770 Teilzeit und dazu die Azubis) sowie etwa 330 Beschäftigten in den Tochtergesellschaften gingen pro Jahr um die 50 in Rente. Insgesamt werde der Personalbestand zwar auch in Zukunft Jahr für Jahr leicht abgebaut, schon infolge der zunehmenden Digitalisierung.

„Wenn viel online abgewickelt wird, braucht man da keine Mitarbeiter.“ Aber der Abbau erfolge aufgrund der natürlichen Fluktuation. Und es gebe immer wieder Bereiche, in denen mehr qualifiziertes Personal gebraucht werde, etwa da, wo die EU oder die Bundesbank neue Bürokratie verursachten. „Wir müssen jetzt beispielsweise vierteljährlich Abschlüsse vorlegen. Die Sinnhaftigkeit dessen zu durchdringen, ist etwas schwierig.“

Von den guten Geschäften, die die Sparkasse in der Region macht, profitiert die Region. So sollen die Gesellschafter – das sind die Stadt Aachen und die Städteregion – insgesamt 16,4 Millionen Euro an Gewinnausschüttung erhalten, die für gemeinnützige Zwecke zu verwenden sind. Weitere 32 Millionen Euro habe die Sparkasse an Spenden, Stiftungsausschüttungen, Sponsoring für Vereine und Gewerbesteuern in der Region gelassen, betont Herpers. Und das Kapital ihrer drei Stiftungen habe sie um fünf Millionen auf jetzt 39 Millionen Euro aufgestockt.

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