Simmerath - Symbolisch den Tihange-Reaktor abschalten

Symbolisch den Tihange-Reaktor abschalten

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
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Gemeinsam gegen Tihange: Städteregionsrat Helmut Etschenberg (li.) und Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns nahmen in der Ortsmitte Simmerath die erste Tihanghe-Aus-Säule in Betrieb. Fotos: P. Stollenwerk
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Jede Stimme zählt: Symbolisch kann man jetzt in Simmerath den Hebel umlegen, um damit ein Zeichen zu setzen für die Abschaltung des Atomreaktors Tihange. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Nach wenigen Minuten war das Zählwerk bereits 30 Mal umgesprungen. Sollte diese Frequenz aufrecht erhalten bleiben, dann dürfte die Tihange-Säule in Simmerath ihren Zweck mehr als erfüllen. Unübersehbar steht seit Montagmorgen ein zwei Meter hoher, rot-gelber Metallzylinder von Baumstammdicke in der Simmerather Ortsmitte.

In Augenhöhe befindet sich ein Metallknauf, den die Vorbeikommenden nach unten drücken sollen, falls sie mit dieser kleinen Aktion ein Zeichen für die Abschaltung des umstrittenen belgischen Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich setzen wollen.

Der ersten Tihange-Aus-Säule am Kraremannsplatz in Simmerath sollen noch weitere in der Region folgen. Da diese öffentlichkeitswirksame Aktion auf eine Initiative der Marketinggruppe des Gewerbevereins Simmerath zurückgeht, fiel auch in der Nordeifel-Kommune der Startschuss für die Anti-Tihange-Kampagne.

Weitere Säulen sollen folgen

Damit habe der Widerstand gegen das Kraftwerk Tihange „eine neue Dimension erhalten“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg, denn der Protest sei „draußen in der Breite angekommen“. Spätestens seit der Vorstellung einer Studie der Universität Wien vergangene Woche in Aachen, die die Folgen eines Reaktorunfalls im belgischen Kernkraftwerk Tihange beschreibt, ist die Öffentlichkeit hoch sensibilisiert.

Würden bei einem atomaren Unfall große Mengen Radioaktivität entweichen, wären insbesondere die Region Aachen, aber auch weite Teile des Rheinlands von erhöhter Strahlung betroffen. Der Städteregionsrat verfolgt das Ziel, der Thematik des schon häufig wegen Störfällen abgeschalteten Reaktors eine überregionale Dimension zu geben. Etschenberg hoffte in Simmerath auf eine möglichst aktive Betätigung der Tihange-Säule durch die Bevölkerung.

„Die Simmerather Gesellschaft steht hinter der Säule“, zeigte sich Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns von der Symbolkraft des Okjekts überzeugt. Es gehe bei dieser Aktion, wie überhaupt beim Thema Tihange, nicht darum, „Hysterie“ in der Bevölkerung auszulösen, aber es sei sicherlich auch die falsche Reaktion, nichts zu unternehmen und sich später eventuell dem Vorwurf der Gleichgültigkeit auszusetzen.

 

Man unterstütze „jede Aktion gegen den Reaktor in Tihange“, sagte Lars Harmens für die Marketinggruppe Simmerath. Gemeinsam mit dem Aachener Künstler Rolf Jägersberg hat er die Objektsäule entworfen, die auch noch einige Informationen enthält. „Bei einem atomaren Super-Gau sind 25 Millionen Menschen in der Region betroffen. Wir verlangen die Abschaltung dieses maroden Kraftwerkes“, ist hier zu lesen. Die Kosten in Höhe von gut 2000 Euro wurden von Simmerather Geschäftsleuten getragen.

Die beiden Initiatoren wünschen sich nun, dass es in der Region möglichst bald viele Nachfolge-Säulen gibt – am liebsten 100 Stück und damit in jedem Ort der Städteregion.

Meldung nach Belgien

Die symbolischen Zeichen sollen aber nicht nur möglichst hohe Ziffern auf dem Zählwerk produzieren. Die Stimmabgabe wird einmal wöchentlich der belgischen Regierung mitgeteilt, und auch auf der Seite des Gewerbevereins kann man sich aktuell über den Zählerstand informieren.

Weitere Aufstellplätze für die nächsten Tihange-Aus-Säulen sind bereits konkret. Am Aachener Elisenbrunnen soll ein gelb-roter Metallzylinder ebenso seinen Platz finden wie auch in Monschau. Auch Maastricht und Lüttich sollen bald folgen. Lars Harmens: „Aus dem Schneeball soll eine Lawine werden.“

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