Städteregion plant neuen Premiumradweg

Von: Jutta Geese
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Gute Aussichten für Pedalritter: Die Städteregion setzt auf einen erweiterten Rurufer-Radweg.

Städteregion. Der Radtourismus spielt eine immer größere Rolle, und die Region möchte von diesem Boom profitieren. Mit dem Vennbahn-Radweg von Aachen bis zur belgisch-luxemburgischen Grenze und der Grünroute von Düren bis Hasselt in Belgien, die 2012 als erster trinationaler Radfernweg vom ADFC als Qualitätsradroute ausgezeichnet worden ist, gibt es schon attraktive Angebote.

In einschlägigen Radwanderbüchern sind sie zu finden. Doch wenn es nach Thomas König geht, soll ein weiterer Premiumradweg über die Region hinaus Radfans anlocken: der Rurufer-Radweg. Der Leiter des städteregionalen Amtes für Regionalentwicklung und Europa sprudelt geradezu über, wenn er von diesem neuen Projekt erzählt, für das die Städteregion zusammen mit den Kreisen Düren und Heinsberg Fördermittel beantragen möchte.

Attraktive Angebote müssen her

Den Radweg an sich gibt es schon. Er führt vom Quellgebiet der Rur in Botrange im belgischen Venn über gut und gerne 180 Kilometer bis zur Mündung des Flusses in die Maas bei Roermond. Und er gehört zweifelsohne zu den wichtigen und schönsten Themenradrouten in der Region und den schönsten Radwanderwegen in der Euregio. Doch, sagt Thomas König, es gebe Lücken im Netz, insbesondere in dem Gebiet des Kreises Düren.

Zudem fehle es an einer guten touristischen Infrastruktur und attraktiven Angeboten. „Wir wollen kleine und mittlere Unternehmen aus der Gastronomie, dem Hotel- und Übernachtungsgewerbe, aber auch Dienstleister rund ums Rad einbinden.“ Ziel ist, die Infrastruktur so auszubauen, dass auch mit dem Rurufer-Radweg Mehrtagestouristen umworben werden können.

Durch „intelligente Verknüpfung verschiedener Fördertöpfe“ will König den finanziellen Aufwand für die Städteregion und die Kreise Düren und Heinsberg gering halten. Ob es gelingt, wird sich erst im Herbst herausstellen. Bis zum 15. Juli werden die drei Partner eine Projektskizze für die Aufwertung des Rurufer-Radweges beim Land einreichen, und zwar im Rahmen des Programms „Erlebnis.NRW – Tourismuswirtschaft stärken“ des Wirtschaftsministeriums. Ende Oktober wird eine Jury entscheiden, welche der eingereichten Projekte aufgefordert werden, einen konkreten Förderantrag zu stellen.

Zusätzliche Mittel – nicht nur, aber auch – für den Rurufer-Radweg will König über das Regionale Wirtschaftsförderprogramm (RWP) des Landes NRW an Land ziehen. „Dabei geht es unter anderem um die Anbindung von Stolberg an den Vennbahnradweg, um die Einrichtung von sogenannten „Erlebnisschleifen“. So bezeichnet König kleinere, thematische Radrouten zwischen den touristischen „Hauptrouten“ (Vennbahn- und Rurufer-Radweg sowie Grünroute).

„Es geht nicht darum, künstlich etwas Neues zu schaffen“, betont König. Vielmehr gehe es darum, das, was punktuell schon besteht, so zusammenzufassen und auszubauen, dass es ganzheitlich vermarktet werden kann. Geplant ist etwa eine Tour „Energie erleben und entdecken“ im Norden der Städteregion, in die beispielsweise die Straße der Energie, das Alsdorfer Energeticon, die Haldenroute, der Kalkhaldenpark Würselen und der Carl-Alexander-Park Baesweiler integriert werden. Neben guten Wegen und einer guten Beschilderung bedarf es laut König auch gut ausgestatteter Rastplätze für Radwanderer.

Ebenfalls aus dem RWP-Topf will König die Anbindung der Wander- und Radwanderrouten an den ÖPNV, speziell auch an die Schiene, verbessern. Acht Bahnhöfe beziehungsweise Haltestellen sollen als „Rad- und Wanderbahnhöhe“ ausgestattet werden: Aachen Hauptbahnhof, Stolberg, Eschweiler, Herzogenrath, Alsdorf-Annapark sowie die Haltestellen Roetgen/Wanderstation, ehemaliger Bahnhof Kalterherberg und Einruhr. „Die Infrastruktur muss stimmen, damit man später das Marketing forcieren kann“, sagt König. „Beides hängt zusammen.“

Die städteregionalen Tourismuspolitiker wollen ihm gerne folgen. Dennoch sind sie ein wenig zurückhaltend, was die Einplanung von Geldern zum Ausbau der Infrastruktur angeht. Zumal die Kosten für das Projekt Rurufer-Radweg zwischen Städteregion und den Kreisen Düren und Heinsberg gedrittelt werden sollen, obwohl nur die kürzeste Wegstrecke städteregionales Terrain berührt.

König hält das aber für gerechtfertigt. Er geht davon aus, dass städteregionale Betriebe später von diesem Radweg überproportional profitieren werden. Doch die Politiker sind noch skeptisch. Bevor sie Eigenmittel der Städteregion für die nächsten Jahre dafür in Aussicht stellen, wollen sie noch mal darüber nachdenken. Zeitdruck besteht schließlich nicht, Voraussetzung ist ja ohnehin, dass die Fördermittel in greifbare Nähe rücken.

In einem aber folgen die Politiker König uneingeschränkt: Das Radwandernetz in der Städteregion muss ordentlich beworben werden. Und das, was da in letzter Zeit auf den Markt gekommen ist, lässt nur einen Kommentar zu, findet Karin Schmitt-Promny von den Grünen: „Boah, toll!“ Ob wetterfeste Radwanderkarte, Fahrradguide mit guten Beschreibungen von mehr als 20 Routen oder Tourenkarten: „Das Material wird uns aus der Hand gerissen wie geschnitten Brot“, freut sich Thomas König.

Und so muss schon wieder nachgedruckt werden. Sehr gut genutzt werden auch der Radtourenplaner auf der städteregionalen Homepage und die Rad- und Wandertouren-App. Letztere soll nun auch auf die Grünroute ausgeweitet werden.

Zertifizierung läuft aus

Apropos Grünroute: Deren ADFC-Zertifizierung läuft Ende des Jahres aus und soll nicht mehr beantragt werden. Rund 10.000 Euro würde das kosten, ohne möglicherweise erforderliche Ausbesserungsmaßnahmen. Und es ist nach der Änderung des Kriterienkatalogs durch den ADFC zweifelhaft, ob die Route wieder drei Sterne bekommen würde. Da die Zertifizierung auch keinen messbaren Erfolg gebracht habe, will man darauf jetzt verzichten.

Anders beim Rurufer-Radweg. Der soll nach dem Ausbau ins Zertifizierungsverfahren gehen. Denn: „Selbst wenn wir keine drei Sterne bekämen, dann hätten wir aber eine wertvolle Liste mit konkreten Hinweisen, was wir tun müssten, um die drei Sterne zu bekommen“, sagt König. Und das sei den finanziellen Aufwand allemal wert.

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