Städteregionale CDU bewegt sich gegen den Trend

Von: Michael Grobusch
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Erleichterung statt Jubel: Stefan Kämmerling (SPD/2.v.r.) setzt sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den CDU-Kontrahenten Axel Wirtz durch. Foto: R. Müller
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Das sieht nicht gut aus: Nach anfänglicher Euphorie muss Ulla Thönnissen – hier mit dem Aachener CDU-Fraktionsvorsitzenden Harald Baal – erkennen, dass sie nicht wieder in den Landtag einziehen wird. Foto: Michael Jaspers

Städteregion. Die Handy-Akkus werden enorm strapaziert am Tag 1 nach der Landtagswahl in NRW. Es gibt viel zu besprechen bei Siegern und Verlierern. Das gilt vor allem für die Städteregion, die am Sonntagabend wahrlich nicht als Trendsetter von sich reden gemacht hat.

Die Ergebnisse in den vier Wahlbezirken liegen fernab der Gesamtzahlen, und so ist jeder Sieger irgendwie auch ein Verlierer: Eva-Maria Voigt-Küppers (Aachen III), Stefan Kämmerling (Aachen IV) und Karl Schultheis (Aachen I) haben dem desaströsen Abschneiden ihrer Partei zum Trotz die Direktmandate für die SPD geholt. Und der zukünftige Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) überflügelt zwar nach einem spannenden Rennen noch seine Rivalin Daniela Jansen (SPD), schrammt aber mit gerade einmal 0,9 Prozentpunkten Vorsprung nur knapp an einer Blamage im eigenen Wahlkreis vorbei.

Uneingeschränkt gut lachen hat eigentlich nur Werner Pfeil. Dem gebürtigen Stolberger und FDP-Kandidaten im Wahlkreis III gelingt dank Listenplatz 12 gleich im ersten Anlauf der Einzug in den Landtag. Auch mit seinem persönlichen Abschneiden (7,7 Prozent) kann der Jurist zufrieden sein.

Das gilt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung am Morgen nach der Wahl erzählt, in gewisser Weise auch für Ulla Thönnissen – wenngleich sie erneut Karl Schultheis den Vortritt lassen muss und nach nur gut zwei Jahren – am 20. April 2015 war sie nachgerückt – den Landtag schon wieder verlassen muss. „Ich habe bei der letzten Wahl fast zehn Prozentpunkte zurückgelegen, diesmal waren es nur 3,6“, gibt die Aachener CDU-Parteichefin und Fraktionsvorsitzende in der Städteregion zu bedenken.

„Außerdem bin ich im schwierigeren der beiden Aachener Wahlkreise angetreten.“ Ausschlaggebend sei wohl der hohe Erststimmenanteil der FDP gewesen. Daran konnte auch der Auftritt von Kanzlerin Angela Merkel in Burtscheid am Samstag offenbar nichts mehr ändern.

Warum die Städteregion in ihrer Gesamtheit aus Sicht der CDU so schlecht abgeschnitten hat, bleibt für Thönnissen vorerst ein Rätsel. „Ich kann es wirklich nicht sagen. Vielleicht hat im Nordkreis der sogenannte Schulz-Effekt eine gewisse Rolle gespielt. Wir werden das in den kommenden Wochen in Ruhe analysieren und unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Inwieweit das auch für ihre eigene Person zutreffend sein könnte, lässt die 54-Jährige offen. „Man muss sich in solchen Dingen immer etwas Zeit lassen“, betont sie.

Das gelte auch für ihre berufliche Planung, nachdem sie sich in den vergangenen beiden Jahren voll auf die Arbeit als Landtagsabgeordnete konzentriert hatte. „Ich bin frei und ungebunden. Mal sehen, wie es weitergeht.“

Gelassen zu seiner Zukunft äußert sich auch Axel Wirtz, der nach knapp 18 Jahren aus dem Landtag ausscheiden wird. „Ich bin Beamter, insofern habe ich da kein Problem“, erklärt der 59-Jährige, dass er keine Katerstimmung aufkommen lassen will. „Ich habe immer gesagt, dass Politik ein Amt auf Zeit ist.“ Keinesfalls werde er den Wahlabend nur in schlechter Erinnerung behalten: „Mit dem Ergebnis in der Eifel und auch in anderen Bereichen kann ich sehr zufrieden sein. Aber das Abschneiden in Eschweiler ist natürlich stark ins Gewicht gefallen.“ Drei Prozentpunkte Zuwachs gegenüber 2012 seien aber dennoch ein Erfolg. „Deshalb fühle ich mich auch nicht abgewählt.“

Den Grund für das „Ausscheren“ der Städteregion kann der Stolberger auch am Tag danach nicht erklären. Taktisches Wahlverhalten und den hohen Stimmenanteil der FDP führt Wirtz an. Und ergänzt dann: „Es ist mir völlig unbegreiflich, dass so viele Bürger die FDP gewählt haben.“

Zumindest auf lokaler Ebene wird es für Axel Wirtz wie gewohnt weitergehen. Am Freitag steht die – turnusmäßige – Vorstandssitzung des Kreisverbandes Aachen-Land an, den Wirtz auch weiterhin führen will. „Und natürlich werde ich auch meine Arbeit als Mitglied des Städteregionstages fortsetzen.“

Fortsetzen will auch Hendrik Schmitz (CDU) sein politisches Engagement. „Das Ergebnis vom Sonntag wird mich sicherlich nicht davon abhalten“, beteuert der 39-Jährige, der im Wahlkreis Aachen III erneut den Kürzeren gezogen hat. „Wenn ich 3,7 Prozentpunkte gegenüber 2012 hinzugewinne, kann ich doch nicht von einem Verlust sprechen“, betont der Landwirt aus Baesweiler, der zudem darauf verweist „im schwächsten CDU-Wahlkreis des gesamten Bezirks“ angetreten zu sein. „Ich bin ein politischer Mensch und werde weiter Politik für die CDU machen“, kündigt Schmitz an.

Ob dazu auch eine dritte Kandidatur für den Düsseldorfer Landtag gehören wird, sagt er nicht. „Bis dahin sind es noch fünf Jahre. Das ist Moment nun wirklich kein Thema.“ Durchaus ein Thema sind die beruflichen Veränderungen, die mit dem parlamentarischen Ausscheiden nach dieser für ihn ersten Legislaturperiode verbunden sind. Doch er kann beruhigt sein: „Ich habe immer noch meinen Betrieb.“

Für Eva-Maria Voigt-Küppers und Stefan Kämmerling geht das Abgeordnetenleben weiter. Sie sind für fünf weitere Jahre in den Landtag gewählt worden. Bereits am heutigen Dienstag wird die neue SPD-Fraktion zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen. „Ich bin jetzt in einer völlig neuen Rolle. Bisher war es sehr einfach, an die Landesregierung heranzukommen.“ Doch auch in der Opposition bleibe seine Maxime unverändert, versichert der Bankkaufmann aus Eschweiler. „Im Vordergrund meiner Arbeit steht der Wahlkreis. Ich werde den Strukturwandel und die Schaffung guter Arbeitsplätze nach Kräften unterstützen.“

Genossin Voigt-Küppers will das genauso handhaben und damit an dem von ihr erkannten Erfolgsrezept festhalten: „Ich war immer Ansprechpartner für alle Menschen in der Region. Das haben die Wähler registriert und honoriert.“

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