Städteregion - Traumatisierte Kinder: Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Traumatisierte Kinder: Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Von: ran
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Städteregion. Die Erfahrungen, die sie in jungen Jahren machen mussten, sind grauenvoll: Sie reichen vom Desinteresse eigentlich nahestehender Bezugspersonen bis hin zum Erleiden körperlicher oder sexueller Gewalt.

Kindern, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren, fällt es schwer, in ein „normales“ Leben zurückzukehren. Und sie machen es häufig auch den Menschen in einer neuen, wohlwollenden Umgebung nicht einfach. „Alltag mit traumatisierten Kindern: Neue Wege gehen“ war Thema des Fachtags für Pflegeeltern und Fachkräfte, den die Verantwortlichen des Hauses St. Josef Eschweiler in Kooperation mit den Pflegekinderdiensten der Städteregion ausgerichteten haben.

Wobei Robert Wagner, stellvertretender Leiter des Hauses St. Josef und Traumapädagoge, die Teilnehmer gleich ein wenig desillusionierte: „Neue Wege zu beschreiten hört sich wunderbar an. Doch womöglich ist ein neuer Weg steinig oder noch überhaupt nicht betreten. Dies kann dann durchaus zu einer zwischenzeitlichen Orientierungslosigkeit führen.“ Ganz entscheidend sei es, Lernprozesse anzuregen.

Doch was schützt Kinder beziehungsweise belastet sie? „Kinder profitieren unter anderem von einer dauerhaft guten Beziehung zu mindestens einer Bezugsperson, einem sicheren Bindungsverhalten sowie einem eigenen robusten und kontaktfreudigen Temperament“, sagte Wagner. Hinzu kämen soziale Förderung und der Glaube, Dinge aktiv beeinflussen zu können.

„Untersuchungen bestätigen ebenso, dass Intelligenz und das Geschlecht eine Rolle spielen. Ist man psychischen Belastungen ausgesetzt, so ist es von Vorteil, weiblich zu sein“, unterstrich er. Körperliche Misshandlung, emotionale und sexuelle Übergriffe, häufig wechselnde Bezugspersonen, das Leben mit vielen Familienmitgliedern auf engem Raum sowie autoritäres Verhalten der Eltern zu erheblichen seelischen Belastungen.

„Pflegeeltern muss bewusst sein, dass sie mit einer Hochrisikogruppe konfrontiert sind“, stellte Wagner klar. Deshalb sei es unabdingbar, das „Konzept des guten Grundes“ zu kennen. „Der Grund für das Handeln des Kindes liegt in den Lebensbedingungen, denen es ausgesetzt war, bevor es in die Pflege kam.“

Diese Gründe seien häufig nicht ersichtlich, da die Ursachen in der oftmals nicht komplett bekannten Vergangenheit lägen. Und: „Die Rechnung, nach einem erlittenen Trauma sei es nach dem Motto ‚die Zeit heilt alle Wunden‘ irgendwann von selbst wieder gut, geht nur höchst selten auf.“

Erlittene Traumata führten zu irrationalen und irritierenden Verhaltensweisen. Typische Verhaltensweisen seien der aggressive Kampf mit Verletzungen, der Versuch der dauerhaften Flucht sowie das komplette Erstarren. Deutliche Hinweise auf Belastungsreaktionen seien Stress, Albträume, Schulverweigerung sowie häufige gedankliche Abwesenheit.

Und was tun? Wichtig sei unter anderem die Schaffung eines Ortes, an dem sich das Kind wirklich sicher fühle, sowie die verstärkte Fürsorge. „Positiv ist immer, dem Kind Erfolgserlebnisse zu verschaffen und es in seinem Tun zu stärken. Im Idealfall gewinnt das Kind die innere Überzeugung ‚Ich kann etwas‘ und entwickelt dadurch Vertrauen und Selbstvertrauen“, erklärte Wagner.

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