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Thema „Lügenpresse“: Alle Seiten zeigen, um Subjektivität zu minimieren

Von: Rolf Hohl
Letzte Aktualisierung:
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Diskutierten mit den Schülerinnen und Schülern: Amien Idries (Redakteur unserer Zeitung), Andreas Düspohl (Leiter des Zeitungsmuseums), Wolfgang Birkenstock (Fotojournalist) und Matthias Herrmann (Leiter des Abendgymnasiums, von rechts).

Städteregion. Das Verhältnis zwischen Nachrichtenkonsumenten und Nachrichtenmachern ist auch von Enttäuschungen geprägt. In den vergangenen zwei Jahren wurde deswegen der unselige Begriff „Lügenpresse“ aus dem Wortschatz der Geschichte wieder hervorgekramt.

Am Abendgymnasium der Städteregion im Schulzentrum Aachen-Laurensberg diskutierten jetzt Schüler mit Medienvertretern, ob dieser Vorwurf haltbar ist, und wo er eben ins Leere läuft. Ein lehrreicher Abend über eine ambivalente Beziehung.

Manipulation ist einer der häufigsten Vorwürfe, denen Journalisten im Alltag begegnen. Damit dieser nicht verfängt, ist äußerst sorgfältige Arbeit gefragt, legte der selbstständige Fotojournalist Wolfgang Birkenstock dar: „Je nachdem, was ich von einem Ereignis fotografiere, kann ich damit eine andere Aussage stützen.“

Er müsse sich also immer bemühen, ein möglichst umfassendes Bild einer Situation zu bieten. Im Bereich der digitalen Nachbearbeitung seien die Möglichkeiten noch viel größer. Für Pressefotografen verbiete sich daher abseits von leichten Farb- und Lichtkorrekturen jegliche Manipulation an den Bildern.

Amien Idries, Chef vom Dienst unserer Zeitung, lenkte die Diskussion auf einen umstrittenen Punkt in der Medienberichterstattung: die Erwähnung von Ethnie und Religion von Verdächtigen bei einer Straftat. „Das ist eine Frage, die uns Journalisten derzeit sehr stark beschäftigt“, sagte er. Und auch unter den Schülern gingen die Meinungen auseinander, wobei dies vor allem vor dem Hintergrund der Kölner Silvesternacht diskutiert wurde.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats, so Idries, gebe hierzu eine klare Richtlinie: nämlich die Zugehörigkeit zu ethnischen, religiösen oder sonstigen Minderheiten nur zu erwähnen, wenn diese in einem direkten Zusammenhang mit der Tat stünde. Weil der Kodex jedoch keine rechtliche Bindung hat, hielten sich längst nicht alle Medien daran. Zudem könne die Einschätzung, ab wann eine Tat auf die Herkunft oder andere soziokulturelle Hintergründe zurückzuführen sei, sehr unterschiedlich ausfallen.

Den von den Schülern und vielen Konsumenten immer wieder geforderten Anspruch auf Objektivität in der Berichterstattung relativierte Idries. „Absolute Objektivität ist eine Illusion, da jeder Journalist mit seinen persönlichen Einstellungen an eine Sache herangeht, die er nicht ausblenden kann. Aber man muss stets alle Seiten aufzeigen, um den subjektiven Einfluss so gering wie möglich zu halten.“

Schließlich ging Andreas Düspohl, Leiter des Internationalen Zeitungsmuseums Aachen, mit den Schülern auf die Frage der Glaubwürdigkeit von Medien ein. Da seien sie als Konsumenten ebenso in der Pflicht wie die Journalisten selbst. Gerade Online-Plattformen, die sich als vermeintlich seriöse Nachrichtenseiten darstellten, hielten einer Überprüfung mit einigen einfachen Kriterien nicht stand.

Auch Fehler zugeben

Man müsse sich immer fragen, wie plausibel die präsentierten Nachrichten seien, von wem die Informationen stammten und in welchem Kontext sie erschienen sind. Und: „Seriöse Medien geben auch Fehler zu. Wenn man nie irgendwo eine Berichtigung liest, kann man davon ausgehen, dass da etwas faul ist.“ Denn oftmals werde vergessen: Hinter Nachrichten stehen nicht irgendwelche unheimlichen Mächte, sondern Menschen.

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