Städteregion - Suchthilfe des Diakonischen Werkes: Ein Ort für offene Gespräche

Suchthilfe des Diakonischen Werkes: Ein Ort für offene Gespräche

Von: Stefan Schaum
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Profil schärfen, Selbstvertrauen gewinnen: Mit dickem Filzstift bringt Kunstpädagoge Helmut Jöcken auch die Umrisse der Gruppenleiterinnen Laura Mertens (hinten) und Kristina Lind aufs Papier. Foto: Stefan Schaum

Städteregion. Mit Offenheit fängt alles an. „Wenn ein Kind zu uns in die Gruppe kommt, dann muss es schon wissen, dass sein Vater ein Alkoholproblem hat oder die Mutter drogenabhängig ist“, sagt Diplom-Sozialpädagogin Laura Mertens. Die Gruppe heißt „Feuervogel“, und in der treffen sich nur Kinder aus Familien, in denen die Sucht zumindest bei einem Elternteil den Alltag bestimmt.

Seit 2015 gibt es die Gruppe bei der Suchthilfe des Diakonischen Werkes in der Städteregion. Fünf Kinder nehmen derzeit an den Treffen in der Alsdorfer Beratungsstelle teil. Sie sind zwischen acht und zwölf Jahre alt, manche von ihnen leben noch bei den Eltern, andere sind in Pflegefamilien untergekommen, weil es daheim einfach nicht mehr ging.

Wie sehr die Sucht der Eltern das Familienleben verändern und womöglich ganz zerstören kann, wissen alle Kinder. „Wir geben ihnen einen Ort, wo sie genau darüber sprechen können“, sagt Laura Mertens, die die Gruppe gemeinsam mit der Diplom-Heilpädagogin Kristina Lind betreut. Feste Rituale gehören unbedingt dazu. Es sind Fixpunkte in den Leben der Kinder, die mehr oder weniger aus den Fugen geraten sind.

Rituale wie die „Wetterkarte“, bei denen die Mädchen und Jungen einander erzählen, wie ihre Woche so war, was sie Tolles erlebt haben – oder auch vielleicht nicht so Tolles. Ob es mehr Wolken gab oder mehr Sonne. Mertens: „Das geht aber nur, wenn die Kinder genau wissen, an welcher Krankheit ihre Eltern leiden. Wenn Eltern nur herumdrucksen und ihre Abhängigkeit verheimlichen, neigen Kinder dazu, sich Schuldgefühle zu entwickeln, wenn sie merken, dass Mama oder Papa oft seltsam reagieren.“

Selbstwertgefühl stärken

Doch auch so ist eine wesentliche Aufgabe in der Gruppe das Selbstwertgefühl zu stärken. Auf spielerische Art geschieht das in der Gruppe. Bei kleinen und für die Kinder doch nicht alltäglichen Dingen wie gemeinsamen Ausflügen oder Geburtstagsfeiern. Mitunter auch auf künstlerisch-kreative Art wie jetzt bei einem „Feuervogel“-Aktionstag, der im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien stattfand.

Dabei hat Kunstpädagoge Helmut Jöcken mit dickem Filzstift Profile der Besucher auf große Papierbögen gebracht. Jeweils nur die Umrisse der Köpfe, aber doch eindeutig erkennbare Profile. Klare Botschaft: Alle sind einander ähnlich – aber jeder ist einzigartig. Mertens ist sicher: „Das kann ein Schritt sein, um Mut und Stärke zu zeigen!“ Für die Kinder in der Gruppe ist es ein besonders wichtiger.

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