Trauer um Wilhelmstein-Manager Ulrich Pesch

Von: Stefan Schaum
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Foto: Manfred Leuchter

Würselen. Eine große Bühne hat Ulrich Pesch stets nur den anderen bereitet. Den Jazz-Legenden, den Welt-Musikern und Kabarettisten, die immer wieder gern auf die Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenbarg kamen. Auf seine Burg, darf man wohl sagen. Denn das Programm dort, das Äußere, das Ambiente, dieser ganz besondere Charme – das alles trägt die Handschrift von Ulrich „Ulli“ Pesch.

Doch der Mann, der seit Ende der 1980er Jahre die Freilichtbühne weit über Würselen hinaus beliebt gemacht hat, hat selbst den öffentlichen Auftritt nie gesucht. Ein stiller, emsiger Macher, das war er. Im Alter von 67 Jahren ist er jetzt nach langer Krankheit gestorben.

„Wir haben einen richtig guten Freund verloren“, sagt Hans Brings, der in der jüngsten Saison die Nachfolge des Programmmachers angetreten hat. Im Team war Brings seit vielen Jahren. Und diese professionelle Gemeinschaft, „die war etwas ganz eigenes, familiäres. Ulli hat es immer verstanden, das Menschliche nach vorn zu bringen“. Wohl auch ein Erfolgsrezept, denn mit großen Gagen kann die Burg bis heute nicht locken. „Er hat einen Auftrittsort geschaffen, der für sich spricht und die Künstler und das Publikum gleichermaßen für sich gewinnt.“

Als Mitte der 1980er Jahre in Würselen die kulturelle Zukunft auf Wilhelmstein beschlossen wurde, war die heutige Bühne bloß ein Gesteinshaufen. Zu der Zeit war Ulrich Pesch Kursleiter bei der Volkshochschule in Würselen, unter anderem zuständig für Alphabetisierungs- und Schulabschlusskurse. 1988 kam er zum Kulturmanagement. Brings: „Er hat der Kultur auf der Burg im wahrsten Sinne ein Dach überm Kopf gegeben und mit seiner Beharrlichkeit etwas geschaffen, das bis heute viele tausend Besucher jährlich begeistert.“

Lehrer zu werden, das war ursprünglich das Ziel von Ulli Pesch, der in Rheydt geboren, aber in Aachen aufgewachsen ist. Ein Öcher ist er gewesen. Dort hatte er das Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Pädagogik begonnen, das er nach einer Uni-Etappe in Berlin beendete. Ein Jahr lang war er anschließend an der Sonderschule für Lernbehinderte am Kennedypark in Aachen tätig, anschließend in der Arbeitsgruppe Stadtentwicklung bei der Stadt Aachen.

An der Kultur hing immer sein Herz. Er war ja selbst Kulturschaffender, und zwar als Gitarrist. Womöglich nur noch älteren Aachenern ist die „Knotenpöhlerband“ ein Begriff, in der Ulli Pesch mit illustren Namen wie Wendelin Haverkamp und Hubert vom Venn aktiv war. Auch mit Jürgen von der Lippe, einem seiner damaligen Studienkollegen, griff er gern zur Gitarre.

Persönliche Beziehungen wuchsen im Lauf der Jahrzehnte auch mit vielen Künstlern, die nach Würselen kamen. Götz Alsmann etwa, einem der eifrigsten Stammgäste. Ulli und sein Team, das hinter der Bühne nicht bloß feines Catering, sondern vor allem gute Stimmung bot – das haben viele schätzen gelernt, die ansonsten viel größere Auftrittsorte ansteuern. Brings: „Das angenehme, zurückhaltende von Ulli Pesch, das hat die Menschen beeindruckt.“

Eine Joan Armatrading oder den Buena Vista Social Club – die holt man eben nicht mal einfach so in eine Stadt wie Würselen. Dazu gehört das, was Ulli Pesch zu bieten hatte. Seit zehn Jahren auch in Aachen, wo die Burg Wilhelmstein beim „September Special“-Programm vertreten ist. Oder bei den „Voices“-Abenden im Ludwig-Forum. Ging es darum, neue Dinge zu etablieren, hat es dem Macher nie an Ideen gemangelt.

Wie beeindruckt er von den Künstlern war, die zu ihm kamen, hat Pesch auf seine Weise zum Ausdruck gebracht. Die von ihm geschriebenen Ankündigungen in den Programmheften der Burg Wilhelmstein – sie waren immer auch eine Hommage an den jeweiligen Künstler. Verfasst mit tiefem Verständnis für die Musik und stets locker-flockig und mit viel Humor, der Pesch auszeichnete.

Konrad Beikircher, ebenfalls einer der vielen Wiederholungstäter auf der Burg, sagt über den Verlust von Ulli Pesch: „ Er war nicht nur ein grandioser kultureller Motor für die Region, er war auch ein mutiger Veranstalter, der immer auf der Suche nach dem Besonderen war und es oft ermöglicht hat. Darüber hinaus war er hinter der Bühne immer ein fairer Partner, dessen ehrliche Meinung alle geschätzt haben. Was er aus der Burg Wilhelmstein gemacht hat, ist phänomenal. Wir haben einen Visionär verloren und einen Freund.“

„Er war stets kreativ und innovativ“ – das sagt Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs Aachen, über Pesch, mit dem zusammen er viele Projekte realisiert hat. „Er war immer mit dem Herzen dabei!“

Eine tiefe Freundschaft verband Manfred Leuchter mit Ulli Pesch. „Wenn man sieht, was dieser Kerl in 25 Jahren an Kultur auf die Beine gestellt hat – da gibt es nicht viele, die das schaffen.“ Auch Leuchter selbst ist von ihm auf die Burg geholt worden. „Ich dachte damals, dass das eine viel zu große Bühne für mich ist – aber der Ulli war auch da hartnäckig.“ Wenn der von etwas überzeugt war, dann blieb er am Ball. Und das stets zur Freude eines großes Publikums.

Pesch hinterlässt eine Lebensgefährtin und einen Sohn.

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