Transport- und Logistikbranche: Ein „Unternehmertag der anderen Art”

Von: sh
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„Wir sitzen alle in einem Boot”: Beim Unternehmertag wagten einige Mutige eine Runde im Drachenboot auf dem Blausteinsee. Foto: S. Herrmann

Eschweiler. Eine Lage im Herzen Europas, deren Potenzial noch besser ausgeschöpft werden muss, um im Konzert der großen Umschlagplätze mitzuhalten: So charakterisieren Experten den Logistikstandort Städteregion Aachen.

Beim „Unternehmertag der anderen Art” lud der Kreis Aachen zum Thema „Faktor Logistik - Städteregion in Bewegung” zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an den Blausteinsee bei Eschweiler ein, um mit ihnen über Chancen und Risiken der Transport- und Logistikbranche zu diskutieren.

Boom oder Blase? Spediteure klagen in diesen Tagen über rückläufige Auftragseingänge. Kurzarbeit und Lkw-Abmeldungen sind die unausweichlichen Antworten der Unternehmer. Die Wirtschaftskrise wirkt wie eine Bremse. Trotzdem oder gerade deswegen, so der einhellige Tenor, gelte es nun, die Weichen für die Zukunft zu stellen. „Wir müssen antizyklisch handeln. Neue Wege wirken dabei motivierend”, begrüßte Landrat Carl Meulenbergh die 60 Teilnehmer auf der Seebühne.

Zuvor hatten einige Mutige bereits ihr sonstiges Arbeitsfeld Straße und Schiene hinter sich gelassen, um auf dem Wasser ein spannendes Drachenboot-Rennen zu erleben. Ein sportlicher Schnupperkurs gehörte auch beim siebten „Unternehmertag” dazu. Ganz nach dem Motto „Wir sitzen alle in einem Boot” paddelten die beiden Teams um die Wette.

Rund 24000 Menschen arbeiten in der Region Aachen im Bereich Logistik. „Tendenz steigend”, ist sich Landrat Meulenbergh sicher und erhielt Unterstützung aus der Wissenschaft. „Die zentrale Lage ist günstig für eine europaweite Distribution. Mit den beiden Autobahnen A4 und A44 gibt es eine hochwertige Infrastruktur. Zudem sind Arbeitskräfte und - ganz wichtig - Freiflächen verfügbar”, gab Prof. Dr. Alex Vastag vom Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik eine erste Kurz-Analyse. In einer ausführlichen Studie im Auftrag der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) soll das Fraunhofer-Institut nun eine ausführliche Potenzialanalyse für die Logistikregion Aachen durchführen.

Die hält auch Prof. Dr. Klaus Henning für notwendig. Der Institutsleiter des Zentrums für Lern- und Wissensmanagement an der RWTH Aachen fand klare Worte: „Wir haben die Lösung für Lkw auf der Straße. Jetzt müssen aber die politischen Maßnahmen folgen.” Ob das deutsche Forschungsverbot für 44-Tonnen-Gigaliner oder die fehlenden rechtlichen Grundlagen für automatisch gesteuerte Lkw-Konvois auf Autobahnen: Viele Ideen und Entwicklungen für eine Logistik der Zukunft können oder dürfen oftmals nicht umgesetzt werden.

Damit die Blase nicht platzt

Dazu zählt auch die Vision eines hochmodernen Güterverkehrszentrum in der Region, inklusive des Einsatzes neuartiger Roboter-Technik. „Ich könnte Ihnen dafür direkt drei, vier Standorte in der Region nennen. Wichtig ist: Man muss auch in Zukunft den Lkw-Fahrer dazu bringen, die Region Aachen anzusteuern.” Eine moderne Drehscheibe für den Warenverkehr in der Mitte Europas lautet das Ziel. Damit aus den Boom-Perspektiven keine platzende Blase im Wettbewerb mit anderen Logistik-Regionen wird.
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