Warcraft Kino Freisteller

Städteregion: Trendsetter in Sachen innovativer Personalpolitik

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
11550020.jpg
Die Städteregion als Trendsetter in Sachen Personalpolitik: Mit innovativen Konzepten trotzen Personaldezernent Axel Hartmann, Personalentwicklerin Susanne Penkert und Personalamtsleiterin Ellen Wirtz (von links) dem drohenden Fachkräftemangel in der Verwaltung. Foto: Jutta Geese

Städteregion. Die eine arbeitet nur samstags, der andere immer nur stundenweise oder auch mal abends: Die Zeiten, da sich in der Städteregionsverwaltung alle Beschäftigten an einheitliche Arbeitszeiten zu halten hatten, sind schon lange vorbei.

 „Wo immer es die Arbeitsorganisation zulässt, kommen wir den individuellen Wünschen nach“, sagt Axel Hartmann. Und das nicht erst seit alle Welt von einem drohenden Fachkräftemangel spricht und nach Möglichkeiten sucht, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Schon der Kreis Aachen, Vorgängerorganisation der Städteregion, hatte sich in Sachen innovativer Personalpolitik republikweit einen Namen gemacht. „Wir sind seit Mitte der 1990er Jahre eine Art Trendsetter“, stellt der Personaldezernent denn auch mit einem gewissen Stolz fest.

Betriebskindergarten und Telearbeit, Konzepte wie „Führen auf Zeit“ und kollegiale Beratung, Nachwuchskräfteförderung und Fortbildungsangebote nicht nur zu beruflich relevanten Themen, Programme für Wiedereinsteiger nach einer Familienpause oder verschiedene Arbeitszeitmodelle bis hin zur Möglichkeit, immer wieder mal mehrwöchige oder gar mehrmonatige „Pausen“ einzulegen: Mit solchen Angeboten, die mit dem Personalrat abgestimmt und wo nötig per Dienstvereinbarung festgeschrieben werden, hat die Städteregionsverwaltung inzwischen viel Erfahrung.

Und sie verfeinert diese Konzepte immer weiter. „Wir müssen etwas tun, wenn wir ein attraktiver Arbeitgeber bleiben wollen“, erklärt Städteregionsrat Helmut Etschenberg mit Blick auf den demografischen Wandel. Und, fügt er hinzu: „Mir ist lieber, jemand legt ein Sabbatjahr ein, bevor er völlig ausgebrannt ist und auf Dauer krank ausfällt.“ Denn dann gehe auch viel Wissen verloren, das in der Verwaltung gehalten werden müsse.

Noch ist das Thema Fachkräftemangel kein drängendes für die Städteregion. Zumindest nicht in großem Stil. Hin und wieder hakt es allerdings schon. So hat das Gesundheitsamt zunehmend Probleme, Fachärzte zu finden, insbesondere solche, die bereits sind Führungsaufgaben zu übernehmen. Bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen aber gibt noch keine Probleme, sagt Personalamtsleiterin Ellen Wirtz: „Die Zahl der Bewerbungen ist nach wie vor hoch.“ Und das, obwohl die Verwaltung inzwischen deutlich mehr ausbildet als noch vor einigen Jahren. 65 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung bei der Städteregion, knapp über 20 waren es vor fünf Jahren. Mit Zustimmung der Politik wird seither über Bedarf ausgebildet, was natürlich auch bedeutet, dass nicht mehr jeder, der seinen Berufsweg in der Städteregionsverwaltung beginnt, ihn dort auch in jedem Fall fortsetzen kann. Die Chancen sind dennoch recht gut, denn das Durchschnittsalter der Beamten und Angestellten ist mit 45 Jahren recht hoch.

Bei den personalpolitischen Überlegungen geht es aber nicht allein darum, neue Mitarbeiter mit attraktiven Angeboten anzulocken, sondern auch darum, die derzeitigen Beschäftigten zu halten, betont Susanne Penkert. Seit gut zehn Jahren ist die Psychologin für die Personalentwicklung der Städteregion zuständig. Sie entwickelt Fortbildungsangebote, schaut sich Kommunikationsstrukturen an und sucht nach Verbesserungen, und sie ist Ansprechpartnerin für Beschäftigte bei Problemen aller Art, die das Arbeitsumfeld betreffen – vertraulich, versteht sich.

Aktuell beschäftigt sie sich mit dem Thema Kompetenz. Genauer: Welche Kompetenzen sind an welchem Arbeitsplatz erforderlich und wie kann man diese an den Mann bzw. die Frau bringen, wenn sie noch nicht vorhanden sind? „Die Arbeitswelt wird immer schneller und komplexer, es werden immer mehr übergreifende Kompetenzen gefordert“, sagt Penkert.

Als Beispiel nennt sie die Veränderungskompetenz, also die Fähigkeit, auf neue Herausforderungen zügig und professionell zu reagieren, wie dies etwa bei der Flüchtlingsthematik gefordert war. Über den eigenen Aufgabenbereich hinauszuschauen werde immer wichtiger, an dem einen Arbeitsplatz mehr, an dem anderen weniger. Das kann diffuse Ängste auslösen, weiß die Psychologin Penkert. Und dem will sie vorbeugen. „Hospitationen, kollegiale Beratung und der Besuch von Seminaren sind eine nützliche Strategie“, sagt sie.

Mit Kompetenz meint Penkert nicht nur solche Fähigkeiten, die im Berufsleben erworben werden. „Wer Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat oder wer ehrenamtlich aktiv ist, bringt aus diesem Lebensbereich Kompetenzen mit, die auch für den Beruf wichtig sind.“ Kolleginnen und Kollegen mit solchen Kompetenzen haben sie und Ellen Wirtz daher auch im Blick, wenn es darum geht, Nachwuchskräfte für Führungspositionen zu finden und zu begleiten. „Es geht uns darum, Leute, die das Potenzial haben, weiterzuentwickeln.“ Wobei niemand zum beruflichen Aufstieg gezwungen werde. „Es gibt ja Menschen, die fühlen sich in der zweiten Reihe wohl“, sagt Wirtz. „Das ist auch in Ordnung. Wir bedrängen sie dann ja auch nicht.“ Aber hin und wieder frage sie doch mal nach, ob nicht vielleicht doch ...

Was für Außenstehend ein bisschen nach „Wohlfühloase Städteregionsverwaltung“ klingen mag, ist für Dezernent Axel Hartmann, Amtsleiterin Ellen Wirtz und Susanne Penkert unabdingbarer Bestandteil der Personalpolitik. Die Anforderungen, der Leistungsdruck werden nicht geringer, sagen sie. Aber: „Wir reduzieren die Beschäftigten nicht nur auf ihre Arbeitskraft, sondern sehen den ganzen Menschen.“ Das trage erheblich zur Arbeitszufriedenheit bei – und führe letztlich bei den meisten ganz automatisch auch zu mehr Leistung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.