Aachen - Strom für Aachen kommt jetzt aus Köln

Strom für Aachen kommt jetzt aus Köln

Von: Stephan Mohne
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Stadtwerke verlieren Auftrag von der eigenen Stadt: Das kommunale Tochterunternehmen Stawag aus Aachen ist nun nicht mehr für die Energie in Schwimmbädern, Schulen und Museen in der Stadt zuständig. RheinEnergie, kommunale Tochter der Stadt Köln, machte ein besseres Angebot und liefert nun an Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie haben eine Tochter, die Friseurin ist? Dann gehen Sie bestimmt zu ihr, um sich die Haaren schneiden zu lassen. Die Stadt hat eine Tochter, die Strom verkauft. Doch die Mutter muss jetzt einen Bogen um das Familienmitglied machen und den Strom – zumindest zum größten Teil – woanders kaufen. Verrückt? Irgendwie schon, aber doch höchst real.

Tatsache ist, dass jetzt nicht mehr die eigenen Stadtwerke den Strom für viele der städtischen Gebäude liefern. Hingegen durfte man in der anderen Domstadt die Sektkorken knallen lassen. Denn den Auftrag zur Lieferung des größten Teils des von der Stadt Aachen benötigten Stroms hat die Kölner „RheinEnergie“ bekommen. Das bestätigte die Stadt am Montag auf Anfrage. Die Auftragssumme beläuft sich nach AZ-Informationen über die Laufzeit von drei Jahren auf insgesamt 3,4 Millionen Euro.

Das Kölner Unternehmen – ebenfalls zu einem Großteil städtisch – hat sich im Herbst bei einer vom Gebäudemanagement initiierten Online-Auktion durchgesetzt. Dabei ging es um zwei „Lose“ – ein größeres, das etwa 75 Prozent der von der Stadt abgenommenen Strommenge umfasst, und eben ein entsprechend kleineres.

Zu dem größeren „Los“ gehören laut Stadtsprecher Bernd Büttgens zum Beispiel Schwimmbäder, Museen, Schulen und vieles mehr. Die kleineren Abnehmer sind in dem anderen „Los“ zusammengefasst, bei dem die Stawag das Rennen machte und bei dem es um 1,5 Millionen Euro für drei Jahre gehen soll. Die Stawag unterlag dem Konkurrenten jedoch bei der größeren Tranche. Bei der entsprechenden Auktion im Jahr 2012 hatte die Stawag noch die Nase vorne gehabt.

Nun wird eine Dienstleistung deswegen ausgeschrieben, um eben den günstigsten Preis zu erzielen und somit Geld zu sparen. Das war laut Büttgens auch in diesem Fall so. Insofern dürfte sich insbesondere die Kämmerin über den günstigeren Einkauf freuen. Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht. Denn die Stawag stellt eine wichtige Säule im städtischen Finanzgefüge dar.

Die Stadtwerke sind unter dem Dach der „Energie- und Verkehrsgesellschaft“ angesiedelt – ebenso wie die Aseag, die Parkhausgesellschaft Apag oder auch die „Regio IT“. In diesem Verbund war es bis vor nicht allzu langer Zeit so, dass mit den Gewinnen der Stawag die Verluste insbesondere der Aseag ausgeglichen werden konnten. Darüber hinaus schüttete die Stawag auch noch Millionen für den städtischen Etat aus. Diese Zeiten sind vorbei. Erstens ist das Defizit der Aseag insbesondere durch hohe Pensionsrückstellungen gewachsen.

Zweitens leiden die Gewinne der Stawag unter Millionenverlusten durch Kraftwerksbeteiligungen. Was dazu führt, dass die Stadt nun ihrerseits Geld in die „EVA“ pumpen muss – bis zu sieben Millionen Euro in diesem Jahr. Schrumpft der Gewinn der Stawag weiter, könnte die Schere noch weiter auseinandergehen. Laut Stawag macht der städtische Auftrag allerdings „nur“ rund ein Prozent des Gesamtlieferumfangs aus.

Zudem habe man ähnliche Auktionen in anderen Städten gewonnen, was den Verlust in Aachen in gewissem Maße kompensiere, so Stawag-Sprecherin Eva Wußing. „Wir bedauern natürlich sehr, dass wir die Stadt in diesem Bereich nicht mehr beliefern“, unterstreicht sie.

Sehr hoch wird der Gewinn für die Stadt indes nicht sein. Nach AZ-Informationen war der Unterschied zwischen „RheinEnergie“ und Stawag sehr gering. Bei derlei Auktionen kann es jedoch – ähnlich wie bei Privatauktionen etwa bei Ebay – um Sekunden gehen, die über Großaufträge entscheiden. Bernd Büttgens betont, dass die Stadt aus rechtlichen Gründen so habe handeln müssen.

Ob der Auftrag per Auktion vergeben werden musste oder ob auch eine „normale“ Ausschreibung möglich gewesen wäre, darüber gehen die Meinungen dem Vernehmen nach auseinander. Die Stawag muss nun den „Kölner Strom“ für die Stadt Aachen auch noch durch ihr Netz leiten. Ob sie will oder nicht.

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